Zukunftswerkstatt

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Inhaltsverzeichnis

Zukunftswerkstatt

Entstehung

Die Methode „Zukunftswerkstatt“ entstand in den 1960er Jahren. Robert Jungk, ein Zukunftsforscher und Schriftsteller, der sich stark in der Anti-Atom Bewegung der 50er Jahre engagierte, sah sich häufig mit dem Konflikt konfrontiert, dass Menschen zwar an Zuständen, die ihnen nicht gefallen, Kritik üben, aber ihnen häufig die Vorstellung dazu fehlt, wie die Situation anders sein könnte. Er begann, sich mit Kreativitätstechniken und Zukunftsforschung zu beschäftigen und gründete 1965 in Wien das erste Institut für Zukunftsfragen. Die Methode der Zukunftswerksatt kam ursprünglich aus den USA und war für die Entwicklung von Produkten gedacht. Jungk modifizierte die Methode für die Anwendung auf soziale Veränderungsprozesse und fügte den ehemals drei Phasen der Methode eine vierte hinzu, in der, die in der dritten Phase entwickelten Vorschläge, in soziale Experimente umgesetzt werden sollten (Burow 1992: 17ff).

Umsetzung

Im Gegensatz zu den von Jungk letztendlich entwickelten fünf Phasen, wird die Zukunftswerkstatt heute in drei Phasen unterteilt, in die

Kritikphase

Phantasiephase und in die

Realisierungsphase.

Den drei Phasen geht eine Orientierungsphase voraus, in der sich die Menschen, die an der Werkstatt teilnehmen, kennen lernen und sich bereits mit dem Thema der Werkstatt auseinander gesetzt haben. Generell eignet sich zum Durchführen einer Werkstatt eine Gruppengröße von 20-25 Personen mit optimalerweise zwei ModeratorInnen.

Kritikphase

In der Kritikphase geht es darum, Kritik an einem Zustand der Unzufriedenheit hervorruft, zu formulieren. Die Kritik soll möglichst wertfrei geäußert werden und sich unmittelbar auf das Thema der Werkstatt beziehen. Es kann erleichternd sein, im Vorhinein eine das Thema betreffende Frage zu stellen (z.B. Was, Wie, Warum...). Die Beschwerden werden auf Karteikarten geschrieben und so ausgelegt, dass alle sie sehen können. Daraufhin werden die Karten von den VerfasserInnen vorgestellt. Dann erfolgt eine inhaltliche Zuordnung der Karten in Rubriken. Diese Rubriken können nach Relevanz geordnet werden. Anschließend ordnen sich die TeilnehmerInnen der Werkstatt den unterschiedlichen Rubriken zu. Die Kleingruppen versuchen ihre Rubriken auf Kernaussagen herunter zu brechen. Es kann vorher beschlossen werden, diese Kernaussagen positiv zu formulieren.

Phantasiephase

In der Phantasiephase sollen Ideen, Gedanken, Träumereien gesammelt werden, wie die zu kritisierende Situation anders aussehen könnte. Wichtig ist hierbei, dass keine Zensur dieser Vorstellungen vorgenommen wird. Gedanken wie „das ist nicht realisierbar/ finanzierbar“ sollen vermieden werden. Es geht darum, den Verstand eine zeitlang auszuschalten und das Spinnen wieder zu üben. Unterschiedliche Gruppenspiele (Zukunftsreisen, Spiele, die logische Denkmuster durchbrechen, etc.) können sehr hilfreich sein. Die in der Gruppe entstandenen Phantasieentwürfe werden den anderen Gruppen vorgestellt. Nach der Vorstellung sammeln die ModeratorInnen, was den TeilehmerInnen an interessanten Ideen im Gedächtnis geblieben ist. Hier können wieder Rubriken gebildet werden. Gedanken an die Umsetzung dieser Phantasien sollen hier noch vermieden werden.

Realisierungsphase

Diese neu entstandenen Rubriken werden jetzt in die Realisierungsphase mitgenommen. Es wird konkret. Was ist wirklich realisierbar? Wie kann eine Idee in einem bestehenden Gesellschaftssystem umgesetzt werden? Gibt es schon ähnliche Ideen bzw. Umsetzungen? Es kann hilfreich sein, die Ideen auf kurz-, mittel-, oder langfristige Umsetzbarkeit zu prüfen, Hindernisse zu benennen und aufzuschreiben. Forderungen können formuliert und nach Wichtigkeit geordnet werden. Daraus sollten nun Projektideen entwickelt werden, die den anderen TeilnehmerInnen präsentiert werden. Folgen müsste dann eine kontinuierliche Weiterarbeit in Form von Projekttreffen (Appel, Wendenkampf 2003: 49ff).

Ziel

Ziel einer Zukunftswerkstatt ist es in erster Linie, Menschen das Gefühl (zurück-) zu geben, dass sie selbst etwas bewegen können und einen direkten Einfluss auf Zustände nehmen können, die Unzufriedenheit hervorrufen. Ein Gefühl von Machtlosigkeit und ggf. daraus resultierendes Desinteresse kann in ein Gefühl von Mitbestimmung und zunehmendem „Sich-selbst-ernst-nehmen“ umgewandelt werden. Politik ist somit nicht mehr nur abstrakt, sondern in greifbare Nähe gerückt. Der Titel des Berichtes von Jungk „über das Pläne schmieden von unten“ beschreibt das sehr treffend. Ziel kann auch sein, ein Gemeinschaftsgefühl zu kreieren. Menschen unterschiedlichster Hintergründe treffen bei einer Zukunftswerkstatt mit einem gemeinsamen Interesse aufeinander und können etwas zusammen bewirken (Jungk 1992: 11ff).


Quellen

Appel, Ruge, Wendenkampf 2003: „Zukunftswerkstatt, ein Handbuch“, Bernburg.

Appel, Wendenkampf 2003: „Anleitung und Vorgehen in einer Zukunftswerkstatt“, in: Appel, Ruge, Wendenkampf 2003: „Zukunftswerkstatt, ein Handbuch“, Bernburg.

Burow, Olaf-Axel 1992: „Mit Zukunftswerkstätten Zukunftsvisionen entdecken: „In jedem Mensch steckt vielmehr als er selber weiß““, ein Interview mit Robert Jungk, in: Appel, Ruge, Wendenkampf 2003: „Zukunftswerkstatt, ein Handbuch“, Bernburg.

Jungk, Robert 1992: „Statt auf den großen Tag zu warten... Über das Pläne schmieden von unten“, in: Appel, Ruge, Wendenkampf 2003: „Zukunftswerkstatt, ein Handbuch“, Bernburg.

Ruge, Sylvia 2003: „Lernen für die Zukunft - den Schlüssel in die Hand geben“, in: Appel, Ruge, Wendenkampf 2003: „Zukunftswerkstatt, ein Handbuch“, Bernburg.

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