Tridem
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Seit mehreren Jahrzehnten beträgt die Schulpflicht in Deutschland mindestens neun Schuljahre. In der Regel sind die Schulabgänger/-innen zum Zeitpunkt des Pflichtschulabgangs zwischen 15 und 16 Jahre alt. Nehmen diese im Anschluss nicht gerade eine Ausbildung auf oder besuchen das Gymnasium zum Erwerb des Abiturs, so treten sie in der Regel eine ein- bis zweijährige berufsausbildungsvorbereitende Maßnahme an. Derartige Maßnahmen stellen vor allem für unmotivierte und, aufgrund kognitiver Defizite, ausbildungsunreife Jugendliche eine intensive Hilfe dar, da sie besondere pädagogische Aspekte beinhalten. Tridem ist eines von vielen Projekten und Bildungsmodellen, welches ein spezifisches Ausbildungskonzept für hilfebedürftige Jugendliche bereithält.[1]
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Wofür steht Tridem?
„Tridem“ steht für ein kooperatives Modellprojekt, welches die drei agierenden Institutionen Berufsschule, Betrieb und Bildungsbegleitung miteinander verzahnt. Die Gesellschaft für Integration, Sozialforschung und Betriebspädagogik gGmbH (ISB) betreut in Kooperation mit dem Verein für Arbeit und Bildung e.V. extern Schüler/-innen an 15 Berliner Oberstufenzentren, welche an einem einjährigen Berufsqualifizierenden Lehrgang (BQL) teilnehmen wollen. Acht der 15 Oberstufenzentren werden dabei von der ISB gGmbH und sieben von Arbeit und Bildung e.V. begleitet.[4]
Ziele und Absichten des Projektes
Das Projekt Tridem verfolgt mehrere Ziele, welche alle dem Hauptzweck, der Überführung der Schüler/-innen in eine Berufsausbildung, dienen. Die Schüler/-innen sollen vor allem Berufswünsche entdecken, überprüfen und festigen, berufliche Erfahrungen in kleineren und größeren Betrieben sammeln, realistische Vorstellungen des Arbeitslebens erwerben, die Beurteilung der eigenen Fähigkeiten trainieren sowie die Möglichkeit erhalten, den einfachen oder gar erweiterten Hauptschulabschluss nachzuholen.[5]
Die Mitarbeiter/-innen des gesamten Projektes orientieren sich bei ihren Aktivitäten an dem in den skandinavischen Ländern entwickelten Normalisierungsprinzip. Dieses zeigt besondere Solidarität für Menschen, deren Teilhabe am gesellschaftlichen Leben aufgrund einer Behinderung oder ähnlicher Beeinträchtigungen erschwert ist. Im Vordergrund stehen daher integrative statt selektive Maßnahmen bei der Einbindung Benachteiligter in die Gesellschaft.[6]
Zielgruppe
Zur Zielgruppe des Tridem Projektes gehören unter anderem Schüler/-innen, welche während des zusätzlichen, elften Schuljahres den einfachen oder erweiterten Hauptschulabschluss anstreben, denn oftmals haben diese Schüler/-innen ihre vorherige Schule ohne jeglichen Abschluss verlassen. Hinzu kommen aber auch Schüler/-innen, welche sich bereits für ein Berufsfeld entschieden haben, aber aufgrund ihrer Leistungen oder mangelnder Ausbildungsreife nur schwer eine Ausbildungsstelle finden. Sie sollen durch betriebliche Praktika Fähigkeiten erwerben und Erfahrungen mit dem Berufsbild sammeln. Nicht selten entwickeln sich zum Beispiel während eines Praktikums gute betriebliche Kontakte und die jeweiligen Schüler/-innen verbleiben nach Abschluss des Projektes in den Betrieben, um dort eine Ausbildung zu absolvieren.
Eine sehr bedeutende Zielgruppe stellen Schüler/-innen mit dem Förderschwerpunkt Lernen dar. Gerade für diese ist der praktische Anteil einer Ausbildung ungeheuer wichtig, da sie aufgrund von Defiziten in der theoretischen Wissensaufnahme den Großteil ihrer Motivation aus der Praxis schöpfen.[7] Besonders das Schulfach Arbeitslehre kann aufgrund seiner Ausrichtung auf Berufsorientierung und Einflussnahme auf die Berufswahl der Schüler/-innen vorbereitend wirken und damit den Einstieg in berufsqualifizierende Maßnahmen erleichtern, indem Schüler/-innen bereits in der allgemeinen Schule über Anschlussperspektiven wie z.B. das Projekt Tridem informiert werden.
Strategien der Bildungsbegleitung
Tridem sucht seine Teilnehmer/-innen aktiv auf, anstatt auf diese zu warten, und stellt damit sicher, dass auch die Schüler/-innen erreicht werden, die aus Unkenntnis des Projektes sonst nicht daran teilnehmen würden. Die Koordinatorin sowie weitere Mitarbeiter/-innen des Projekts stellen sich an interessierten Oberstufenzentren zu Beginn des elften Schuljahres in Informationsveranstaltungen vor. Das Team klärt dabei Schüler/-innen und Lehrer/-innen über Inhalte der Maßnahme sowie Perspektiven und Chancen auf dem Arbeitsmarkt auf. So können zum Beispiel Zertifikate erworben werden, welche die Aussichten auf einen Ausbildungsplatz erhöhen. Darüber hinaus werden schulische und außerbetriebliche Anschlussperspektiven aufgezeigt. In individuellen Erstgesprächen und Beratungen werden Interessen- und Begabungsprofile erstellt und daraus passgenaue Praktikumsplätze akquiriert. Später werden die Praktika detailliert ausgewertet und mit den Berufswünschen verglichen. Der Qualifizierungsprozess unterliegt permanenter Evaluierung und Anpassung. Außerdem werden die persönlichen Bildungsverläufe in einer Datenbank dokumentiert.[8]
Ablauf des Projektes
Das Projekt Tridem zieht eine Veränderung der Schulstruktur des Berufsqualifizierenden Lehrgangs (BQL) der elften Klasse mit sich. Das Schuljahr ist nicht mehr wie gewöhnlich in 2 Halbjahre (Semester), sondern in 3 Trimester (dreimonatig) aufgeteilt. Die Schüler/-innen absolvieren in den ersten zwei Trimestern ein jeweils mindestens dreiwöchiges Praktikum in einem Betrieb, welches am Schulberufsfeld angelehnt sein soll. Das bedeutet, dass ein Schüler/eine Schülerin welcher/welche z.B. am Oberstufenzentrum mit dem Schwerpunkt Gastgewerbe in Berlin Weißensee eingetragen ist, auch ein Praktikum im Gastgewerbe machen sollte. Ausnahmen sind generell möglich, aber nur, wenn ein Schüler/eine Schülerin keinen Schulplatz an einer Schule seines/ihres bevorzugten Berufsfeldes bekommen hat. In dem Fall kann das Praktikum auch in einem Betrieb durchgeführt werden, welcher nicht dem Berufsfeld der Schule entspricht. Die Praktika werden ergänzt durch wöchentlich 14 Stunden Fachpraxis, vier Stunden Fachtheorie sowie Allgemeinbildenden Unterricht in Fächern wie Mathematik, Deutsch, Englisch, Sozialkunde und Sport. Am Ende eines Trimesters erfolgt eine theoretische und praktische Prüfung zu dem vermittelten Themenkomplex. Statt Noten bekommen die Schüler/-innen ein von der Industrie- und Handelskammer anerkanntes Zertifikat über den so genannten Qualifizierungsbaustein, also den Inhalt eines Trimesters, ausgestellt. Das Prädikat „mit Erfolg / mit gutem Erfolg“ teilgenommen bedeutet, dass der Schüler/die Schülerin den Qualifizierungsbaustein bestanden hat. Anderenfalls erhält der Schüler/die Schülerin nur das Prädikat „Teilnahme“, also nicht bestanden.
Ein bis zwei mit Erfolg bestandene Qualifizierungsbausteine erhöhen die Erfolgschancen bei einer anschließenden Bewerbung in einem Unternehmen, weil der/die Auszubildende damit vorweisen kann, dass er/sie bereits Vorkenntnisse besitzt.[9]
Statistik
Das folgende Kreisdiagramm veranschaulicht prozentual, was mit den Projektteilnehmer/-innen nach dem einjährigen Berufsqualifizierenden Lehrgang des Schuljahres 2006/2007 geschehen ist. Bemerkenswert ist, dass 89% aller Teilnehmer/-innen eine Anschlussperspektive gefunden haben. Nur bei 11% der Teilnehmer/-innen ist der weitere Werdegang unklar oder sie stehen in keinem Beschäftigungsverhältnis.[11]
Förderung
Seit dem 01.01.2006 wird das Projekt Tridem von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (seit 01.01.2007 Senatsverwaltung für Bildung, Forschung und Wissenschaft), vom Europäischem Sozialfonds und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.[13]
Kooperationspartner
Aufgrund des großen Erfolgs und der Notwendigkeit des Projektes konnte Tridem in den letzen Jahren auf 15 Berliner Berufsschulen ausgeweitet werden. Darunter fallen elf Oberstufenzentren und vier Berufsschulen, davon drei mit sonderpädagogischer Aufgabe.
An folgenden Schulen führt die ISB gGmbH das Projekt Tridem durch:
- Oberstufenzentrum Agrarwirtschaft (Peter-Lenné-Schule), Hartsmannsweilerweg 29, 14163 Berlin, http://www.peter-lenne-schule.de
- Oberstufenzentrum Farbtechnik und Raumgestaltung (Wilhelm-Ostwald-Schule), Immenweg 6, 12169 Berlin, http://www.wilhelm-ostwald-schule.de
- Oberstufenzentrum Gastgewerbe (Brillat-Savarin-Schule), Buschallee 23 a, 13088 Berlin, http://www.osz-gastgewerbe.cidsnet.de
- Oberstufenzentrum Gesundheit II, Peter-Weiss-Gasse 6-8, 12627 Berlin, http://www.osz-gesundheit2.de
- August-Sander-Schule (Berufsschule mit sonderpädagogischer Aufgabe), Naglerstraße 1-3, 10245 Berlin, http://www.august-sander-schule.cidsnet.de
- Konrad-Zuse-Schule (Berufsschule mit sonderpädagogischer Aufgabe), Hermann-Hesse-Strasse 34-36, 13156 Berlin, http://www.sb-ol-pankow.cidsnet.de
- Loschmidt Oberschule (Berufsschule mit sonderpädagogischer Aufgabe), Loschmidtstrasse 19, 10587 Berlin, http://www.loschmidt-oberschule.de
- Carl-Legien-Oberschule (Berufsschule), Leinestraße 37-45, 12049 Berlin, http://www.carl-legien-ob.de
An folgenden Schulen führt „Arbeit und Bildung e.V.“ das Projekt Tridem durch:
- Oberstufenzentrum Bautechnik II, Gustav-Adolf-Strasse 66, 13086 Berlin, http://www.oszbau2.de
- Oberstufenzentrum Farbtechnik und Raumgestaltung (Wilhelm-Ostwald-Schule), Immenweg 6, 12169 Berlin, http://www.wilhelm-ostwald-schule.de
- Oberstufenzentrum Holztechnik, Rudower Strasse 18, 12524 Berlin, http://www.OSZ-Holztechnik.de
- Oberstufenzentrum Körperpflege, Pfalzburger Strasse 30, 10717 Berlin, http://www.osz-koerperpflege.de
- Oberstufenzentrum Konstruktionsbautechnik (Hans-Böckler-Schule), Lobeckstrasse 76, 10969 Berlin, http://www.osz-kt.de
- Oberstufenzentrum TIEM (Technische Informatik, Industrieelektronik, Energiemanagement), Goldbeckweg 8-14, 13599 Berlin, http://www.osztiem.com
- Oberstufenzentrum Versorgungstechnik (Max-Taut-Schule), Fischerstrasse 36, 10317 Berlin, http://www.max-taut-schule.de
Quellenangabe
- ↑ vgl. Braun, Frank; Richter, Ulrike; Marquardt Editha (2007): Unterstützungsangebote in Deutschland für bildungsbenachteiligte Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf. URL: http://www.dji.de/bibs/9_8596_expertise_lux.pdf S. 8, Stand: 23.05.2008
- ↑ vgl. Gesellschaft für Integration, Sozialforschung und Betriebspädagogik gGmbH (2008): Tridem. URL: http://isb-berlin.de/cms/usbtridem/. Stand: 15.06.2008
- ↑ vgl. Arbeit und Bildung e.V. (2008): Tridem. URL: http://www.aub-berlin.de/. Stand: 15.06.2008
- ↑ vgl. Arbeit und Bildung e.V. (2008): Tridem. URL: http://www.aub-berlin.de/. Stand: 30.06.2008
- ↑ vgl. Gesellschaft für Integration, Sozialforschung und Betriebspädagogik gGmbH (2008): Tridem. URL: http://isb-berlin.de/cms/usbtridem/. Stand: 30.06.2008
- ↑ vgl. Gesellschaft für Integration, Sozialforschung und Betriebspädagogik gGmbH (2008): Tridem. URL: http://www.isb-berlin.de/xhtml/isbleit.html. Stand: 30.06.2008
- ↑ mündliches Interview mit der Koordinatorin des Projektes Tridem, Frau Brigitte Ibing / ISB Berlin am 28.05.2008
- ↑ mündliches Interview mit der Koordinatorin des Projektes Tridem, Frau Brigitte Ibing / ISB Berlin am 28.05.2008
- ↑ mündliches Interview mit der Koordinatorin des Projektes Tridem, Frau Brigitte Ibing / ISB Berlin am 28.05.2008
- ↑ Interviewunterlagen der Koordinatorin des Projektes Tridem, Frau Brigitte Ibing / ISB Berlin
- ↑ mündliches Interview mit der Koordinatorin des Projektes Tridem, Frau Brigitte Ibing / ISB Berlin am 28.05.2008
- ↑ Interviewunterlagen der Koordinatorin des Projektes Tridem, Frau Brigitte Ibing / ISB Berlin
- ↑ vgl. Gesellschaft für Integration, Sozialforschung und Betriebspädagogik gGmbH (2008): Tridem. URL: http://isb-berlin.de/cms/usbtridem/. Stand:30.06.2008
- ↑ vgl. Broschüre/Flyer der Gesellschaft für Integration, Sozialforschung und Betriebspädagogik gGmbH (2008)
Internet
- Braun, Frank; Richter, Ulrike; Marquardt Editha (2007): Unterstützungsangebote in Deutschland für bildungsbenachteiligte Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf. URL: http://www.dji.de/bibs/9_8596_expertise_lux.pdf Stand: 23.07.2008
- Gesellschaft für Integration, Sozialforschung und Betriebspädagogik gGmbH (2008): Tridem. URL: http://isb-berlin.de/cms/usbtridem/. Stand: 15.06.2008
- Verein für Arbeit und Bildung e.V. (2008): Tridem. URL: http://www.aub-berlin.de/. Stand: 15.06.2008
Interview
- Mündliches Interview mit der Koordinatorin des Projektes Tridem, Frau Brigitte Ibing / ISB Berlin am 28.05.2008
Weblinks
- Deutsches Jugendinstitut (2007): Unterstützungsangebote in Deutschland für bildungsbenachteiligte Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf. URL: http://www.dji.de/bibs/9_8596_expertise_lux.pdf Stand: 23.07.2008
- Gesellschaft für Integration, Sozialforschung und Betriebspädagogik gGmbH (2008). URL: http://www.isb-berlin.de Stand: 01.07.2008
- SPI Consult (2008). URL: http://www.spiconsult.de/index.php?id=212 Stand:01.07.2008
- Verein für Arbeit und Bildung e.V. (2008). URL: http://www.aub-berlin.de Stand: 01.07.2008



