Statistiken zur Schulverweigerung
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Repräsentative Untersuchungen zum Ausmaß der Schulverweigerung in Deutschland gibt es nicht. Es liegen bisher nur Schätzungen vor. Es gibt vereinzelte Untersuchungen auf Landesebene oder auch in Schulen, wobei hierbei Probleme bei der Erhebung von Daten auftreten.
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Probleme bei der Erhebung von Daten
Unterrichtsversäumnisse werden im Klassenbuch erfasst, jedoch werden diese bisher nicht zentral ausgewertet. Auch gibt es keine einheitliche Definition von Schulverweigerung.[1] Oft wird die Problematik der Schulverweigerung ganz unterschiedlich definiert. Die Aussagen sind deshalb nur sehr bedingt miteinander vergleichbar. Empirische Untersuchungen zum Thema Schulverweigerung beziehen sich somit meist auf vereinzelte Schulen oder Bundesländer und erfassen nur die aktiven Schulschwänzer, welche durch mehrmaliges Fernbleiben am Unterricht auffallen. Die Stichproben von einzelnen deutschlandweiten Studien sind zu klein und gelten deshalb nicht als repräsentativ.
Aktuelle Schätzungen
Aktuellen Schätzungen zufolge bleiben zwischen 3 und 15 Prozent der deutschen Schüler regelmäßig vom Unterricht fern.[2] Je nach Definition variieren die Zahlen. Bezieht man auch die passive Schulverweigerung in die Zahlen mit ein, kann man je nach Definition von 10 bis 30 Prozent ausgehen. Die Mehrzahl der Verweigerer sind 14 bis 16 Jahre alt und besuchen die Haupt- und Sonderschulen.[3] Aktive Schulverweigerung tritt zumeist erst ab dem Besuch der 5. bzw. 6. Klassenstufe auf.[4] Besonders der Übergang in eine andere Schulform stellt häufig einen Auslöser für den Beginn einer aktiven Schulverweigerung dar. Mehr als 9% eines Altersjahrgangs verlassen die Schulen ohne Abschluss und haben damit ein siebenfach erhöhtes Risiko, arbeitslos zu werden (im Vergleich zu Hochschulabsolventen).[5]
Untersuchungen und Statistiken
Schleswig-Holstein
Der Rat für Kriminalitätsverhütung führte zusammen mit dem Bildungsministerium Schleswig-Holstein eine Untersuchung durch, in welcher das Fernbleiben von Schülerinnen und Schülern an allen Haupt- und Förderschulen ab der Jahrgangsstufe 5 in Schleswig-Holstein erfasst wurde. Gefragt wurde nach den entschuldigten und unentschuldigten Fehlzeiten im 1. Halbjahr 2004/05 - Stichtag war der 29. Januar 2005. An der freiwilligen Aktion haben alle 91 schleswig-holsteinischen Förderschulen mit insgesamt 5.543 Schülerinnen und Schülern teilgenommen, bei den Hauptschulen haben 228 von 241 Schulen die Daten von 38.153 Schülerinnen und Schülern gemeldet.[6]
Hierbei zeigte sich, dass an den Hauptschulen 13 % der Schülerinnen und Schüler mehr als 10 Schultage pro Halbjahr und 4 % sogar mehr als 20 Tage fehlen. An den Förderschulen blieben 20 % aller Schülerinnen und Schüler dem Unterricht länger als 10 Tage und 9 % sogar länger als 20 Tage fern. An den Hauptschulen häuften sich die Fehlzeiten in den 7. und 8. Jahrgangsstufen, an der Förderschule in der 9. Jahrgangsstufe. An den Förderschulen blieben Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund dem Unterricht häufiger fern. Auch ist aus den Daten zu entnehmen, dass die Zahl der Schulverweigerungen weniger mit der Größe der Schule als mit der Größe der Stadt zusammenhängt. Sie steigt parallel zur Einwohnerzahl. Außerdem nimmt sie an der Hauptschule und in der 9. Jahrgangsstufe der Förderschule zu. In den Hauptschulen wurden Zusammenhänge zwischen signifikanten Schulversäumnissen und der Versetzung in die nächste Klasse aufgezeigt. Bei mehr als einem Viertel (27 Prozent) der Schülerinnen und Schüler mit mehr als 10 Fehltagen war im Untersuchungszeitraum die Versetzung gefährdet.[7]
Bundesweite Befragung des DJI
In den Monaten Mai bis Juli 2000 wurden durch Mitarbeiterinnen des DJI (aus dem Handlungsfeld “Integration in Schule und Berufsschule” des Modellprogramms) insgesamt 346 Schulverweigerer in 36 Projekten befragt. In den 13 Projekten der Neuen Bundesländer und in den 23 Projekten der Alten Bundesländer wurden 107 bzw. 239 jugendliche Schulverweigerer interviewt.[8]
Von den befragten Schulverweigerern besuchten 59% vor Eintritt in eines der Projekte die Hauptschule, 12% besuchten die Sonderschule, 8% die Gesamtschule und 2% das Gymnasium. Die Restlichen 4% kamen aus anderen Schulformen (u.a. Berufsschulen). Die größte Anzahl der Befragten hat zwischen 12 und 14 Jahren begonnen die Schule zu schwänzen. Von diesen Befragten gaben 34% an, zu Beginn lediglich einzelne Stunde gefehlt zu haben. Desweiteren erklärten 59%, dass Probleme mit einzelnen Lehrern Ursache für das Schwänzen gewesen sei. Aber auch schlechte Leistungen in der Schule (31%) oder Probleme mit anderen Mitschülern (30%) waren innerschulische Gründe für ein Fernbleiben.[9] Auch wurde untersucht, welche Gründe nach erfolgreicher Rückführung der Jugendlichen in die Schule erneut zur Schulverweigerung führten. Die Verweigerungshaltung hat zu einem Abfall der Leistung geführt, welche nach der Rückführung zu Schulversagen und schließlich zu einem erneuten Fernbleiben des Unterrichts führten. [10]
Programme gegen Schulverweigerung
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat diesen Handlungsbedarf erkannt und deshalb das Modellprogramm Schulverweigerung - Die 2. Chance gestartet, welches aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds sowie aus Mitteln des Bundes gefördert wird. Die Rahmenbedingungen des ESF-Modellprogramms "Schulverweigerung- Die 2. Chance" sind in einem weiterführendem Wiki erläutert.
"Neue Handreichung - Aktiv gegen Schulschwänzen" ist eine gemeinsame Publikation des Kultus-, Innen- und Sozialministeriums (Baden-Württembergs) und soll der Verbesserung schulischer Prävention und Intervention bei der Verletzung der Schulpflicht dienen.
Ziel des Projektes "Netzwerk Prävention von Schulmüdigkeit und Schulverweigerung"ist es, Praxisbeispiele im Handlungsfeld Prävention von Schulmüdigkeit und Schulverweigerung systematisch zu erfassen. Daraus wird vom DJI ein Netzwerk von Projekten aus möglichst allen Bundesländern mit unterschiedlichen Arbeitsansätzen in Kooperation von Jugendsozialarbeit und Schulen organisiert und moderiert. [11]
Quellen
- ↑ Dr. Josef, Faltmeier (2008) S. 4
- ↑ Zentrale Regiestelle "Schulverweigerung - Die 2. Chance" (2006), Ziele des Programs, URL:http://www.zweite-chance.eu/content/programm/esf_modellprogramm/ziele_des_programms/index_ger.html, Stand: 09.06.2008
- ↑ Neurologen und Psychiater im Netz, Schulverweigerung, http://74.125.39.104/search?q=cache:XimxZsOjjXgJ:www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de/npin/show.php3%3Fid%3D28%26nodeid%3D+Schulverweigerung+Statistik&hl=de&ct=clnk&cd=1&gl=de&client=firefox-a, Stand: 09.06.2008
- ↑ r. Josef, Faltmeier (2008) S. 6
- ↑ Neurologen und Psychiater im Netz, Schulverweigerung, http://74.125.39.104/search?q=cache:XimxZsOjjXgJ:www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de/npin/show.php3%3Fid%3D28%26nodeid%3D+Schulverweigerung+Statistik&hl=de&ct=clnk&cd=1&gl=de&client=firefox-a, Stand: 09.06.2008
- ↑ Ministerium für Bildung und Frauen Schleswig Holstein, Kiel (20.04.2007), URL: http://bildungsklick.de/pm/52500/bildungsministerium-und-rat-fuer-kriminalitaetsverhuetung-legen-studie-zum-schulabsentismus-in-schleswig-holstein-vor/ Stand: 09.06.2008
- ↑ Ministerium für Bildung und Frauen Schleswig Holstein, Kiel (20.04.2007), URL: http://bildungsklick.de/pm/52500/bildungsministerium-und-rat-fuer-kriminalitaetsverhuetung-legen-studie-zum-schulabsentismus-in-schleswig-holstein-vor/ Stand: 09.06.2008
- ↑ Birgit, Reißig (2001), Schulverweigerung–ein Phänomen macht Karriere Ergebnisse einer bundesweiten Erhebung bei Schulverweigerern URL: http://www.dji.de/bibs/9_2009_Schulvw.pdf Stand: 09.06.2008 S.17
- ↑ Birgit, Reißig (2001), S.20
- ↑ Birgit, Reißig (2001), S.22
- ↑ Gehlhaar, V. (2008): Landesinstitut für Schulentwicklung. URL: http://www.ls-bw.de/allg/ab2_schulentwicklung/ab2_schulentwicklung_beispiele/schulverweigerung/linklist/document_view; Stand: 21.07.2008
Bücher
Faltmeier, Joseph (2008): ESF-Modellprgramm - "Schulverweigerung-Die 2. Chance" Handbuch für Koordinierungsstellen. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Internet
Zentrale Regiestelle "Schulverweigerung - Die 2. Chance" (2006), Ziele des Programs, URL:http://www.zweite-chance.eu/content/programm/esf_modellprogramm/ziele_des_programms/index_ger.html, Stand: 09.06.2008
Ministerium für Bildung und Frauen Schleswig Holstein, Kiel (20.04.2007), URL: http://bildungsklick.de/pm/52500/bildungsministerium-und-rat-fuer-kriminalitaetsverhuetung-legen-studie-zum-schulabsentismus-in-schleswig-holstein-vor/ Stand: 09.06.2008
Birgit, Reißig (2001), Schulverweigerung–ein Phänomen macht Karriere Ergebnisse einer bundesweiten Erhebung bei Schulverweigerern URL: http://www.dji.de/bibs/9_2009_Schulvw.pdf Stand: 09.06.2008 S.17
Weblinks
Deutsches Jugendinstitut e.V. (2005): Praxisprojekte im Handlungsfeld von Schulmüdigkeit und Schulverweigerung. URL: http://www.dji.de/bibs/229_2190_praxisprojekte.pdf Stand: 30.05.2008


