Modernisierte Berufsbezeichnungen

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Der Hintergrund

Jugendliche lassen sich bei ihrer Berufswahl von Assoziationen leiten, die sie mit den Berufen verbinden. Dementsprechend kommt den Berufsbezeichnungen bei der Berufswahl eine große Bedeutung zu. Sie vermitteln erste Eindrücke, durch die die Jugendlichen schlimmstenfalls abgeschreckt oder bestenfalls zur weiteren Beschäftigung mit dem Berufsbild motiviert werden.[1]

In Kooperation mit dem Psychologischen Institut der Universität Bonn wurden 2003 in einer Vorstudie die Berufswahlkonzepte der Jugendlichen theoretisch fundiert und ein erster Entwurf für das Befragungsinstrument entwickelt. Hierbei wurde unter anderem herausgearbeitet, dass Berufsbezeichnungen im Berufswahlprozess drei Funktionen erfüllen:[2]

Die Funktionen

Signalfunktion

Scheinen die Anforderungen des Berufs den Interessen, Eignungen und Fähigkeiten des Berufswählers zu entsprechen, wird der Beruf in die engere Wahl gezogen.

Selektionsfunktion

Um sich unter der Vielzahl der Berufe zurecht zu finden, werden Berufsbezeichnungen als Filter herangezogen. Berufe, deren Namen unattraktiv klingen, werden oft bereits im Vorfeld ausgeschlossen und nicht weiter beachtet.

Selbstdarstellungsfunktion

Da der Mensch bemüht ist, sich vor anderen positiv darzustellen, wird er bestrebt sein, einen Beruf mit einem Namen zu wählen, der von den Mitmenschen als prestigereich wahrgenommen wird.

Geschlechterspezifische Berufsbezeichungen

Es zeigt sich, dass Mädchen und Jungen auf gleiche Berufsbezeichnungen unterschiedlich reagieren. Dies gilt sowohl für die Vorstellungen von den Tätigkeitsmerkmalen eines bestimmten Berufs als auch für den vermuteten Status des Berufsinhabers.Die Abstände zwischen den Geschlechtern sind zum Teil frappierend: So gehen z.B. 59 % der Mädchen davon aus, als "Gesundheits- und Krankenpfleger/-in" könne man seine eigenen geistigen Kräfte voll einsetzen, aber nur 34% der Jungen. 92% der Mädchen sehen es als sehr typisch für diesen Beruf an, mit anderen Menschen zusammenzuarbeiten, aber nur 67% der Jungen. Und während immerhin 62% der Mädchen glauben, man habe in diesem Beruf häufig mit moderner Technik zu tun, sind davon nur 33% der Jungen überzeugt. Zu guter Letzt werden auch die Arbeitsmarktchancen des Berufs von den Schülerinnen wesentlich positiver beschrieben (51% meinen, er vermittle gute Chancen) als von den Schülern (31%).Offenbar gehen beide Geschlechter trotz gleicher Berufsbezeichnungen von unterschiedlichen Berufsbildern aus. Begründen kann man dies damit, dass sich Mädchen und Jungen substantiell hinsichtlich ihrer Freizeitinteressen, ihrer Lieblingsfächer, ihrer beruflichen Neigungen, Interessen und Ziele unterscheiden.[3]

Anglizismen in Berufsbezeichnungen

Die meisten Berufswähler/innen in Deutschland mögen keine „verenglischten“ Berufsbezeichnungen wie z.B. „Sales Manager“ anstelle von „Verkaufsleiter“.Dies ist das Ergebnis einer Befragung von rund 2.400 Jugendlichen. Alle Befragten waren im Jahr 2004 bei der Bundesagentur für Arbeit als Ausbildungsplatzbewerber gemeldet. Sie fühlen sich durch die englischsprachigen Ausdrücke eher verwirrt und schätzen sie häufig auch als zu hochgestochen für die eigentlich gemeinte Tätigkeit ein. Somit stehen englische Berufsbezeichnungen tendenziell in der Gefahr, weder zur Orientierung noch zur positiven Selbstdarstellung der Berufswähler/innen beizutragen.[4] [5]


Gründe gegen den Gebrauch von Anglizismen

  • die deutsche Sprache verkümmert;
  • die englischsprachigen Bezeichnungen wirken fremd, verwirren und tragen eher zur

Verunsicherung bei;

  • insbesondere ältere Leuten können die fremdsprachlichen Bezeichnungen nicht

einordnen;

  • die in Englisch formulierten Bezeichnungen klingen wichtigtuerisch, anbiedernd und

wirken deshalb eher platt und albern.

Bild:Berufsbezeichnungen_grafik1.gif

Bild:Berufsbezeichnungen_grafik2.gif


Wann ist eine Berufsbezeichnung attraktiv?

Eine Bezeichnung ist dann attraktiv, wenn das mit dem Namen verbundene Berufsbild mit dem eigenen Selbstkonzept übereinstimmt, also mit den eigenen beruflichen Interessen, Fähigkeiten und Zielen. Ein Problem entsteht, wenn das mit der Berufsbezeichnung verbundene Berufsbild nichts mit der Berufswirklichkeit zu tun hat. Mit dieser Problematik haben insbesondere traditionelle Berufe zu kämpfen, deren Namen oft veraltete Vorstellungsbilder auslösen. So gilt für einen größeren Teil der jungen Frauen, dass Bezeichnungen für sie meist dann uninteressant sind, wenn sie ausschließlich nach technischer Arbeit klingen. Immerhin 33 % sagen dies. Bei den Männern sind es 12 %. Deutlich besser schneiden Bezeichnungen für gewerblich-technische Berufe bei weiblichen Jugendlichen ab, wenn sie neben dem Technischen auch auf gestalterische und sozial- kommunikative Anforderungen verweisen.

Bild:Berufsbezeichnungen_grafik3.gif


Quellen

  1. A. (Hrsg.) (2004): "Berufsbezeichnungen und ihr Einfluss auf die Berufswahl von Jugendlichen". Theoretische Überlegungen und empirische Ergebnisse. Berichte zur beruflichen Bildung
  2. Berufsbezeichungen entscheiden mit über die Berufswahl von Jugendlichen!;www.bibb.de; abgerufen am 27.11.2007;10:37
  3. Eberhard, V.; Krewerth, A. (2006): "Berufsbezeichnungen und ihre Rolle bei der Berufswahl"
  4. http://www.bibb.de/de/16366.htm; abgerufen am 27.11.2007;11:02
  5. http://www1.ku-eichstaett.de/SLF/EngluVglSW/schule43.pdf; abgerufen am 01.12.2007;14:33

Lehrende Statements der Lehrenden, Experten und Expertinnen zur Qualität:


  • --Kristina Köhnlein: Dieser Artikel ist sehr gut. Verbesserungsmöglichkeiten: Einleitungssatz, eindeutigere Trennung eigene/fremde Position.
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