Ménagier de Paris

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Der Ménagier de Paris (Der Hausherr von Paris), auch nur Ménagier genannt, ist eine Ökonomik, die ausschließlich für den bürgerlichen Haushalt ausgerichtet worden ist, da sie von einem anonymen Pariser Bürger in drei Bänden für den persönlichen Gebrauch um 1392 und 1394 verfasst wurde.


Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ein anonymer pariser Bürger wollte seiner jungen und damit unerfahrenen Ehefrau die Haushaltslehre und die damit verbundenen Aufgaben nahe bringen, ihr Richtlinien für die Lebensführung geben und wie sie in der Öffentlichkeit aufzutreten hat. Da der Verfasser zwar nicht die Absicht hatte, eine Ökonomik zu schreiben, wurde sie dennoch, aufgrund der umfangreichen Themen, der anschaulichen Beispiele und Sammlungen von Ratschlägen, zu einer erklärt.

Der Ménagier ist ebenfalls eine volkssprachliche Ökonomik, die die bürgerliche Lebensgestaltung gegenüber der des Adels deutlich abgrenzt. Das beeindruckende an dieser Ökonomik war, dass der Verfasser über einen sehr gehobenen Ausdruck und fast unerschöpflichen Ideenreichtum verfügte, sowie novellenähnliche Einschübe von erstaunlicher literarischer Qualität in seine Ökonomik mit einfließen ließ. Dieser Aspekt hat auch weitere WissenschaftlerInnen interessiert und man sprach von einem Schwellentext, da diese Schrift nicht nur lebensfähig, sondern auch literaturfähig machte.

Inhalt der einzelnen Bände

Der erste Band behandelt das Verhalten der Frau innerhalb der Ehe und ihre Aufgaben im Haushalt.

Im zweiten Band, welcher der umfangreichste ist, wird die Art und Weise der Ausführung der Aufgaben beschrieben. Der dritte Band, der nur noch teilweise gesichert werden konnte, handelt vom sozialen Verhalten gegenüber Freunden und Verwandten und welche Formen es von Spielen und geselligem Beisammen sein gibt. Der Ménagier war die erste bürgerliche Ökonomik, in der auch von der Hausherrin gesprochen wurde, was ein sehr wichtiger historischer Schritt für die Stellung der Frau im 14. Jahrhundert war.

Lebensbedingungen zu der Zeit des Ménagier

Zu Lebzeiten des Verfassers herrschten gerade die Pest in Frankreich und der Hundertjährige Krieg, weshalb in dieser Ökonomik auch der Aspekt der Überlebenssicherung in Notzeiten angesprochen wird.

Anweisungen für die Ehefrau

Der spätmittelalterliche Haushalt des Pariser Bürgers war hierarchisch gegliedert, wobei der Hausherr die oberste Entscheidungsgewalt besaß. Das bemerkenswerte im Ménagier ist, dass es keine frauenfeindlichen Ausführungen mehr gibt und die Frau zu keiner körperlichen Züchtigung mehr gezwungen wurde.

Verhalten der Ehefrau

Im ersten Teil des Ménagier beschränkten sich die Lehren für die Frau darauf, beim Erwachen Gott zu loben, sich bei dem Gang zur Kirche schicklich zu benehmen, sich die Messe anzuhören, zu beichten und enthaltsam und keusch zu leben. Sie soll ebenfalls ihren Mann lieben und ihm gehorchen, seine Geheimnisse hüten und ihn davon abhalten, Dummheiten zu begehen.

Wie sich das Bild der Frau verändert hat

Im Ménagier ist beschrieben, dass der Ehemann nicht mehr bloße Befehle erteilen soll, sondern durch Wissensvermittlung Verständnis und Einsicht der zu erledigenden Tätigkeit bei der Frau erwecken soll. Die Frau nimmt in dieser bürgerlichen Ökonomik eine sehr wichtige Rolle als Gesprächspartnerin ein, der sich der Mann öffnen soll. Der Frau wird hier als verlässliche Gefährtin eine wichtige Schlüsselstellung zugewiesen. Es werden gegenüber der Hausfrau alternative Leitbilder vorgestellt, wie beispielsweise die agierende Bürgers- und Handwerksfrau, damit sie den Weg zur Selbstständigkeit findet. Um die Hausfrau weiter zu emanzipieren, wurden Frauen aus dem Alten Testament in schwierigen Situationen angeführt, wie beispielsweise Sarah und Rachel. Durch die vielen Beispiele entsteht eine Galerie von Frauenportraits, die durch alle drei Bände des Ménagier führt.

Die Organisation des Haushalts

Im zweiten Teil des Ménagier wird die Leitung und Organisation des Haushalts beschrieben. Es werden Informationen darüber gegeben, wie man die zum Haushalten notwendigen Mittel beschaffen kann und wie man seine Tätigkeiten, die über den Tag verteilt erledigt werden müssen, in einen sinnvollen Zusammenhang einordnen kann. Darüber hinaus werden Attitüden gegeben, die zur Daseinsorientierung beitragen. Man findet in diesem Abschnitt auch Ratschläge wie man den Lohn bei Arbeitern aushandelt und es wird vor der Rache der Dienstboten gewarnt.

Weitere Angestelle im pariser Haushalt des 14. Jahrhunderts

In dem Haushalt des anonymen Pariser Bürgers herrschte das Prinzip der Arbeitsteilung. Neben den Tätigkeiten, die die Frau erfüllte, gab es noch einen Koch, einen Schäfer und einen Rinderhirt, eine Viehmagd und einen Fuhrmann. Für Arbeiten, die saisonabhängig waren, wurden Lohnarbeiter herangezogen.

Die Aufgaben der Ehefrau

Zu den Verhaltensweisen der Frau gehörte auch die Selbstbeherrschung für ein friedliches Miteinander, damit der Ehemann ihr treu bleibt. Die Aufgaben des Hausherrn bestanden darin, die Aufsicht über alles zu haben und sich um das Wohl der Bediensteten zu kümmern. Die folgende Auflistung soll einen kleinen Abriss von der Vielzahl der Aufgaben der Frau geben. Sie musste:

  • das Dach wasserdicht halten
  • den Qualm eines Kamins gering halten
  • für ein gutes Feuer im Winter sorgen
  • für ordentliche Kleidung sorgen
  • Kenntnisse über die Bereitung von Gift besitzen

Weitere, für uns heute selbstverständliche, Anweisungen waren sich Sorgen um ein gutes Bett ohne Flöhe zu machen, den Haushalt mit Gemüse, Obst und Kräutern zu versorgen, wenn es jahreszeitlich günstig war bestimmte Lebensmittel einzukaufen und welche Kriterien die Frische von Lebensmitteln garantieren. Des Weiteren wurden Angaben zu Fleischteilen gemacht und für welche Speisen sie sich am Besten eigneten (Suppen, Eintöpfe, Ragouts, Braten), sowie Grundtechniken der Nahrungszubereitung, wie Garen, Würzen und Binden.

Was den Ménagier zum Kochbuch auszeichnet

Letztlich wurden noch Hinweise gegeben, wie das Anbrennen von Speisen zu vermeiden sei und wenn sie angebrannt sind, wie die Geschmacksbeeinträchtigung gering zu halten sei. Die Gefahr, dass Speisen anbrannten, war damals größer als heute, da die Zubereitung meistens über offenem Feuer stattfand.

Der Ménagier ist mit rund 380 Rezepten das umfangreichste mittelalterliche Kochbuch. Neben seiner Funktion als Ökonomik, ist der Ménagier de Paris zugleich Zeugnis des sich seiner Stellung in der Gesellschaft bewusst werdenden Bürgertums.

Theresa Bölling

Literaturverzeichnis

Richarz, Irmintraut (1991:43-84): Oikos, Haus und Haushalt. Vandenhoeck & Ruprecht: Göttingen.

Abbildungsverzeichnis

Andritzky, Michael u.a. (1992:149-366): Der Oikos- Von der Feuerstelle zur mikrowelle, Haushalt und Wohnen im Wandel. Austellungsband, Anabas- Verlag: Gießen.

Kühnel, Harry (Hg.) (Graz 1985:15-67): Alltag im Spätmittelalter.

Laurioux, Bruno (1992:14-129): Tafelfreuden im Mittelalter. Kulturgeschichte des Essens und Trinkens in Bildern und Dokumenten. Belser- Verlag: Stuttgart- Zürich.

Linkverzeichnis

Die Übersetzung des Ménagier de Paris von Janet Hinson

Le Ménagier de Paris in Wikipedia

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