Kurzbeschreibung von Berufsvorbereitung, Berufsorientierung, Berufsfindungsprozess, Berufswahl und Berufswahltheorien
Aus ArbeitslehreWiki
Inhaltsverzeichnis |
Berufsorientierung
Die Berufsorientierung hat die Aufgabe Schülern und Schülerinnen die allgemeine Berufswelt näher zu bringen und ihre individuelle Berufswegplanung vorzubereiten. Dazu gehört die Sicherstellung der Employability (Beschäftigungsfähigkeit) und damit verbunden die Vermittlung von Informations-, Berufswahl- und Orientierungskompetenz. Diese wird von den Schulen, der Bundesagentur für Arbeit und den Betrieben mitgestaltet.
Die Schule und die Bundesagentur für Arbeit arbeiten hierbei stark zusammen. Sie helfen den Jugendlichen ihre Interessen und Fähigkeiten zu entdecken und diese mit ihrem Berufswunsch zu vereinen. Dabei berücksichtigen sie in welchem Verhältnis Berufswünsche zu schulischen Leistungen und der Arbeitsmarktsituation stehen. Sie vermittelt den Schülern eine eigenständige Orientierungskompetenz in Bezug auf Informationsbeschaffung, über Anforderungen, Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten der Berufe.
Durch das Praktikum wird den Schülern und Schülerinnen die Möglichkeit gegeben in ihrem Berufswunsch praktische Erfahrungen zu sammeln. Abhängig von den daraus resultierenden Erlebnissen und Eignungen können sich die Jugendlichen auf den Berufswunsch festlegen oder sich neu orientieren.
Am Ende der Berufsorientierung liegt die Berufs- oder Fortbildungswahl und die erlernte Bewerbungskompetenz. Die Länge und Intensität der Berufsorientierung im Arbeitslehreunterricht ist abhängig vom Rahmenplan der jeweiligen Bundesländer und der Schulart, wie z.B. Haupt- oder Realschule.
Berufsvorbereitung
Die Berufsvorbereitung ist ein entscheidender Faktor bei der Berufs- bzw. Erstberufswahl und bei der beruflichen Wiedereingliederung. Sie dient jungen Menschen zur Vorbereitung auf das Berufsleben und zur objektiven Berufswahl, wenn dies durch den schulischen Werdegang noch nicht gegeben ist. Sie hilft Erwachsenen, die beispielsweise durch Krankheit ihre bisherige Tätigkeit nicht mehr ausüben können, bei der Neuorientierung in der Berufswelt.
Die Bildungsmaßnahmen der Berufsvorbereitung sind spezielle Lehrgänge, die der Arbeitsmarktsituation angepasst werden. Sie berücksichtigen Problematiken wie regionale Besonderheiten und passen sich den Fähigkeiten der Teilnehmer-/innen an. Sie finden zum Beispiel in Form von Rehabilitations- und Behindertenlehrgängen oder dem Berufsvorbereitungsjahr statt.
Die Bundesagentur für Arbeit hat 2006 ein Neues Fachkonzept [1] (NFK) für berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen gem. SGB III entwickelt, das auf die Aneignung von Grundqualifikationen der Berufswelt abzielt. Grundlegende Änderungen sind hierbei die individuelle Eignungsanalyse und die konstante sozialpädagogische Betreuung.
Berufsfindungsprozess
Der Berufsfindungsprozess geht der Berufswahl voraus. Er ist im Grunde ein Prozess der Identitätsfindung, Sozialisation und gesellschaftlicher Integration. Aus diesem Identitätsprozess und der gesammelten Erfahrung, die Jugendliche meist während ihrer Schulzeit durch individuelle und institutionelle Faktoren, wie Interessenspezifizierung, Leistungsstand und soziale Eingliederung sammeln, entsteht die Berufswahl.
Erstberufswahl/ Berufswahl
Der Weg der Berufswahl ist heute kein abgeschlossener Prozess mehr. Er erstreckt sich über längere Zeiträume und wird von bestimmten Restriktionen und Faktoren beeinflusst. Daraus resultieren immer wiederkehrende Entscheidungsprozesse.
Speziell die Erstberufswähler/-wählerinnen stehen vor einem hohen Qualifikationsanspruch und immer weniger Arbeitsplätzen. Zum ersten Mal muss nun eine klare Wahl getroffen werden, nach der sich die zukünftige Berufslaufbahn richtet. Diese Situation setzt viele Jugendliche bereits bei der Erstberufswahl unter Druck.
Diese Entscheidungen wiederholen sich im Laufe des Berufslebens. Zum Beispiel in Form von freiwilligen oder erzwungenen Berufs- bzw. Arbeitsplatzwechseln oder durch Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen.
Bei der heutigenBerufswahl entsteht das Problem, dass man in den meisten Fällen eher von einer Chancenauswertung als von einer freien Wahl sprechen kann. Zudem spielen sozioökonomische Faktoren mehr denn je eine entscheidende Rolle.
Berufswahltheorien
Sie sind Aussagesysteme, die versuchen den Berufsentscheidungsprozess zu erklären. Durch die vielen Einflüsse und Faktoren die diesen Prozess begleiten, kann man nicht von einem allein gültigen Ansatz sprechen. Somit gibt es eine Vielzahl von Theorien die versuchen die Berufswahl zu erläutern.
Der entscheidungstheoretische Ansatz
Hierbei werden die Interessen und Fähigkeiten des Individuums als Entscheidungskriterien festgelegt. Dabei liegen dem Verhalten drei Modelle zu Grunde (vgl. LANGE 1975, S.164 ff.)
- "rationale Wahl" die Berufwähler wählen das Optimum.
- "Durchwurschtelns" die Angleichung der eigen Vorstellungen an berufliche Qualifikationen.
- "Zufallswahl" die Wahl entsteht durch eine situationsbedingte Möglichkeit.
Zu kritisieren ist an diesem Modell, dass es eher eine Durchmischung aller drei Varianten sein wird, die zu einer Entscheidung führt. Zudem werden beim entscheidungstheoretischen Ansatz die äußeren Aspekte der Berufswelt nicht wirklich betrachtet. Es wird nur das Verhalten des Berufswählers klassifiziert.
Der entwicklungstheoretische Ansatz
Grundlage ist ein Entwicklungsprozess der sich über das gesamte Leben erstreckt und von der erworbenen Erfahrung und dem Reifungsprozess beeinflusst wird. Er stellt eine Verbindung zwischen dem Berufswähler und der Berufswelt her. Die eigenen Interessen- und Persönlichkeitsentwicklungen entscheiden damit die Berufswahl.
Der allokationstheoretische Ansatz
Die Berufswahl entsteht hierbei durch einen Zuordnungsprozess der äußeren Rahmenbedingungen. Dadurch wird die eigene Wahlfreiheit stark beschränkt und eher von antizipierten Faktoren, sozioökonomischen Faktoren und Umfeldfaktoren beeinflusst.
Alle Theorien haben zwei Ansatzpunkte. Sie beziehen sich mehr oder weniger auf den Berufswähler oder die Berufswelt. Dabei lassen sie andere relevante Faktoren außer acht. Menschen lassen sich nicht in Schema zwingen und entwickeln sich selten vorhersehbar. Außerdem berücksichtigen sie nicht die reale Berufswelt, mit ihren ständig neuen Voraussetzungen. Es gibt somit keinen allgemeingültigen Ansatz der Berufswahltheorie, der in der Praxis angewandt werden kann.
- ↑ http://www.ausbildungspakt-berufsorientierung.de/abgerufen am 19.2.2008
- ↑ http://de.wikipedia.org/wiki/Berufsorientierung abgerufen am 18.02.2008
- ↑ http://www.bda-online.de/ausbildungspakt/Start/Index/Kapitel/2.2/index.html abgerufen am 19.2.2008
- ↑ http://www.ichblickdurch.de/angebotssuche/index_anbieter_angebotstyp.php?angebotstypen_id=35&zielgruppen_id=1&bezirk=anbieter_bezirk abgerufen am 19.02.2008
- ↑ http://de.wikipedia.org/wiki/Berufsvorbereitung abgerufen am 18.02.2008
- ↑ http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/A05-Berufl-Qualifizierung/A051-Jugendliche/Publikation/pdf/bvB-Fachkonzept-0306.pdf abgerufen am 18.02.2008
- ↑ http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/BERUFSFINDUNG/Berufsfindungsprozess.shtml abgerufen am 19.02.2008
- ↑ Jung, E.: Arbeits- und Berufsfindungskompetenz als pädagogische Aufgabe. Basisartikel in Unterricht Wirtschaft, Heft 15 (3/2003)
- ↑ http://www.arbeitsagentur.de/nn_27986/zentraler-Content/A03-Berufsberatung/A031-Berufseinsteiger/Allgemein/Berufswahl.html abgerufen am 18.02.2008
- ↑ http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/BERUFSFINDUNG/Berufsfindungsprozess.shtml abgerufen am 19.02.2008
- ↑ Ebner, H. G.: Berufsfindung und Ausbildung. Ausbildung unterstützt die berufliche Entwicklung. Weihnheim, Basel: Beltz, 1992, S.19 ff
- ↑ http://www.schule-bw.de/schularten/gymnasium/bogy/docs/trends.pdf abgerufen am 19.02.2008
- ↑ http://www.gib.nrw.de/service/downloads/WS_schule_berufsvorb_mai04.pdf abgerufen am 19.02.2008
- ↑ Gmelch, A.: Berufswahltheorien. In May, H (Hrsg): Lexikon der ökonomischen Bildung. München, Wien: Oldenburg, 2000, S.94 ff.
- ↑ Dedering, U.: Einführung in das Lernfeld Arbeitslehre. München, Wien: Oldenburg, 1994, S.300 ff
Lehrende Statements der Lehrenden, Experten und Expertinnen zur Qualität:
- --Kristina Köhnlein: Dieser Artikel ist gut, muss aber wegen ungenauer Platzierung der Fußnoten überarbeitet werden. Verbesserungen auch bei Überschrift, Einleitungssatz, Quellen als Gliederungspunkt.

