Kulturgeschichte der Arbeit

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Bild:Kulturgeschichte.jpg Im Laufe der Geschichte veränderte sich das Verhältnis der Menschen zur Arbeit unter politischen, gesellschaftlichen bzw. kulturellen Einflüssen. Im folgenden soll anhand exemplarischer Darstellungen eine kurze Übersicht über den Wandel des Wertes der Arbeit im Kontext geschichtlicher Entwicklung ermöglicht werden.


Inhaltsverzeichnis

Altes Ägypten: 3150 v.Chr.–395 n.Chr.

Arbeit galt als mühe-, aber sinnvoll. Durch die speziellen Gegebenheiten des Nils wurde sie häufig im Kollektiv erledigt und hatte so einen starken sozialintegrativen Charakter. Ebenso wurde durch das gemeinschaftliche Arbeiten die Produktivität gesteigert. Die Sklaverei konnte sich durch den theozentrisch-zentralistischen Gesellschaftsaufbau, religiöse Ideologien und den Mangel an Hungersnöten durchsetzen.[1]


Antikes Griechenland: 800 v.Chr.-600 n.Chr.

Im alten Griechenland wurde dagegen insbesondere die körperliche Arbeit mit dem Aufstieg der Polis immer mehr verachtet. Sie galt als lästig, da sie die Menschen an Dingen wie der Beteiligung am sozialen Leben, Politik, Kriegsdienst, geistiger Tätigkeit und Kontemplation hinderte. Einen schlechten Ruf hatte Lohnarbeit generell, da ihr Ausüben mit „Sich-Verkaufen“ gleichgesetzt wurde. Sklaverei wurde durch die Sichtweise, dass die Dinge selbst einen sklavischen Charakter hätten, also die Natur und nicht die Menschen andere zu Sklaven machten, moralisch gerechtfertigt.[2]


Mittelalter: 500-1500

Im Mittelalter wandelte sich der Arbeitsbegriff tiefgreifend. In ihren Anfangszeiten noch durch die Werte der Antike geprägt, war besonders die körperliche Arbeit verpönt. Arbeit wurde als Plage, Mühsal und Folge des Sündenfalls aufgefasst. Nur vereinzelt in Klöstern stellte ihre Verrichtung die Erfüllung eines göttlichen Auftrags dar. Die Gesellschaft war in drei Teile, den Adel, Klerus und Bauernstand geteilt. [3]


Luther: 1483–1546

Durch Luthers Verständnis, das Ausüben eines Berufes (Begriff ‚Beruf‘ durch seine Bibelübersetzung) sei ein „Dienst am Nächsten“ und ein gottgefälliges Leben sei durch gute Berufsausübung ebenso möglich wie durch ein mönchisches, asketisches Dasein, veränderte sich die Einstellung gegenüber der Ausübung weltlicher Tätigkeiten. Materielles Streben und solches nach einem anderen Stand verurteilte Luther jedoch.[4]


Spätes Mittelalter/Neuzeit: 1500-1750

Im Laufe der profunden gesellschaftlichen Veränderungen bildete sich ein vierter Stand, das Bürgertum, heraus. Besonders die Handwerker gewannen in der Gesellschaft an hohem Ansehen und Einfluss. Die Anerkennung des Wertes der Arbeit begünstigte die Etablierung der Berufsstände der Handwerker und die darauffolgende emanzipierte Organisation in Verbänden bzw. Zünften. Ihr Einfluss reichte mitunter sogar soweit, dass sie die politische Entwicklung ganzer Städte mitbestimmten.[5]


Industrialisierung: ab 1750

Der optimale Einsatz von Maschinen und menschlicher Tätigkeit ergab eine neue Form von Arbeitsteilung. Das Prinzip der Wachstumsgesellschaft forderte ständig zu steigernde Produktivität. Ein internationaler Markt wuchs, in welchem die industrialisierten Staaten miteinander kooperierten, jedoch auch konkurrierten. Im Rahmen der Kolonialisierung wurden nicht-industrialisierte Länder erobert und als Rohstofflieferanten und Absatzmärkte ausgebeutet. Aufgrund der Verstädterung, bei der Kapital, Wissen, Technik und Arbeitskräfte an bestimmten Orten konzentriert wurden, entstanden Verkehrsnetze. Diese führten zu einer endgültigen Trennung von Privatleben und Arbeit der Menschen. Die Arbeiter sollten durch elektrifizierte Straßenbahnen zu den Fabriken gebracht werden.[6]


Karl Marx: 1818-1883

Neue Perspektiven ergaben sich durch das Werk Marx‘, der Arbeit als etwas produktives, technisches und materialistisches verstand. Er sah Arbeit als etwas natürliches, das dem Menschen in gewisser Weise „Heilung“ ermöglichte. Bei seinen Überlegungen verknüpfte er Ökonomie und Gesellschaft thematisch miteinander. Der Zustand einer Gesellschaft ist laut Marx immer vom Stand der technischen Arbeitsmittel und seiner Produktionsverhältnisse abhängig. [7]


Drittes Reich / Nationalsozialismus: 1933-1945

Im Dritten Reich wurde der Arbeitsbegriff durch die NSDAP ideologisch und politisch gezielt verwendet. Der Arbeiter und der Wert der Arbeit an sich wurde kulturell und medial hochstilisiert und das Bild des Arbeiters verherrlicht, um zum Erreichen der eigenen politischen Ziele eine möglichst große Anzahl der Bevölkerung zu beeinflussen. Das private und gesellschaftliche Leben der Bürger wurde durch parteiangehörige Arbeiterorganisationen gezielt beeinflusst und reglementiert. Im Kontrast dazu ist der Arbeitsbegriff im eigentlichen Sinne infolge der realisierten Maßnahmen -die Wiedereinführung der Zwangsarbeit mit all ihren menschenverachtenden Konsequenzen- pervertiert worden.[8]


Geteiltes Deutschland: 1948-1990

Nach Kriegsende wurde Deutschland in zwei Hälften geteilt und durch unterschiedliche politische Systeme geleitet. Die BRD orientierte sich politisch-wirtschaftlich an den USA und entwickelte international erfolgreich die soziale Marktwirtschaft. Die Staatswirtschaft der DDR wurde dagegen nach sowjetischem Vorbild planwirtschaftlich geführt. Dies führte im internationalen Wettbewerb zur jahrzehntelangen Stagnation. Beide Staatsformen ähnelten sich in der Glorifizierung des Arbeitsbegriffes und Arbeiters, so bezeichnete sich die DDR beispielsweise als Arbeiter- und Bauernstaat.[9]


  1. J., Kocka (Hrsg.) (2000), Geschichte und Zukunft der Arbeit, Campus Verlag, S.54-66
  2. J., Kocka (Hrsg.) (2000), Geschichte und Zukunft der Arbeit, Campus Verlag, S.54-66
  3. J., Kocka (Hrsg.) (2000), Geschichte und Zukunft der Arbeit, Campus Verlag, S.80-87
  4. Jan, Kruse (2002), Geschichte der Arbeit und Arbeit als Geschichte, Lit Verlag, S.97-100
  5. J., Kocka (Hrsg.) (2000), Geschichte und Zukunft der Arbeit, Campus Verlag, S.80-87
  6. R., Geisen (Hrsg.)(1999), Grundwissen Arbeit, Ernst Klett Verlag, S.44-55
  7. J., Kruse (2002), Geschichte der Arbeit und Arbeit als Geschichte, Lit Verlag, S.121-127
  8. F.,Grube, G., Richter (1982), Alltag im Dritten Reich, Hoffmann und Campe
  9. R., Geisen (Hrsg.) (1999), Grundwissen Arbeit, Ernst Klett Verlag, S.44-55
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