Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund im Vergleich
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Einleitung
" Nur 42 Prozent aller ausländischen Jugendlichen, die 2006 auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz waren, haben einen gefunden"[1], sagte Petra Schraml von der Forumbildung.
Es stellen sich die Fragen:
Welche Schulabschlüsse erwerben die Jugendlichen mit Migrationshintergrund und welche Chancen eröffnen sich ihnen auf dem Ausbildungsmarkt? Diese Fragen werden anhand von statistischem Material nachgegangen.
Schulabschlüsse
Auf dem ersten Blick lassen sich aus der Tabelle 1 wesentliche Unterschiede feststellen. 29,3% der ausländischen Schüler und Schülerinnen erreichen den Realschulabschluss, aber 39,0% der deutschen. Beim Hauptschulabschluss dreht sich das Verhältnis nahe zu um. Ihn bekommen fast 39% der ausländischen Schulabgänger und Schulabgängerinnen und nur 23,1% der deutschen. 15,4% der ausländischen Schüler und Schülerinnen erwerben die Hochschul- bzw. die Fachhochschulreife. Bei den deutschen Schulabgängern und Schulabgängerinnen sind es doppelt so viele. Ohne einen Hauptschulabschluss verlassen 16,4% ausländische Schüler und Schülerinnen die Schule und nur 6,9% die deutschen. Das bedeutet, dass über 50% der ausländischen Schulabgänger und Schulabgängerinnen keinen oder einen Hauptschulabschluss erreichen, während 70% der deutschen Schulabgänger und Schulabgängerinnen einen mittleren oder hohen Schulabschluss erringen.
,Einmündungswahrscheinlichkeiten’
Um die ,Einmündungswahrscheinlichkeiten’ der Bewerber und Bewerberinnen mit und ohne Migrationshintergrund besser nachvollziehen zu können, werden die folgenden zwei Grafiken näher erläutert.
Wie aus der ersten Grafik zu sehen ist, haben Bewerber und Bewerberinnen ohne Migrationshintergrund eine hohe ,Erfolgswahrscheinlichkeit’ in eine Ausbildung einzumünden. Die ,Einmündungswahrscheinlichkeit’ beträgt 40%. Haben die Bewerber und Bewerberinnen einen guten Realschulabschluss bzw. eine Fachhochschulreife erworben, steigt die ,Erfolgswahrscheinlichkeit’ auf 47%. Erlangen sie zusätzlich eine gute bis sehr gute Mathematiknote, erreichen die Bewerber und Bewerberinnen eine ,Einmündungswahrscheinlichkeit’ von 64%. Und leben sie auch noch in einer Region mit einer Arbeitslosenquote unter 9%, erhöht sich die ,Einmündungswahrscheinlichkeit’ auf 71%.[4]
Die ,Gesamtwahrscheinlichkeit’ der Bewerber und Bewerberinnen mit Migrationshintergrund in eine Ausbildung einzumünden, liegt bei 29%. Verfügen die Bewerber und Bewerberinnen mit Migrationshintergrund einen Realschulabschluss bis hin zur Fachhochschulreife, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit auf 34%. Erhalten sie noch eine gute bis sehr gute Mathematiknote, verbessert sich die ,Einmündungswahrscheinlichkeit’ auf 41%. Und leben sie in einer Region mit einer Arbeitslosenquote unter 9%, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit auf nur 44%.[6]
Berufsausbildung
Wichtig zu erwähnen ist, dass die Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz benachteiligt sind, auch wenn sie genau die selben Schulabschlüsse erworben haben, wie ihre deutschen Schulkameraden.[7]
Daher bewegen sich die Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf ein ,enges Berufsspektrum', weil sie nur in diesen Berufen überhaupt eine Ausbildungschance haben. Was für die Jugendlichen ohne Migrationshintergrund kaum in Frage kommt, ist dies für die Jugendlichen mit Migrationshintergrund meistens der einzige Ausweg.[8]
Berufe
Die zehn Berufe in die ausländischen Jugendliche am häufigsten einmünden sind:
- Arzthelfer/in
- Zahnarzthelfer/in
- Pharmazeutisch-kaufmännische/r Angestellte/r
- Friseur/in
- Verkäufer/in
- Maler/in und Lackierer/in
- Kraftfahrzeugmechaniker/in
- Kaufmann/frau
- Elektroinstallateur/in
- Bürokaufmann/frau.
Hier landen 43% von ihnen.[9]
Junge Frauen mit Migrationshintergrund werden zum größten Teil als Friseurin (14%) oder Arzt-und Zahnarzthelferin (jeweils 11%) ausgebildet. Die jungen Männer hingegen hauptsächlich als Maler und Lackierer( 10%), Gas- und Wasserinstallateur (10%) und Kraftfahrzeugmechaniker (7,6%). Diese Berufe weisen unter anderem schlechte Verdienstmöglichkeiten und schlechte Arbeitszeiten auf.[10] Zu diesem Thema siehe auch Berufswahl für Mädchen und Berufswahl von Jungen.
Abbrecher
Unter diesem Aspekt ist leider keine differenzierte ,Abbruchquote' ausfindig zu machen, weil keine Aufteilung zwischen der Nationalität sowie nach dem Migrationshintergrund stattfindet.
Die Abbrecher lösen ihre Ausbildungsverträge überwiegend in den Bereichen:
- Industrie und Handel (19%),
- Handwerk (27%) und im
- öffentlichen Dienst mit 7% auf.[11]
" Jeder fünfte neu abgeschlossene Vertrag während der Ausbildung wird wieder gelöst". [12]
Daher besuchen Jugendliche mit Migrationshintergrund eher die überbetrieblichen ,Bildungsgänge' als ,Ausweichmöglichkeiten'.[13]
Hemmnisse
Es gibt viele Faktoren, die den Zugang zu einer dualen Ausbildung hemmen. Es werden nur ein Paar vorgestellt. Zum einen herrschen Vorurteile gegenüber Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Ein Beispiel dafür ist, dass die Auszubildenden die ,Schwierigkeit' in der Verständigung sehen. Ein anderer Aspekt ist die Konkurrenz unter Bewerbern und Bewerberinnen mit und ohne Migrationshintergrund zu erwähnen. Das heißt, dass sie mit den leistungsstärkeren Jugendlichen deutscher Abstammung um den vorhandenen Ausbildungsplatz rivalisieren. Auch werden die Bewerber und Bewerberinnen mit Migrationshintergrund durch ,ethnische Diskriminierung' unterprivilegiert. Das heißt, dass die Bewerber und Bewerberinnen bezüglich ihrer ,ethnischen Zugehörigkeit' von den Betrieben gar nicht angenommen werden.[14]
Schluss
Wie aus dieser Ausarbeitung zu entnehmen ist, ist es nebensächlich, über welche Schulabschlüsse sowie gute Zeugnisse die Bewerber und Bewerberinnen verfügen. Sobald die Bewerber und Bewerberinnen einen Migrationshintergrund aufweisen sinken ihre Chancen signifikant.
Quellen
- ↑ www.eduserver.de/db/mlesen.html?Id=39182 abgerufen am 23.7.2008 um 16.00 Uhr
- ↑ Statistisches Bundesamt, Fachserie 11, Bildung und Kultur, Reihe 1 Allgemeinbildende Schule; Reihe 2 Berufsbildende Schulen.
- ↑ Mona Granato/Joachim Gerd Ulrich: "Also was soll ich noch machen, damit die mich nehmen/ Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihre Ausbildungschancen. In: Kompetenzen stärkern, Qualifikationen verbessern, Potenziale nutzen. Berufliche Bildung von Jugendlichen und Erwachsenen mit Migtaionshintergrund. Hrsg. vom Wirtschafts- und sozialpolitischen Forschungs- und Beratungszentrum der Friedrich- Ebert- Stiftung Abteilung Arbeit und Sozialpolitik. Bonn 2006,S.42.
- ↑ Mona Granato/Joachim Gerd Ulrich: "Also was soll ich noch machen, damit die mich nehmen/ Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihre Ausbildungschancen. In: Kompetenzen stärkern, Qualifikationen verbessern, Potenziale nutzen. Berufliche Bildung von Jugendlichen und Erwachsenen mit Migtaionshintergrund. Hrsg. vom Wirtschafts- und sozialpolitischen Forschungs- und Beratungszentrum der Friedrich- Ebert- Stiftung Abteilung Arbeit und Sozialpolitik. Bonn 2006,S.42.
- ↑ Mona Granato/Joachim Gerd Ulrich: "Also was soll ich noch machen, damit die mich nehmen/ Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihre Ausbildungschancen. In: Kompetenzen stärkern, Qualifikationen verbessern, Potenziale nutzen. Berufliche Bildung von Jugendlichen und Erwachsenen mit Migtaionshintergrund. Hrsg. vom Wirtschafts- und sozialpolitischen Forschungs- und Beratungszentrum der Friedrich- Ebert- Stiftung Abteilung Arbeit und Sozialpolitik. Bonn 2006,S.43.
- ↑ Mona Granato/Joachim Gerd Ulrich: "Also was soll ich noch machen, damit die mich nehmen/ Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihre Ausbildungschancen. In: Kompetenzen stärkern, Qualifikationen verbessern, Potenziale nutzen. Berufliche Bildung von Jugendlichen und Erwachsenen mit Migtaionshintergrund. Hrsg. vom Wirtschafts- und sozialpolitischen Forschungs- und Beratungszentrum der Friedrich- Ebert- Stiftung Abteilung Arbeit und Sozialpolitik. Bonn 2006, S.42-43.
- ↑ Prof.Dr.Ursula Boos- Nünning: Berufliche Bildung von Migrantinnen und Migranten. Ein vernachlässigtes Potenzial für Wirtschaft und Gesellschaft. In: Kompetenzen stärken, Qualifikationen verbessern, Potenziale nutzen. Berufliche Bildung von Jugendlichen und Erwachsenen mit Migrationshintergrund. Hrsg. vom Wirtschafts- und sozialpolitischen Forschungs- und Beratungszentrum der Friedrich- Ebert- Stiftung Abteilung Arbeit und Sozialpolitik. Bonn 2006, S.10.
- ↑ Prof.Dr.Ursula Boos- Nünning: Berufliche Bildung von Migrantinnen und Migranten. Ein vernachlässigtes Potenzial für Wirtschaft und Gesellschaft. In: Kompetenzen stärken, Qualifikationen verbessern, Potenziale nutzen. Berufliche Bildung von Jugendlichen und Erwachsenen mit Migrationshintergrund. Hrsg. vom Wirtschafts- und sozialpolitischen Forschungs- und Beratungszentrum der Friedrich- Ebert- Stiftung Abteilung Arbeit und Sozialpolitik. Bonn 2006, S.21
- ↑ Mona Granato: Jugendliche mit Migrationshintergrundin der beruflichen Bildung. In: WSI-Mitteilungen 8/2003,S.477.
- ↑ Dr.Dagmar Beer- Kern: Ausbildungssituation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. In: Berufsausbildung- eine Zukunftschance für Zugewanderte. Berufliche Qualifizierung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund fördern- Unternehmer mit Migrationshintergrund für die Ausbildung gewinnen. Hrsg.von Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Berlin und Bonn 2005, S.21.
- ↑ Ursula Boos- Nünning: Berufliche Bildung von Migrantinnen und Migranten. Ein vernachlässigtes Potenzial für Wirtschaft und Gesellschaft. In: Kompetenzen stärken, Qualifikationen verbessern, Potenziale nutzen. Berufliche Bildung von Jugendlichen und Erwachsenen mit Migrationshintergrund. Hrsg. von Wirtschafts- und sozialpolitischen Forschungs- und Beratungszentrum der Friedrich- Ebert- Stiftung Abteilung Arbeit und Sozialpolitik. Bonn 2006, S.8.
- ↑ Ursula Boos- Nünning: Berufliche Bildung von Migrantinnen und Migranten. Ein vernachlässigtes Potenzial für Wirtschaft und Gesellschaft. In: Kompetenzen stärken, Qualifikationen verbessern, Potenziale nutzen. Berufliche Bildung von Jugendlichen und Erwachsenen mit Migrationshintergrund. Hrsg. von Wirtschafts- und sozialpolitischen Forschungs- und Beratungszentrum der Friedrich- Ebert- Stiftung Abteilung Arbeit und Sozialpolitik. Bonn 2006, S.8.
- ↑ Dr. Dagmar Beer-Kern: Ausbildungssituation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund.In: Berufsausbildung- eine Zukunftschance für Zugewanderte. Berufliche Qualifizierung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund fördern- Unternehmer mit Migrationshintergrund für die Ausbildung gewinnen. Hrsg. von Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Berlin und Bonn 2005, S.18.
- ↑ Mona Granato: Qualifizierungspotentiale in Deutschland nutzen: Jugendliche mit Migrationshintergrund und berufliche Ausbildung. www.bibb.de/dokumente/pdf/chancengl_granato.pdf abgerufen am 22.7.2008 um 23.48 Uhr.
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