Ehrenamt

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"Das Ehrenamt ist eine meist freiwillige, am Gemeinwohl orientierte, unbezahlte, selbst- oder mitbestimmte Aktivität oder Arbeit in einer entsprechenden Organisation."[1] "Heute wird „Ehrenamt“ zunehmend gleichbedeutend mit Begriffen wie „Freiwilligenarbeit“ oder „Bürgerschaftliches Engagement“ verwendet."[2]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte des Ehrenamtes

Die Geschichte des Ehrenamtes beginnt in den ersten Epochen der Menschheitsgeschichte, als sich die ersten Menschen alleine oder organisiert, in welcher Form auch immer, für das allgemeine Wohl engagierten. Aufzeichnungen darüber existieren heute leider nicht oder nicht mehr. Somit bleibt die Frage nach einem exakten zeitlichen Anfang des Ehrenamtes unbeantwortet.

Antike

Die erste belegbare ehrenamtliche Tätigkeit lässt sich im antiken Griechenland feststellen. Mit dem Entstehen der griechischen Stadtstaaten zwischen 700 – 500 v. Chr. wurde es Aufgabe der männlichen Bürger, sich für das Gemeinwohl nicht nur zu interessieren, sondern auch zu engagieren, da die Pólis (griech. für Stadtstaat) gleichbedeutend für eine politische Selbstverwaltung und Selbstregierung stand. Aus diesem Grund traf man sich regelmäßig und unentgeltlich zu Versammlungen, um über die Interessen der Stadt diskutieren zu können. Frauen und Sklaven waren zu diesen Versammlungen freilich nicht zugelassen. Bürger, die sich den Angelegenheiten des Gemeinwesens verweigerten und diesen Versammlungen fernblieben, galten in den Augen der Griechen als zurückgezogene Menschen und wurden als sogenannte Idiótes (griech. für Privatmenschen) bezeichnet. War die Bezeichnung zunächst nicht wertend gemeint, änderte sich dies spätestens mit dem Ausspruch des berühmten Athener Staatsmannes Perikles: „Wer an den Dingen der Stadt keinen Anteil nimmt, ist kein stiller, sondern ein schlechter Bürger.[3]

Im Zuge der aggressiven Expansionspolitik eines kleinen Stadtstaates wurde Griechenland bis 146 v. Chr. vollständig unterworfen. Fortan stellte es eine Provinz des Römischen Reiches dar, welche anscheinend aufgrund ihrer einzigartigen Kultur eine große Faszination auf die Römer ausübte. Denn die römische Kultur orientierte sich gerade in religiösen wie auch in moralischen Vorstellungen sehr stark an der griechischen Kultur. So erscheint es nicht weiter verwunderlich, dass in Rom zahlreiche politische Aufgaben als Ehrenämter vergeben und übernommen wurden, deren Ausübung in der Öffentlichkeit als besonders tugendhaft galt.

Doch im Römischen Reich lief die Idee des Ehrenamtes nicht nur ähnlich der griechischen Vorstellung als Teil der Politik weiter, sondern erfuhr mit dem Entstehen des Christentums auch einen völlig neuen Ansatz. Eines der christlichen Gebote besagt, dass man seinen Nächsten wie sich selbst lieben soll.[4]

Mittelalter

Aus dem Gebot der Nächstenliebe leiteten die Christen im Laufe der Jahrhunderte eine Art Verpflichtung ab, Bedürftigen wie Armen, Alten und Kranken uneigennützig zu helfen. Zu erwähnen ist an dieser Stelle sicherlich der Johanniterorden, der ab 1099 in Jerusalem das erste christliche Spital für bedürftige Menschen unterhielt. Diese Hilfe für Notleidende geschah in erster Linie wohl aufgrund der bereits oben angeführten Verpflichtung zur Barmherzigkeit. Man sollte hier jedoch der Vollständigkeit halber erwähnen, dass dieses Spital durchaus auch eine andere, nicht weniger wichtige Funktion inne hatte: die Verbreitung des Christentums in einer vorwiegend muslimischen Stadt. Jerusalem befand sich nämlich bis 1099 in arabischer Hand und wurde erst im Zuge des ersten Kreuzzuges von den Christen erobert.

Doch während der Johanniterorden das Spital „nur“ knapp einhundert Jahre unterhielt, da der Sultan von Ägypten die Stadt für die Muslims wieder zurückeroberte, hatte sich die Idee der Armenhospitäler als Unterstützung bedürftiger Menschen in Europa längst verbreitet. Die ehrenamtliche Tätigkeit eines Christen brachte abgesehen zur Frömmigkeit aber auch einen ebenso erfreulichen wie irdischen Effekt: Ehrenämter dienten spätestens seit dem Mittelalter dem Erwerb von Ehre. So zerschnitt zum Beispiel Martin von Tours seinen Mantel, um einem nackten Bettler etwas zum Anziehen zu geben. Dabei, und natürlich aufgrund seiner anderen barmherzigen Taten, erlangte er so viel Ehre, dass er nach seinem Tod von der Kirche heiliggesprochen wurde und noch heute unter dem Namen Sankt Martin bekannt ist.[5]

Der Erwerb von Ehre in einem Ehrenamt entsprach also wirklich der Realität. Dies bedeutete, dass nicht nur adlige Personen, sondern später sogar Bürger durch die Ausübung einer solchen Tätigkeit mehr Ansehen und Achtung, also Ehre erfahren konnten.

Moderne

Um 1808 legte die Preußische Städteordnung die kommunale Selbstverwaltung der Städte fest und ließ damit gleichzeitig dem Ehrenamt eine größere Bedeutung zukommen. Denn im § 191 stand geschrieben, dass die Bürger einer Stadt ohne Anspruch auf Entgelt zur Übernahme öffentlicher Stadtämter verpflichtet werden konnten.[6] Eine solche gesetzliche Regelung war in der Geschichte des Ehrenamtes erstmalig, hatte jedoch zwei durchaus nachvollziehbare Gründe. Zum einen war es natürlich wichtig, dass zur Verwaltung der Stadt sämtliche Stadtämter vergeben waren. Zum anderen hatten sich mit der Neuzeit die Moralvorstellungen der Menschen grundlegend verändert, da „Mit der Entwicklung des Bürgertums […] [die] Produktivität und Arbeit das Ideal der republikanischen Gemeinwohlorientierung mehr und mehr ab[lösten].“.[7] Während ein Mensch also bis zur Neuzeit aufgrund seines sozialen Engagements Ansehen erlangen konnte, wurde in der Neuzeit ein moralischer Mensch mehr und mehr durch seine berufliche Tätigkeit definiert. Somit kann man davon ausgehen, dass der oben erwähnte § 191 der Preußischen Städteordnung eine Stadtverwaltung vor mangelenden Interessenten schützen sollte, da das Interesse für ehrenamtliche Tätigkeit anscheinend stark abgenommen hatte.

Aber auch wenn das Interesse in Deutschland vielleicht zurückgegangen ist, erloschen war es freilich nicht. Dies belegt schon die Tatsache, dass bis Ende des 18. Jahrhunderts mehrere systematische Organisationen ehrenamtlicher Arbeit entstanden. Allen voran stand die Organisation der Armensysteme. Das Hamburger System von 1788 gilt sicherlich als Vorreiter unter den organisierten Armensystemen, da hier erstmals private Initiative, also ehrenamtliche Tätigkeit mit staatlicher Verantwortung verknüpft wurde. Die Besonderheit lag darin, dass Hamburg in 60 Gebiete eingeteilt wurde, „denen jeweils drei ehrenamtliche Armenpfleger […] zugeordnet […]“ wurden.[8] Die Stadt übernahm dabei die Finanzierung der Güter wie z. B. Nahrungsmittel und der Lokalitäten. Damit stellt das Hamburger System einen - wenn nicht sogar den - Anfang der modernen Sozialarbeit dar.

Den Höhepunkt der freiwilligen sozialen Arbeit in diesem Bereich stellte das Elberfelder System dar, das 1853 in Elberfeld in Westfalen ins Leben gerufen wurde. Man kann es durchaus als Weiterentwicklung des Hamburger Systems bezeichnen, da wie Hamburg auch Elberfeld in Quartiere aufgeteilt wurde, die allerdings weitaus kleiner ausfielen. Diesen wurde mindestens ein ehrenamtlicher Armenpfleger zugeteilt. Das Besondere an diesem System war die persönliche Betreuung der Bedürftigen in ihrem eigenen sozialen Umfeld. Die Tatsache, dass zahlreiche deutsche Städte dieses System in den folgenden 50 Jahren übernahmen, ist nicht weiter verwunderlich, da das Elberfelder System bereits Mitte 1852, also noch vor der Einführung in Elberfeld in der Armenordnung des Deutschen Reiches als „[…] künftiges Vorbild in der Armenpflege […]“ erklärt wurde.[9]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Aufgaben sozialer Hilfsleistung jedoch so vielschichtig geworden, dass die Armensysteme nach einer Professionalisierung verlangten. Aus diesem Grund wurden zusätzlich zu den ehrenamtlich Tätigen allmählich auch hauptamtliche Mitarbeiter eingesetzt, deren Ausbildung mit der Zeit immer professioneller wurde.

Rolle des Ehrenamtes heute

Das Jahr 2001, war das internationale Jahr der Freiwilligen. Durch viele Aktionen auf Bundes- und Länderebene gibt es in der Bundesrepublik Deutschland mittlerweile 23 Millionen Menschen über 14 Jahren die sich ehrenamtlich in Vereinen, Verbänden, Initiativen oder Kirchen engagieren. [10] Ausgehend von einer Gesamtbevölkerung von ca. 82 Millionen Menschen, die in der Bundesrepublik Deutschland leben,[11] sind das ungefähr ein Viertel der Bevölkerung in dieser Altersgruppe. In sozialen und öffentlichen Bereichen sind Ehrenamtliche notwendig Hilfskräfte, sie betreuen Kinder und alte Menschen, übernehmen Dienste im Naturschutz, Umweltschutz, Tierschutz Katastrophenschutz, sind bei Hilfsorganisationen und bei Agenda 21-Projekte anzutreffen. Auch bei der Telefonseelsorge sind sie gefragt, sowie auch als Bewährungshelfer oder der Caritas und Diakonie in Hospitälern, (Grüne Damen und Herren, die Patienten ohne Angehörige besuchen) in Altenheimen, Behinderteneinrichtungen, bei Sport, Kultur- auch anderen Vereinen und der Freiwilligen Feuerwehren. Bund, Länder und Kommunen versuchen auf verschiedene Weise die Arbeit im Ehrenamt zu stärken. Dabei ist häufig der erste Anknüpfungspunkt die Freiwilligenagentur, sie tritt als Vermittlung von Einsatzstellen in Kraft. Bisher gab es eine Konzentration des Ehrenamtes bei Kirche und Gewerkschaften, dies nimmt jedoch tendenziell ab. So sind Vereine, Verbände, Initiativen und Kirchen unter bestimmten Umständen inländische juristische Personen des öffentlichen Rechts und dürfen ihre Arbeit vergüten (s.h. Absatz, VI. Förderung des Ehrenamtes Stand 2007, § 3 Nr. 26 Einkommens-Steuergesetz)

Motive ehrenamtlich Engagierter

Das freiwillige Engagement der Bürger/Innen äußert sich im Wunsch die Gesellschaft auch im Kleinen mitzugestalten. Die Motive sind vielfältig, so wird das Bedürfnis nach:

  • · sozialen Kontakten und dem sozial Eingebundensein benannt.
  • · Auch „ […]Altruistische Motive“, das Handeln für andere, sie zu unterstützen, scheint einen hohen Stellenwert einzunehmen. [12]
  • · „Spaß zu haben und mit sympathischen Menschen in Kontakt zu […]“treten, ein weiterer Punkt.[13]
  • · So ist es auch wichtig Kenntnisse und Erfahrungen zu erlangen.[14] näher beleuchtet und zeigt, dass „ein[…] beruflicher Nutzen […]nur für rund 20% von Bedeutung […]“ist. [15] < Die nächste Befragung im Jahr 2009 wird im Spätsommer ausgewertet und enthält neue Tendenzen.
  • · Das CEV (Centre Europeen du Volariat) führt das... „[…]Streben nach „lebenslangem Lernen“ an, [16] das bei so vielen einhergeht mit der „Hoffnung einen Weg in die Vollbeschäftigung zu finden“[17]

Ehrenamt in anderen Ländern

Wie hoch der Stellenwert des Ehrenamtes in anderen Nationen ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Wie z.b. der Geschichte, Tradition und Stand des öffentlichen Sozialsystems. „Ein Beispiel für eine überaus hohe ehrenamtliche Beteiligung der Bevölkerung sind die USA“.[18] In den USA sind knapp fünfzig Prozent der Bevölkerung in gemeinnützigen Organisationen tätig.[19] „Mehr als 100 Millionen Europäer, bei einer Bevölkerung von 700 Millionen, engagieren sich ehrenamtlich. Freiwillige, leisten in Organisationen und Initiativen, einen wichtigen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Beitrag“, [20] berichtet das europäische Parlament in Straßburg! Die CEV, eine europäische Nichtregierungsorganisation in Brüssel, hat in verschiedenen EU- Ländern Studien über den Stand des Ehrenamtes angefertigt. „Die Definition für die ehrenamtliche Tätigkeit sind allerdings uneinheitlich und entstammen verschiedener nationaler Quellen“.[21] Mehr 200.000 gemeinnützige Organisationen sind in Großbritannien als bekannt. Das Vereinigte Königreich steht an der Spitze, gefolgt von Deutschland, Frankreich und Polen“. [22] Die „[…] Wertschöpfung durch soziale Arbeit in Deutschland“, beträgt „mehr als 75 Milliarden Euro […]“. [23] „in Frankreich entspricht dies 750.000, in Italien 300.000 Ganztags- und Vollzeit-Arbeitsplätze“. „Unbezahlte Arbeit trägt mit drei bis fünf Prozent zur europäischen Wirtschaftskraft bei“. EU-Abgeordnete Harkin erklärt: “Für jeden Euro, den Organisationen in die Unterstützung von Freiwilligen investieren, bekommen sie 3 bis 8 Euro zurück“.[24] Eine sehr verlockende Möglichkeit für 18 bis 30 jährige Jugendliche sich direkt zu engagieren, bietet der Europäische Freiwilligendienst. „Ein großer Teil der Freiwilligen kommt aus oder geht nach Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien, Italien, Polen und Ungarn“.[25] Sie können bis zu einem Jahr im Ausland in gemeinnützigen Projekten arbeiten. Ihnen werden Reisekosten, Unterkunft, Verpflegung, Versicherung und Taschengeld aus EU Mitteln zur Verfügung gestellt. „Aufnahmeprojekte im Bereich Kultur-Jugend-Stadtteilarbeit, Umwelt- und Entwicklungshilfe, Betreuung und Unterstützung von alten und pflegebedürftigen Menschen sind möglich“. [26]Dies ist eine große Chance für Jugendliche, im Ausland über ein Beschäftigtenverhältnis, das Land und die Menschen kennen zu lernen, ihre Talente auszuprobieren und darüber hinaus Sprachkenntnisse zu erwerben.

Förderung des Ehrenamtes

Wie könnten bürgerliche ehrenamtliche Aktivitäten belohnt und gefördert werden? „Der Staat fördert ehrenamtliches Engagement in unterschiedlicher Weise“.v[27]

  • · als steuerliche Förderung,
  • · in Form von Versicherungen,
  • · als Anerkennung von Entschädigung für Verdienstausfall,
  • · Zertifikate für erworbene Erfahrung und Auszeichnungen für geleistete Ehrenamtsdienste.

Dies alles hilft dem Staat nicht nur Geld zu sparen, sondern trägt auch zur Verbesserung und Verschönerung der gemeinschaftlichen Flächen der Kommunen bei. Dazu gäbe es die Möglichkeit für gemeinnützige Vorhaben finanzielle Förderungen von Sponsoren der Wirtschaft einzufordern. Sie könnten durch ihr soziales Engagement ein positives Bild ihrer Firma erzeugen. Dies hat eine Imageaufwertung zur Folge, die eigene Popularität steigen lässt.

Die steuerliche Förderung zeigt sich durch den jährlichen steuerfreien Betrag, in der Höhe von 2.100, -€. Dieser wird erzielt, wenn die Einnahmen durch ein Ehrenamt im Auftrag einer inländisch juristischen Einrichtung zur Förderung gemeinnütziger, mildtätiger und kirchlicher Zwecke erwirtschaftet wurden (Stand 2007, § 3 Nr. 26 Einkommensteuergesetz)

Versicherungen für ehrenamtlich tätige sind klar gegliedert. Vereine, große Wohlfahrtsorganisationen und Institutionen in denen Ehrenamtliche tätig sind, versichern sie gegen Unfall- und Haftpflichtschäden. Bürgerliches Engagement versichert die gesetzlichen Unfallversicherungen. ( Novellierung 2005, Sozialgesetzbuch SGBIII)„ Nicht versichert sind die, die durch vorsätzliches Handeln […] Schäden“ verursacht haben.[28] „Öffentlich-rechtliche Institutionen stehen unter besonderen Versicherungsschutz“. Damit sind auch ehrenamtlich tätige in „[…] Rettungsunternehmen, öffentliche Einrichtungen, Wohlfahrtspflege, landwirtschaftliche Einrichtungen gemeint“. „Auch Personen die mit Zustimmung von Kommunen freiwillig tätig sind. (z.B. ein Vereinsmitglied, das bei dem Neubau eines Vereinshauses, freiwillig tätig ist)“ Verschiedene Versicherungsträger sind Kommunen, private oder auch gewerbliche berufsgenossenschaftliche Träger. Die Feststellung welcher Versicherungsträger für „[…] bestimmte Tätigkeitsfelder ehrenamtlicher Arbeit zuständig ist, richtet sich nach „[…] der Art des Aufgabenbereiches, sowie der Organisations- und Rechtsform der betreffenden Organisation“. „Für Ehrenamtliche, die in der Kommune tätig sind, ist entweder die Unfallkasse des Bundes, die jeweilige Landesunfallkasse oder der betreffende Gemeindeunfallversicherungsverband zuständig“.[29] „Bei Privater Trägerschaft ist […] eine Berufsgenossenschaft zuständig. Für Freiwillige[…] tritt die Berufsgenossenschaft, Gesundheitsdienst u. Wohlfahrtspflege, sowie die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft“ ein. Organisationen melden die Anzahl der Ehrenamtlichen […] in ihrer Abteilung, bei der jeweiligen Berufsgenossenschaft an.“[30] Nichtversicherte können sich bei privaten Versicherungsträgern einer Gruppenversicherung anschließen.

Eine Entschädigung für den Verdienstausfall wurde durch das Gesetz zum Ehrenamt in der Jugendarbeit, in einigen Bundesländern durch die Bereitstellung von Haushaltsmitteln geregelt. Im Job-AQTIV-Gesetz [31] (Aktivieren, Qualifizieren, Trainieren, Investieren, Vermitteln, § 119,Abs.2, SGBIII)“, soll Arbeitslose nicht grundsätzlich vom freiwilligen Engagement ausgeschlossen werden. So ist eine fünfzehnstündige, wöchentliche, ehrenamtliche Tätigkeit vor dem Beginn der Beschäftigung, die Agentur für Arbeit zu benachrichtigen. Außerhalb des Berufes erworbene Fähigkeiten können mit dem Instrument zur Erfassung von Schlüsselkompetenzen (IESKO) in berufliche Eignungsdiagnostik eingebracht werden. Diese Art Arbeitszeugnis/Zertifikat, kann bei der Berufsberatung eingesetzt werden, um Arbeitssuchende besser vermitteln zu können.


Spezielle Sichtweisen ehrenamtlichen Engagements

Netzwerke

Zur Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen, der Erweiterung und der Suche nach vielseitigeren Möglichkeiten für die Durchführung freiwilliger Arbeit, haben sich viele verschiedene ehrenamtliche Gruppen, Vereine und Verbände zu engen Netzwerken zusammengeschlossen.[32] Neben den Netzwerken für die direkte Verbesserung der Arbeit im ehrenamtlichen Bereich, entstanden in einigen regionalen Gebieten Projektbüros und lokale Verflechtungen, die für aktive Ehrenamtliche und deren Träger Beratungsangebote in verschiedensten Formen anbieten.[33]

„Der dritte Sektor“

Im sogenannten „Dritten Sektor“ haben sich Initiativgruppen, Interessensverbände, Vereine und Vereinigungen zusammengeschlossen, die die Rahmenbedingungen und den Wandel des Ehrenamtes von der Seite der Wissenschaft und Forschung betrachten. Sie bieten mit ihrer Form der Auseinandersetzung mit diesem Thema, allen Interessierten eine Plattform zur wissenschaftlichen und praktischen Diskussion sowie einem äquivalenten Informationsaustausch institutioneller Gemeinsamkeiten. Mit der Veröffentlichung umfangreicher Publikationen und der Rezensierung von Neuerscheinungen zum Thema Ehrenamt, stehen regelmäßig neue Erkenntnisse und Informationen zu Verfügung.[34]

Internet und neue Medien

Mit der sich stetig erweiterten Nutzung des Internets, haben sich auch im IT- Bereich Verbindungen entwickelt, die auf einen gewissen Anteil von ehrenamtlicher Arbeit nicht verzichten können. Gerade die Arbeit vieler Open – Source – und Open – Content – Projekte bieten mit der frei zugänglichen Nutzung und Weiterentwicklung lizenzierter Software oder der kostenlosen Verwendung von Texten und Multimediainhalten aus freien Archiven, ehernamtliche Tätigkeiten in ihren Beschäftigungsfeldern an. So währen bspw. Internetlexika wie Wikipedia u.a. ohne das aktive Mitwirken Ehrenamtlicher undenkbar.[35][36]

Die Bewertung der ehrenamtlichen Arbeit

Der Wert ehrenamtlicher Arbeit wird in Politik und Gesellschaft stark diskutiert. Mit dem Versuch in Studien und Forschungen diesen Wert für die Gesellschaft und das Allgemeinwohl zu berechnen, möchte man hauptsächlich den Kostenfaktor für die geleistete Arbeit, die sonst von bezahlten Kräften hätte ausgeführt werden müssen, als abrechenbares Äquivalent betrachten.[37]

Das Ehrenamt als finanzieller Wert

Hierbei stehen zwei verschiedene Aspekte der Bewertung ehrenamtlicher Arbeit im Blickpunkt. Einerseits steht die Wertermittlung beim Stellen von Anträgen und Förderungen von Eigenmitteln im Mittelpunkt der Verrechnung ehrenamtlicher Tätigkeit. Bei dieser Form werden die Kosten berechnet, die entstanden währen, wenn der Leistungsnehmer die zu erbringende Arbeit am Markt käuflich erworben hätte und diese nicht durch die Arbeit ehrenamtlicher Mitarbeiter hätte einsparen können. Andererseits erfolgt die Darstellung des Geldwertes ehrenamtlicher Tätigkeit in der Einflechtung der Arbeit in die Jahresberichte von Organisationen und Einrichtungen. In diesem Fall wird ehrenamtliche Arbeit in einem gesellschaftlichen Kontext eingeordnet und als gesamte Wertschöpfung in der Gesellschaft betrachtet.[38]

Das Ehrenamt zur Erlangung persönlicher Kompetenzen

Bereits am 19. September 2006 äußert sich das Bundesvorstandsmitglied des Kolpingwerks Gitte Scharlau anlässlich „der Woche des bürgerschaftlichen Engagements“:

„Wer ehrenamtlich tätig ist, erwirbt Kompetenzen, die mittlerweile auch für das berufliche Fortkommen von nicht unerheblichem Wert sind“ [39]

Das Herausbilden und Erlangen von Soft Skills durch die Mitarbeit in ehrenamtlichen Einrichtungen und Projekten, haben Deutschland weit bereits 85 % der Unternehmen bei der Mitarbeitersuche erkannt. Gerade soziale Kompetenzen, Leistungsfähigkeit, Mitarbeiterführung und die Steuerung komplexer Abstimmungsprozesse in großen Organisationen sind einige der Qualitäten, die bei einer aktiven ehrenamtlichen Tätigkeit erworben werden und für Firmen interessant sind.[40]

Kritik

Fördert der Staat völlig uneigennützig?

Momentan wird der Stellenwert der ehrenamtlichen Arbeit in der Gesellschaft sehr kritisch betrachtet. Durch die stetig steigende Verschuldung der öffentlichen Hand und der damit verbundene Zwang in den Kommunen und im Staatshaushalt massive Einsparungsmaßnahmen durchzuführen, sieht die Bereitwilligkeit des Staats, ehrenamtliche Tätigkeit zu unterstützen und zu fördern, als sehr fragwürdig aus. Gerade in sozialen Bereichen wie z.B. im Gesundheitswesen und Altersfürsorge, wo die Kosten explosionsartig steigen, findet man immer unbezahlte Arbeit im Form von ehrenamtlicher Tätigkeit.[41][42] Hierbei entzieht sich der Staat immer mehr seiner Fürsorge und den Aufgaben, die vor nicht allzu langer Zeit vom Staat bezahlt wurden. Ein wesendlicher Kritikpunkt ist der Vorwurf, der Staat verfolge nur das Ziel seinen Haushalt zu entlasten und ehrenamtlich tätige Mitarbeiter als willkommene „Melkkühe“ auszunutzen.[43] Diese Beanstandung resultiert gerade aus dem Zusammenhang, dass andererseits die Finanzierung des Staatshaushaltes bspw. durch die Besteuerung der Wohlhabenden und Finanzkräftigen nur sehr gering erfolgt. Gleichfalls wird bei der Vergabe und Verwendung von Haushaltsmitteln sehr verschwenderisch und großzügig umgegangen. Hierbei wird immer wieder auf die enormen Ausgaben für den Einsatz der Bundeswehr in den verschiedensten Gebieten der Welt und die militärische Rüstung hingewiesen.[44]

== Ehrenamtliche Tätigkeit - Jobkiller in wirtschaftlich orientierten Leistungssystemen? == Ein weiterer Kritikpunkt, ist der mögliche Verdrängungscharakter der ehrenamtlichen Arbeit gegenüber bezahlten Jobs. Besonders bei ihrem Einsatz in gemeinnützigen Einrichtungen halten sie im Verwaltungsbereich, u.U. indirekt die finanziellen Ausgaben für Personalkosten der Organisation oder Einrichtung in denen sie tätig sind, niedrig. Mit ihren Einsatz wird der Lohndruck auf professionell tätige Angestellte und ihre eventuelle Verdrängung von Arbeitsmarkt sehr hoch. Weitere Diskussionen gibt es bei den immer mehr entstehenden Selbsthilfegruppen. Einerseits wird ihre Arbeit in Form der ehrenamtlichen Nachbarschaftshilfe von vielen Bürgern und gesellschaftlichen Institutionen genutzt und unterstützt, andererseits steht dieser Entwicklung immer wieder die Frage entgegen.:

„Wo hört Nachbarschaftshilfe auf – wo fängt Schwarzarbeit an?“ 

Dem Stehen aber auch andere Beispiele gegenüber. So gibt es Hilfsorganisationen, die das Geld, welches durch den Einsatz von ehrenamtlichen Kräften eingespart wird, für die Aus- und Weiterbildung neuer sowie gestandener Helfer verwenden. Bei den Johannitern und anderen Hilfsorganisationen erhalten so ehrenamtliche Helfer eine kostenlose Sanitätsausbildung, die bei privaten Anbietern ca. 2000 Euro kosten würde.[45] Mit diesem Grundstein ist dann sogar eine weitere Ausbildung zum Rettungsassistenten möglich, die wiederum in einer neuen beruflichen Perspektive in einem versicherungspflichtigen Angestelltenverhältnis einmünden kann.

Soziale Anerkennung – wie sieht sie aus?

Ist Arbeit, die nicht bezahlt wird mit einer unbezahlten Arbeit vergleichbar? Im rein praktischen Ergebnis - mag es bei gleicher Aufgabenstellung möglich sein. Im Rahmen der sozialen Anerkennung ist jedoch die Definition ausschlaggebend für die gesellschaftliche Wertigkeit.[46]

Ehrenamtliche Tätigkeit

Mit dem Wort Ehrenamt verbinden sich im Gegensatz zu anderen Begrifflichkeiten für nicht bezahlte Tätigkeit gewisse Präferenzen. Bereits das „Ehrenvolle“ was ehrenamtliche Arbeit ausmacht, wertet den Träger eines Ehrenamtes sozial auf. Nicht der finanzielle Anreiz ist die Triebkraft bei der Ausführung dieser Tätigkeiten sondern die gesellschaftlich – soziale Anerkennung. Betrachtet man jedoch die Aufwandentschädigungen für ehrenamtlichen Leistungen und Tätigkeiten, so werden jedoch hierbei Unterschiede gemacht. Während in offiziellen institutionalisierten Ehrenämtern etwaige Vergünstigungen, wie z.B. die Freifahrten mit Nahverkehrsmitteln oder die Nutzung der durch die Kommunen verliehenen Ehrenamtscards für den kostenlosen oder ermäßigten Besuch von bspw. Museen u.a. Einrichtungen, in Anspruch genommen werden können, wird gleichwertiges Engagement in unbezahlten Zweigen kaum oder gar nicht wahrgenommen und honorieret.[47]

Unentgeltliche Dienste

Gerade die Bereiche, wie z.B. die Krankenpflege, Kindererziehung, Hausarbeit sind Arbeitsgebiete, die Tag für Tag unentgeltlich und mit dem gleichen Engagement und der Hingabe erledigt werden wie ehrenamtliche Arbeit. Diese und noch viele mehr hängen vom Prinzip des unentgeltlichen Mitwirkens Einzelner ab. Ein guter Teil der Stunden und Aktivitäten findet unter der Oberfläche statt, was dazu führt, dass dieses Engagement wenig Beachtung erfährt. Diejenigen, die sich hochmotiviert einbringen wissen wie viel Arbeit dahinter steckt und das man durch seine Arbeit unverzichtbar wird.[48] Es sind alles Dienste, die einen hohen Wert für Einzelne und die Gesellschaft erbringen, jedoch leider nicht annähernd die Bestätigung und Anerkennung wie ehrenamtliche Tätigkeiten erlangen.[49]


Quellen

  1. http://www.arbeitsratgeber.com/ehrenamt_0063.html [Stand: 19.09.2009]
  2. http://de.wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand: 19.09.2009]
  3. http://www.aphorismen.de/display_aphorismen.php?search=9&sav=2936&hash=ec7f346604f518906d35ef0492709f78 [Stand: 22.08.2009]
  4. vgl. Lev 19.18
  5. vgl. http://www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Martin_von_Tours.htm [Stand 25. August 2009]
  6. vgl. http://www.berlin.de/imperia/md/content/buergeraktiv/kurze_geschichte_der_ehrenamtlichkeit_farbig.pdf, S.6 [Stand: 24.08.2009]
  7. http://de.wikipedia.org/wiki/Ehrenamt#Geschichte_des_Ehrenamts [Stand: 22.08.2009]
  8. http://www.berlin.de/imperia/md/content/buergeraktiv/kurze_geschichte_der_ehrenamtlichkeit_farbig.pdf, S.5 [Stand: 24.08.2009]
  9. http://de.wikipedia.org/wiki/Ehrenamt#Geschichte_des_Ehrenamts [Stand: 22.08.2009]
  10. vgl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand 26. Juni 2009]
  11. vgl. www.statistikportal.de [Stand 24. Juli 2009]
  12. vgl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand 26. Juni 2009]
  13. vgl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand 26. Juni 2009]
  14. vgl. Rosenbladt/Picot 1999, S.42 Dieser Punkt wird bei Rosenbladt/ Picot, 1999
  15. www.stifterverband.net/statistik_und_analyse/dritter_sektor/workshop_infomationssystem_zivilgesellschaft/geiss_workshop_ infomationssystem_zivilgesellschaft_15-06-2009.PDF, S.3 [Stand 25. August 2009]
  16. http://www.cev.be[Stand 26. Juni 2009]
  17. vgl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand 26. Juni 2009]
  18. vgl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand 26. Juni 2009]
  19. vgl. Saiger, Helmut: Die Zukunft der Arbeit liegt nicht im Beruf. Neue Beschäftigungs- und Lebensmodelle, München 1998
  20. www.stifterverband.net/statistik_und_analyse/dritter_sektor/workshop_infomationssystem_zivilgesellschaft/geiss_workshop_ infomationssystem_zivilgesellschaft_15-06-2009.PDF, S.3 [Stand 25. August 2009]
  21. vgl. www.statistikportal.de [Stand 24. Juli 2009]
  22. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand 26. Juni 2009]
  23. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand 26. Juni 2009]
  24. www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?type=IM-PRESS&reference=20080513STO28756&format=XML&language=DE [Stand 24. August 2009]
  25. www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?type=IM-PRESS&reference=20080513STO28756&format=XML&language=DE [Stand 24. August 2009]
  26. www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?type=IM-PRESS&reference=20080513STO28756&format=XML&language=DE [Stand 24. August 2009]
  27. gl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand 26. Juni 2009]
  28. vgl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand 26. Juni 2009]
  29. vgl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand 26. Juni 2009]
  30. vgl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand 26. Juni 2009]
  31. http://www.bmas.de/portal/15436/job__aqtiv__gesetz.html [Stand 26.Juni 2009]
  32. vgl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand :26.06.2009]
  33. vgl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand :26.06.2009]
  34. vgl. http://www.dritter-sektor.de [Stand 24.06.2009]
  35. vgl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand :26.06.2009]
  36. vgl. http://www.infos-aus-germanien.info/informationen/Ehrenamt [Stand: 27.06.2009]
  37. vgl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand :26.06.2009]
  38. vgl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand :26.06.2009]
  39. http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2006/09/2006-09-19-jeder-kann
  40. http://portal.gmx.net/sidbabhddb.1178896435.1834.yn9obd25jc.72.acc/de/themen/beruf/bewerbung/vorstellen/947242-Soft-Skills-Weich-aber-wichtig.html [Stand 23.06.2009]
  41. vgl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand :26.06.2009]
  42. vgl. http://www.infos-aus-germanien.info/informationen/Ehrenamt [Stand: 27.06.2009]
  43. vgl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand :26.06.2009]
  44. vgl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand :26.06.2009]
  45. vgl. http://www.mdr.de/mdr-info/6345229.html [Stand:11.05.2009]
  46. vgl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand :26.06.2009]
  47. vgl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand :26.06.2009]
  48. vgl. http://mein.salzburg.com/blog/meinjung/ehrenamt [Stand. 24.06.2009]
  49. vgl. http://de.Wikipedia.org/wiki/Ehrenamt [Stand :26.06.2009]

Weblinks

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