EQJ
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Die Einstiegsqualifizierung Jugendlicher, kurz EQJ, ist ein sechs bis 12 monatiges Praktikum in Betrieben. Dabei sollen Heranwachsende die ihnen noch fehlenden Schlüsselqualifikationen, die für eine Ausbildung notwendig sind, erwerben. Diese Maßnahme ist Hauptbestandteil des Ausbildungspaktes.
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Idee
Durch den fehlenden Fachkräftenachwuchs vor allem in den Jahren 2003/2004 und die wiederaufkeimende Idee der Ausbildungsplatzabgabe[1] ersann man den Ausbildungspakt. Dieser wurde zwischen den Wirtschaftsverbänden und der Regierung geschlossen und beeinhaltete sowohl die Aufstockung der Ausbildungsplätze, die Verbesserung der Vermittlung von Jugendlichen, als auch die Einführung der EQJ- Maßnahmen. Diese Maßnahme wurde zuerst auf drei Jahre befristet und wurde im Jahre 2007 bis 2010 verlängert.
Maßnahme
Die Maßnahme ist dazu gedacht, Jugendlichen und jungen Erwachsenen die bislang ohne Ausbildungsplatz geblieben sind, einen Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen. Dabei durchlaufen sie in Betrieben, die teilweise auch direkt Ausbilden ein Praktikum von bis zu einem Jahr. Dieses teilt sich in einen sechs Monate andauernden Praxisteil und einen ebenfalls sechs Monate dauernden Theorieteil, in dem Schlüsselqualifikationen in den Grundfächern vermittelt werden. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmer ein von den Kammern ausgestelltes Zeugnis, das in der Theorie die Ausbildungschancen erhöhen soll.[2]
Inhalte
Die Durchführung der Einstiegsqualifizierung unterscheidet sich aufgrund der föderalistischen Struktur der Bundesrepublik Deutschland von Bundesland zu Bundesland, abhängig davon, ob eine Berufsschulpflicht besteht oder nicht. Dies ist in den Landesschulgesetzen geregelt, da die Schulpolitik in den Zuständigkeitsbereich der Länder fällt. Bei bestehender Berufsschulpflicht sind die Teilnehmenden an einer Einstiegsqualifizierung dazu verpflichtet, die Berufsschule vorschriftsmäßig zu besuchen und müssen hierfür von den Betrieben freigestellt werden, sofern keine Befreiung durch das zuständige Schulamt vorliegt. Dabei ist der Besuch einer Fachklasse besonders erstrebenswert, weil dadurch die Chancen auf eine anschließende Übernahme in betriebliche Ausbildung deutlich gesteigert werden können. Zu beachten ist jedoch, dass mindestens 70 Prozent der Einstiegsqualifizierung im Betrieb stattfinden müssen, da die EQ andernfalls nicht anerkannt werden kann. Auch wenn die Jugendlichen die Fachklasse einer Berufsschule besuchen, so erfolgt die Einweisung in das Tätigkeitsfeld zuweilen nach dem Prinzip „learning by doing“[1]. Die Inhalte der Einstiegsqualifizierung unterscheiden sich, abhängig vom Tätigkeitsfeld, in dem die Jugendlichen eingesetzt werden, voneinander. Grundsätzlich sollen während dieser Maßnahme die Grundlagen vermittelt werden, die die Jugendlichen benötigen, um beruflich handlungsfähig zu werden. Dabei orientieren sich die zu vermittelnden Inhalte an denen anerkannter Ausbildungsberufe und werden von den jeweiligen Kammern vorgegeben.[2] So gewinnen beispielsweise Jugendliche, die ihre Einstiegsqualifizierung im Bereich Apotheke – pharmazeutisch-kaufmännische Praxis absolvieren, erste Einblicke in die Tätigkeitsfelder „Stellung und Aufgaben der Apotheke im Gesundheitswesen“, „Arbeitsschutz und Umweltschutz“, „Informations- und Kommunikationssystem“, „Rechnungswesen“, „Warenbewirtschaftung“, „Marketing“ und „Apothekenpraxis“[3] . Am Ende der Einstiegsqualifizierung erhält die Teilnehmerin/ der Teilnehmer ein obligatorisches betriebliches Zeugnis, aus dem die vermittelten Kenntnisse und Fertigkeiten hervorgehen. Hierfür stehen den Betrieben Vordrucke der Industrie-, Handels- und Handwerkskammern zur Verfügung, die die Beurteilung der Praktikantin/ des Praktikanten erleichtern sollen. Sofern mindestens vier der sechs Beurteilungskriterien als mindestens „ausreichend erkennbar“ eingestuft werden, kann durch die zuständige Kammer auf der Grundlage dieser Beurteilung ein Zertifikat ausgestellt werden, das es den Absolventen unter Umständen ermöglicht, eine anschließende betriebliche Ausbildung um maximal sechs Monate zu verkürzen. Um dieses Zertifikat zu erhalten, muss durch den Betrieb ein Antrag gestellt werden.[4]
Zielgruppe
Die Richtlinie zur Durchführung des Sonderprogramms Einstiegsqualifizierung Jugendlicher vom 28.Juli 2004 sieht vor, dass Jugendliche gefördert werden, wenn sie durch ihre „aus in-dividuellen Gründen eingeschränkten Vermittlungsperspektiven, […] auch nach den bundesweiten Nachvermittlungsaktionen keinen Ausbildungsplatz [gefunden] haben“. [5] Ebenfalls gefördert werden „Jugendliche, die noch nicht in vollem Maße über die erforderliche Ausbildungsbefähigung verfügen“ [6] Eine Bedingung ist allerdings, dass die Jugendlichen zu Beginn der Einstiegsqualifizierung noch nicht älter als 25 Jahre sind. In Artikel 3 Absatz 2 der oben genannten Richtlinie werden benachteiligte Jugendliche, Jugendliche mit Migrationshintergrund, junge Frauen sowie behinderte und schwerbehinderte Jugendliche spezifisch benannt. Diese Personengruppen sind „angemessen zu berücksichtigen, soweit nicht der individuelle Förderbedarf eine außerbetriebliche Qualifizierung erfordert“[7] Zu den eingeschränkten Vermittlungsperspektiven gehören ein Migrationshintergund, vorangeschrittenes Alter, niedriger oder kein Schulabschluss, Behinderung und soziale Benachteiligung.
Teilnahmeberechtigung
Berechtigt sind alle Betriebe, die wichtige Tätigkeitsbereiche eines Ausbildungsberufes vermitteln können, dafür müssen sie selber keine Ausbildungsplätze stellen. Für die Vergütung der Praktikanten kommt die Bundesagentur für Arbeit auf, mit einem Zuschuss von 192€ plus Sozialversicherungsanteil. Dieser wird für gewöhnlich den Praktikanten als Lohnersatz weitergegeben. Als mögliche Praktikanten kommen alle Personen unter 25 Jahre in Frage, die über einen Schulabschluss, der unter der Fachhochschulreife anzusehen ist, besitzen und noch keine Ausbildung angefangen haben, bzw. nicht angenommen wurden.
Wie wird die Einstiegsqualifizierung Jugendlicher finanziert?
Die Praktikantinnen und Praktikanten erhalten im Rahmen der EQ eine monatliche Vergütung von derzeit 212 Euro. Es steht den Betrieben frei, den Teilnehmenden einen höheren Betrag zu zahlen, jedoch handelt es sich bei den genannten 212 Euro um den maximalen Betrag, der durch die Agentur für Arbeit oder andere zuständi-ge Träger der Grundsicherung erstattet wird. Existiert ein Tarifvertrag, der auch die Vergü-tung von Praktikantinnen und Praktikanten einschließt, so ist der Betrieb verpflichtet, diesen einzuhalten und die Jugendlichen gemäß dem Tarifvertrag zu vergüten. Neben der Vergütung, die die Teilnehmenden an der Einstiegsqualifizierung erhalten, fallen Sozialabgaben an, da es sich bei der Maßnahme um ein sozialversicherungspflichtiges Prak-tikum handelt. Sowohl Vergütung, als auch die Kosten der Sozialversicherung und der Bei-trag an die Berufsgenossenschaft werden zunächst vom Arbeitgeber getragen. Der Arbeitgeber kann jedoch bei der Agentur für Arbeit oder dem zuständigen Träger der Grundsicherung einen Antrag auf Rückerstattung der Kosten (Vergütung und Sozialabgaben) stellen. Dies muss bereits vor Beginn des Praktikums erfolgen. Nach Bearbeitung des An-trags werden die Vergütung bis maximal 212 Euro und der Anteil am Gesamtsozialversiche-rungsbeitrag in Höhe von derzeit 106 Euro monatlich rückerstattet. Nach Beendigung der Maßnahme hat das Unternehmen zwei Monate Zeit, eine Auflistung der Kosten, also der an die Praktikantin/ den Praktikanten gezahlte Vergütung und die darauf entfallenden Sozialabgaben, bei der Agentur für Arbeit oder dem Träger der Grundsicherung einzureichen. [8] Insgesamt wurden in den Jahren 2004 bis 2007 etwa 184 Mio. Euro aus dem Bundeshaushalt für die Zuschüsse zur Einstiegsqualifizierung aufgewendet. [9]
Positive / Negative Aspekte
Positiv
- Betriebe lernen die möglichen Auszubildenden jenseits des Schulzeugnisses kennen und können sich danach den potentiellen Nachwuchs aussuchen.Desweiteren besteht darin noch der Vorteil, das man den zukünftigen Mitarbeiter schon im Praktikum einarbeiten kann, was Zeit und Geld spart.
- Der Jugendliche hat die Möglichkeit die Tätigkeiten im Berufsfeld kennen zu lernen und kann an ihm anvertrauten Aufgaben wachsen.
- Ein möglicher Imagegewinn für den Betrieb, das sich als Vorzeigeunternehmen präsentieren kann.[3]
Negativ
- Da die Betriebe den Praktikanten kein Gehalt zahlen, im Gegenzug aber auch nicht dazu verpfllichtet sind diese danach zu übernehmen, bestehe die Möglichkeit durch das Ausnutzen der Hoffnungen dieser Praktikanten immense Kosten zu sparen.[4]
Der Stellvertretende Vorsitzende des DGB, Ingrid Sehrbrock, betitelte dies sogar als: "Lohndumping mit Steuermitteln."[5]
Quellen
- ↑ In: Fragen und Antworten der DIHK zur Einstiegsqualifizierung. URL: http://www.dihk.de/pakt/downloads/FAQ_EQ.pdf, S. 2 (Stand: 22.05.2009).
- ↑ Vgl. Planet Beruf über EQ. URL: http://www.planet-beruf.de/fileadmin/assets/PDF/Einzelartikel/Berufswahlmagazin_2009_03/BM_0903_Meine_EQ.pdf, S. 2 (Stand: 22.05.2009).
- ↑ In: Informationen der Apothekerkammer Westfalen-Lippe zur Einstiegsqualifizierung. URL: http://www.akwl.de/download/akwl/erluterungen_checkliste_neu.pdf, S. 5 (Stand: 06.08.2009).
- ↑ Vgl. Betriebliche Einstiegsqualifizierung (EQ) – Informationen für Arbeitgeber. Brücke in die Berufsausbildung. Flyer der Bundesagentur für Arbeit. URL: http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/Veroeffentlichungen/Vermittlung/EQ-Arbeitgeber.pdf, S. 1 (Stand: 22.05.2009).
- ↑ Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2007 S.2 http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/A04-Vermittlung/A041-Erschliessung/Publikation/pdf/Richtlinie-EQJ-zweite-Richtlinienanderung.pdf
- ↑ Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2007 S.2 http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/A04-Vermittlung/A041-Erschliessung/Publikation/pdf/Richtlinie-EQJ-zweite-Richtlinienanderung.pdf
- ↑ Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2007 S.2 http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/A04-Vermittlung/A041-Erschliessung/Publikation/pdf/Richtlinie-EQJ-zweite-Richtlinienanderung.pdf
- ↑ vgl. DIHK http://www.dihk.de/pakt/downloads/FAQ_EQ.pdf
- ↑ vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2008 http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/A04-Vermittlung/A041Erschliessung/Publikation/pdf/Abschlussbericht-GIB-EQJ-Programm.pdf
- Informationsflyer der Bundesagentur für Arbeit.
- wikipedia.de/EQJ
- IHK.de
- Ausbildernetz.de
- SWR.de
Lehrende Statements der Lehrenden, Experten und Expertinnen zur Qualität:
- Benutzer:Root i. A. Kristina Köhnlein, 11.8.2009: Der Artikel ist gut. Verbesserungsmöglichkeiten bestehen beim Einführungssatz, dem Bezug zur Arbeitslehre und der Vereinheitlichung der Quellen.

