Die Lebenssituation alleinerziehender Eltern

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Die folgenden Ausführungen beziehen sich unter anderem auf die Ergebnisse der Studie von Schneider et al.(2001), die durch zahlreiche Telefoninterviews von 500 zufällig ausgewählten Alleinerziehenden entstehen.[1]



Inhaltsverzeichnis

Finanzierung des Lebensunterhalts

Alleinerziehende sind oftmals darauf angewiesen ihre Lebenssituation durch Eigenleistungen zu finanzieren, da die Unterhaltszahlungen des außerhalb lebenden Elternteils gelegentlich ausbleiben und eingeklagt werden müssen.[2] So ist die eigene Erwerbstätigkeit die Hauptfinanzierungsquelle, um den Unterhalt der Ein-Eltern-Familie zu sichern. 70% aller alleinerziehenden Mütter sind erwerbstätig und nur ca. 15% leben von Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld. Dabei ist kein erheblicher Unterschied zwischen Ost und West festzustellen.[3]


Vereinbarung von Familie und Beruf

Die Möglichkeit der Erwerbstätigkeit ist eine wesentliche Voraussetzung für die materielle Absicherung des Ein-Eltern-Haushalts. So ist es besonders interessant die Organisation des beruflichen Alltags und die Vereinbarung mit dem Familienleben näher zu beleuchten. In den alten wie in den neuen Bundesländern zeigen sich gleiche Trends. So sind 71% der alleinerziehenden Mütter gewollt erwerbstätig und mit ihrem angestrebten Vereinbarungsarrangement zufrieden. 15 % sind nicht berufstätig, würden jedoch gern arbeiten und nur 7% fühlen sich aufgrund der materiellen Umstände gezwungen, berufstätig zu sein.[4] Etwa 40% der erwerbstätigen Mütter empfinden die Situation als belastend, die Familien und den Beruf miteinander zu vereinbaren. Die Koordination der Kinderbetreuung mit dem Beruf, die Arbeitsüberlastung, der Zeitmangel und das Gefühl, keine gute Mutter zu sein, erschweren die Lebenssituation der Mütter ungemein. Von den nicht erwerbstätigen Müttern fühlen sich 57% nicht in der Lage etwas anderes als ausschließlich Familienarbeit zu leisten. Hinzu kommen die finanziellen Probleme und das Gefühl der sozialen Isolation.[5]

Fazit:

Obwohl die alleinerziehenden Mütter ihren Lebensunterhalt aufgrund der oftmals ausbleibenden Unterhaltszahlungen selbst finanzieren müssen, ist festzustellen, dass der Großteil der Mütter mit ihrer Erwerbstätigkeit zufrieden ist. Zudem sollte jedoch die Belastung der Vereinbarung von Beruf und Familie nicht unberücksichtigt bleiben. So gibt es Vor- und Nachteile der Lebenssituation einer Ein-Eltern-Familie, die nachfolgend gegenübergestellt werden.



Vor- und Nachteile der Lebensform Alleinerziehend

Die Ergebnisse der oben genannten Studie ergeben, dass Alleinerziehende mehr Nachteile als Vorteile in ihrer Situation sehen.


Vorteile

So zählt die Entscheidungsfreiheit mit 49% zu den wichtigsten Vorteilen, neben dem Wegfall der Partnerschaftskonflikte mit 22%. Die freiere Persönlichkeitsentwicklung empfinden 20% als positiv und 8% sehen darin vor allem auch Vorzüge für das Kind oder die Kinder. Diese Vorteile beziehen sich in erster Linie auf die individuellen Freiräume und sind vor dem Hintergrund einer konflikthaften früheren Beziehung zu sehen. Daher können sie nicht vorurteilsfrei betrachtet werden.[6] Besonders zu betonen ist, dass der ausbleibende Beziehungsstress nicht nur positiv für die Mutter, sonders vor allem auch für die Entwicklung des Kindes oder der Kinder ist.

Nachteile

Die Nachteile sind besonders von strukturellen Rahmenbedingungen, wie der finanziellen und beruflichen Situation abhängig. So wird die Alleinverantwortlichkeit mit 35%, als Kehrseite der Entscheidungsfreiheit am häufigsten genannt. Hinzu kommen finanzielle Nachteile mit 31%, alleinige Aufgabenlast mit 26%, Vereinbarkeit von Familien und Beruf mit 24%, weniger Zeit mit 16% und Nachteile für die Kinder mit 9%. So sind 40% der Alleinerziehenden der Meinung, dass sie ihre Kinder allein nicht so gut aufziehen können wie ein intaktes Elternhaus einer Kernfamilie.

Eine weitere Studie[7] kommt zu ähnlichen Ergebnissen. So werden als Vorteile die Alleinverantwortung, das Selbstvertrauen und die Abwesenheit von Partnerschaftsstress genannt. Auch die Nachteile entsprechen den Ergebnissen der Studie von Schneider et al. (2001) im weitesten Sinne. Hier zählt die Alleinverantwortung zu den wichtigsten Vorteilen sowie Nachteilen. Zudem werden die finanzielle Situation, die Vereinbarung von Beruf mit Familien und die wenige Freizeit als Nachteilen angesehen.[8]

Fazit:

Aus Sicht der Alleinerziehenden überwiegen die Nachteile gegenüber den Vorteilen. Sie sehen im Alltag die Alleinverantwortlichkeit und alleinige Aufgabenlast im Vordergrund und vergessen dabei schnell die Lebenssituation vor Trennung oder Scheidung (Partnerschaftskonflikte). Die Vereinbarung von Beruf und Familie erfordert eine zielstrebige Selbstorganisation und ist nicht immer einfach zu bewältigen. Die Vorteile zeigen jedoch, dass die Entscheidung für eine Trennung oder Scheidung bewusst gewählt wird. Oftmals fehlt den Alleinerziehenden nur eine Unterstützung im alltäglichen Leben, die ihnen hilft, die Ein-Elternschaft zu bewältigen.

Zusammenfassung

Die besonders bei der Koordination von Familie und Beruf auftretende Aufgabenüberlastung führt bei vielen Alleinerziehenden zu einer notwendigen Neuorganisation des Alltags. Folglich werden die Familienbereiche flexibler gestaltet. Die Hausarbeit wird minimiert und den Kindern werden erwachsenen Rechte und Pflichten zu geteilt. Zudem werden Kompromisse in Beruf und Freizeit geschlossen.[9]


  1. vgl. Peukert 2005, S. 208
  2. vgl. Brand et al. 2002, S. 125 und Schneider 2001, S. 346
  3. vgl. Peukert 2005, S. 209
  4. vgl. Peukert 2005, S. 209
  5. vgl. Schneider 2001, S. 347 f. und Peukert 2005, S. 210
  6. vgl. Peukert 2005, S. 210
  7. vgl. Brand et al. 2002, S. 164
  8. vgl. Brand et al. et al. 2002; S. 164 ff.
  9. vgl. Peukert 2005, S. 210 f.



Literatur

Bücher

Brand, Dagma/ Hammer, Veronika (2002): Balanceakt Alleinerziehend. Lebenslagen, Lebensformen, Erwerbsarbeit. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag

Peukert, Rüdiger (2005): Familienformen im sozialen Wandel. Opladen: Leske + Budrich

Schneider, Norbert F./ Krüger, Dorothea/ Lasch, Vera/ Limmer, Ruth/ Matthias-Beck, Heike (2001): Alleinerziehen. Vielfalt und Dynamik einer Lebensform. Weinheim und München: Juventa Verlag



Weblinks

www.ehe-familie-lebensberatung.de/11d-probleme.htm

www.eltern.de/familie_erziehung/allein_mit_kind/allein_mit_kind_heute.html

www.familienhandbuch.de/cmain/f_Fachbeitrag/a_Familienforschung/s_780.html

www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Teilfamilien/s_787.html

www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Teilfamilien/s_1605.html

www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Trennung_Scheidung.html

www.kindergartenpaedagogik.de/487.html

userpage.fu-berlin.de/~tkleber/soz7.htm#7

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