Der Übergang der Ein-Eltern-Familie in die Stieffamilie
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Die Lebensform des Alleinerziehens ist keineswegs statisch, sondern eher eine Lebensphase, der andere Lebensformen folgen können. So gehen laut Schneider et al.(2001) ca. ein drittel der Alleinerziehenden wieder eine neue Partnerschaft ein. Dabei leben die PartnerInnen jedoch in getrennten Haushalten. Folglich definieren sie sich selbst weiterhin als alleinerziehend. Nur wenige fühlen sich als eine neue Kernfamilie. Entscheidend dafür ist die Verantwortung für die Erziehung, weshalb sie alleinerziehend bleiben (wollen). Alleinerziehende mit neuen PartnerInnen werden als uneheliche Stieffamilien betrachtet. Denzufolge kann das Eingehen einer neuen Partnerschaft als Übergang in die Stieffamilie angesehen werden.[1]
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Die beeinflussenden Faktoren
Die Knüpfung neuer Partnerschaften ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. So haben das Alter der Alleinerziehenden und des jüngsten Kindes bedeutenden Einfluss.[2] Desweiteren ist die Dauer der Lebensform entscheidend. Schon länger Alleinerziehende gehen seltener eine neue Partnerschaft ein, da evtl. mit steigendem Alter die Chancen sinken, neue PartnerInnen zu finden oder sie sich zu sehr an ihre Lebensumstände gewöhnt haben und diese nicht aufgeben möchten. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit eine neue Beziehung einzugehen ebenso eingeschränkt, wenn das jüngste Kind unter drei Jahren ist. Gründe dafür können im Vordergrund stehende Betreuungs- und Erziehungsprobleme sein.[3]
Was eine neue Partnerschaft für die Alleinerziehenden bedeutet und welche neuen Probleme damit einhergehen werden im Folgenden näher beleuchtet.
Die Bedeutung der neuen Partnerschaften
Aus Social-Support-Studien geht hervor, dass sich besonders die Männer in neuen Partnerschaften auf Unterstützungsleistungen besonders im familiären Umfeld konzentrieren. Demzufolge unterstützen sie ihre Partnerin in verschiedener Hinsicht.[4] Nach der Studie von Brand et al. (2002) erhalten Alleinerziehende mit PartnerIn in allen Bereichen mehr Unterstützung als Alleinerziehende ohne PartnerIn. Vor allem in Hinblick auf die emotionale Unterstützung, die Kinderbetreuung und die Wertschätzung sehen Alleinerziehende mit PartnerIn eine Bereichung ihrer Lebenssituation durch ihre neue Beziehung. Demzufolge scheinen Alleinerziehende, die in einer Partnerschaft leben, mit der emotionalen Unterstützung zufriedener als Alleinerziehende ohne PartnerIn. Sie übernehmen Erziehungsverantwortung und entlasten daher die Alleinerziehenden. Trotz der Unterstützung, die die neuen PartnerInnen leisten, sind ihre Rollen in der neuen unehelichen Stieffamilie unscharf definiert.[5] Im Folgenden werde ich daher kurz auf die strukturellen Probleme der Stieffamilie eingehen.
Die Probleme beim Übergang in die Stieffamilie
Stieffamilien zeichnen sich durch eine besondere strukturelle Komplexität aus. So sind die Klärung der Beziehungsstrukturen und die Abstimmung der Erziehungskonzepte notwendig. Zudem wird die neue Partnerschaft durch die Geschichte der alten Familie beeinflusst.[6]
Die fehlende Familiengeschichte
Die fehlende Geschichte der neuen Familie kann zu Konflikten führen. In der Kernfamilie haben die PartnerInnen Zeit sich langsam eine gemeinsame Familienwelt aufzubauen. In der Stieffamilie hingegen tritt das Stiefelternteil in eine bereits bestehende komplexe Teilfamilie ein, die eine gemeinsame Geschichte mit vielen Konflikten hinter sich gelassen hat. Diese Fakten und die Tatsache, dass der leibliche nicht im Haushalt lebende Elternteil für die Kinder Priorität hat, erschweren die Bedingungen für neue Partnerschaften ungemein.[7]
Die neuen Rollendefinitionen
Die Rollendefinitionen der Stiefeltern und der Stiefkinder behindern den erforderten Anpassungsprozess zusätzlich. Das Stiefelternteil kann den leiblichen Elternteil nicht ersetzen, sondern muss seine Rolle neben dem leiblichen Elternteil neu entwickeln. Dies ist für die neuen PartnerInnen eine sehr schwierige Aufgabe. Sie wissen nicht, ob sie die Kinder als Freunde, Eltern oder Stiefeltern behandeln sollen. Oftmals zeigen sie Überengagement, um deren Anerkennung zu bekommen. Die Söhne nehmen nach der Trennung oft den Platz des Vaters ein. So können neue Partner als Rivalen erscheinen. Demzufolge ist ein Rivalitätskonflikt fast unvermeidbar. Die Töchter bauen nach der Trennung oder Scheidung eine besonders enge Beziehung zu der Mutter auf. Folglich kann ihre Beziehung unter einer neuen Partnerschaft leiden.[8] Neben der Furcht vor dem Verlust der engen Beziehung zur Mutter, beeinflussen zudem Loyalitätskonflikte der Kinder zu dem nicht im Haushalt lebenden Elternteil die neuen Partnerschaften. Aufgrund dessen ist es wichtig, dass der Stiefelternteil nicht mit dem leiblichen Elternteil konkurriert. Er sollte als Freund auftreten und eine eigenständige Beziehung zum Kind bzw. zu den Kindern aufbauen. Dies ist für die positive weitere Entwicklung der Stieffamilie sehr bedeutend.
Fazit
Der Lebensform Alleinerziehend folgt in der Regel der Übergang in die Stieffamilie. Auch wenn die Alleinerziehenden sich weiterhin als alleinerziehend betrachten, erfahren sie durch die neuen PartnerInnen emotionale Unterstützung, Wertschätzung und Hilfe bei der Kinderbetreuung. Auch wenn sie dadurch entlastet werden, entstehen durch die neuen Partnerschaften auch neue Probleme. Die schwierigen Rollendefintionen der Stiefeltern und der Stiefkinder, die Rivalitätskonflikte zum nicht im Haushalt lebenden Elternteil und die Entwicklung der Beziehungen zu den Stiefkindern erschweren die neue Situation der Stieffamilie.
Quellen
- ↑ vgl. Schneider et al 2001, S. 352
- ↑ vgl. Schneider et al. 2000, S. 182 f. zitiert nach Brand 2002, S. 142
- ↑ vgl. Brand 2002, S. 142 f. und Schneider et al. 2001, S. 352
- ↑ vgl. Niepel 1994, S. 198 zitiert nach Brand 2002, S. 147
- ↑ vgl. Brand et al. 2002, S. 147 ff.
- ↑ vgl. Hoffmann-Riem 1989, S. 402 zitiert nach Peukert 2005, S. 240
- ↑ vgl. Peukert 2005, S. 240
- ↑ vgl. Peukert 2005, S. 240 f.
Literatur
Bücher
Brand, Dagma/ Hammer, Veronika (2002): Balanceakt Alleinerziehend. Lebenslagen, Lebensformen, Erwerbsarbeit. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag
Peukert, Rüdiger (2005): Familienformen im sozialen Wandel. Opladen: Leske + Budrich
Schneider, Norbert F./ Krüger, Dorothea/ Lasch, Vera/ Limmer, Ruth/ Matthias-Beck, Heike (2001): Alleinerziehen. Vielfalt und Dynamik einer Lebensform. Weinheim und München: Juventa Verlag
Weblinks
www.elternimnetz.de/cms/paracms.php?site_id=5&page_id=236

