Das Arbeitsstudium in der Hauswirtschaft

Aus ArbeitslehreWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Lehrende Statements der Lehrenden, Experten und Expertinnen zur Qualität:


  • --Karin Groth: Artikel ist ok! Eine schöne Zusammenfassung zum Thema Arbeitsstudium und Zeiterfassung bzw. Rationalisierung im Haushalt bezogen auf das Werk von Elfriede Stübler und den REFA-Verband.
in Anlehnung an das Buch[1] von Elfriede Stübler: Einführung in das Arbeitsstudium in der Hauswirtschaft

1924 wurde in Berlin der „Reichsausschuss für Arbeitszeitermittlung“ (REFA) gegründet. Dieser sollte Fachleute ausbilden und Methoden der wissenschaftlichen Betriebsführung in Deutschland entwickeln, wie sie der amerikanische Ingenieur Frederik Winslow Taylor entworfen hatte. Die deutsche Wirtschaft lag nach dem 1. Weltkrieg am Boden. Es galt sie wieder auf Weltniveau anzuheben. Man erkannte, dass die Zeit als „wertbeständiger Maßstab"[2] für die Messung der Arbeitsleistung von großer Bedeutung ist. Später (1936) wurde die REFA umbenannt in „Reichsausschuss für Arbeitsstudien“, denn man stellte fest, dass nicht nur die Zeit den Arbeitsprozess charakterisierte sondern auch das Zusammenspiel von arbeitenden Menschen mit den Betriebsmitteln und dem Arbeitsgegenstand, die Unterweisung, Übung und die Leistungsbereitschaft des arbeitenden Menschen. Damit wurden die Grundlagen geschaffen, um Arbeitsvorgänge zu erkennen und zu optimieren. Erste Arbeitsstudien wurden durchgeführt. Erst in den 1950-er Jahren gründete man im REFA-Verband den Fachausschuss „Hauswirtschaft“. Dies war ein Meilenstein in der Weiterentwicklung der Haushaltswissenschaft. Jetzt wurden auch in diesem Bereich Arbeitsstudien durchgeführt. 1971 erschien erstmalig eine „Methodenlehre des Arbeitsstudiums“. Das Arbeitsstudium ist nun ein Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit in der Hauswirtschaft.

Inhaltsverzeichnis

Ziele und Schwerpunkte des Arbeitsstudiums

Mit dem Arbeitsstudium in der Hauswirtschaft verfolgt man zwei Ziele. Zum einen ein humanes Ziel, bei dem die Verbesserung der Arbeitsbedingungen des Menschen im Vordergrund steht, und zum Anderen ein wirtschaftliches Ziel, bei dem das Hauptaugenmerk auf die Planung und die Kalkulation gerichtet ist. Außerdem hat man erkannt, dass die leistungsgerechte Erholung eine wichtige Rolle spielt. Die Schwerpunkte des Arbeitsstudiums liegen in der Arbeitsgestaltung, Arbeitsablauf, Zeitstudium, Kostenrechnung, Lohndifferenzierung. Arbeitsunterweisung und Anforderungsmittlung.

Arbeitsgestaltung

Sie umfasst alle Teilgebiete eines Arbeitssystems, d.h. welche Bedingungen wirken auf den Menschen ein, welche Technik wird eingesetzt, welche ergonomischen Bedingungen herrschen vor, welche Aspekte sind inhaltlich für den Arbeitsprozess relevant.

Arbeitsablauf

Dies ist die zeitliche und räumliche Folge von Tätigkeiten des Menschen mit dem Ziel, das Eingangsprodukt in das Ausgangsprodukt zu verändern. Dafür werden Betriebsmittel genutzt. Die einzelnen Tätigkeiten werden in eine Reihenfolge gebracht, um möglichst schnell und rationell das gesteckte Ziel zu erreichen. Durch die Gliederung ist es möglich, die einzelnen Tätigkeiten zu erkennen und ihnen ihre Wichtigkeit oder eben Unwichtigkeit im Arbeitsablauf zuzuordnen. So bekommt man einen objektiven Blick und kann eventuelle Verbesserungen herbeiführen.

Zeitstudium

Mit Hilfe des Zeitstudiums lassen sich Soll- und Ist-Zeiten ermitteln, mit denen eine exaktere Planung möglich wird. Auch personelle Unterschiede bei gleichen Aufgabenbereichen lassen sich feststellen. Was wiederum hilfreich bei der Arbeitsplatzbesetzung ist und Hinweise auf eventuell nötige Schulungen gibt. Es gibt verschiedene Methoden der Datenermittlung.

  • Zeitaufnahme (nach REFA): Diese Methode kann sehr exakte Werte liefern, jedoch ist sie äußerst zeit- und kostenaufwendig. Die REFA hat hierfür Zeitaufnahmebögen entwickelt, die von geschulten Personen ausgefüllt werden können. An diesen Angaben erkennt man, dass diese Methode nicht für Privathaushalte geeignet ist. Doch für Großküchen und Großhaushalte kann sie sehr hilfreich sein.
  • Zeitermittlung durch Selbstaufschreiben: Dies ist die Methode, die in Privathaushalten sinnvolle Anwendung findet. Es reicht aus, grobe Zeitwerte für einen Rahmenplan zu ermitteln. Über einen bestimmten Zeitraum wird ein Arbeitstagebuch geführt. Hier werden alle Tätigkeiten, die einen ausgesuchten Arbeitsbereich betreffen, aufgeschrieben. Dazu reicht es aus, eine normale Armbanduhr oder Küchenuhr zu benutzen. Allein durch dieses Beobachten gewinnt man ein Zeitgefühlt, dass Arbeitsschwerpunkte aufdeckt und hilft, Planungen gezielter durchzuführen.
  • Vergleichen und Schätzen: Wie der Name schon sagt, werden bei dieser Methode Zeiten geschätzt und miteinander verglichen. Dafür braucht man aber genügend Erfahrung und Unterlagen. So kann diese Methode angewendet werden, wenn man vergleichen möchte, wie geschult eine Person für eine bestimmte Arbeit ist. Man nimmt die Zeit einer geübten Person und setzt diese ins Verhältnis mit der Zeit der weniger geübten Person. Damit lässt sich ermitteln, wie viel Übungszeit evtl. noch gegeben werden muss.

Kostenrechnung

Mit Hilfe der Kostenrechnung werden geplante Maßnahmen im Haushalt auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft. Gegebenenfalls können Alternativen verglichen werden. Auch hier gibt es verschiedene Herangehensweisen. So kann ein besonderes Augenmerk auf die Gliederung in Einzel- oder Gemeinkosten gelegt werden, aber auch auf die Gliederung mengenabhängiger Kosten und zeitabhängiger Kosten.

  • Einzelkosten sind die Kosten, die dem Produkt oder der Dienstleistung direkt zuzuschreiben sind. (z.B. Materialkosten)
  • Gemeinkosten sind die Kosten, die nicht direkt dem Produkt oder der Dienstleistung zugeordnet werden können. Das heißt, es sind Hilfsmittel, die für die Produktion von Dingen oder für eine Tätigkeit benötigt werden, die aber nicht im fertigen Endprodukt direkt aufgehen. (z.B. Lagerungskosten, Energiekosten)

Diese Gliederung ist günstig, wenn man die Gesamtkosten einer kleineren Mengeneinheit oder einer selten sich wiederholenden Tätigkeit im Haushalt errechnen will. Einzelkosten und Gemeinkosten werden addiert.

  • Mengenabhängige Kosten sind abhängig von der Anzahl der erstellten Mengeneinheiten. Dies sind z.B. Kosten für Material.
  • Zeitabhängige Kosten sind mengenunabhängig. Es sind Fixkosten, die periodisch (Monat, Jahr) anfallen, auch dann, wenn nicht produziert wird. (z.B. Raummiete). Deshalb werden sie kalkulatorisch ermittelt. Addiert man nun die mengenabhängigen Kosten mit den zeitabhängigen Kosten so erhält man zwar die Gesamtkosten, muss aber beachten, dass man diese nicht als absolut definieren kann. Sie werden als Entscheidungshilfe für Alternativen mittels Vergleich benutzt.

Lohndifferenzierung

ist in der privaten Hauswirtschaft eher zu vernachlässigen. In Großhaushalten ist sie abhängig von der Qualifikation und der Arbeitsanforderung. zum Weiterlesen

Arbeitsunterweisung

Nur Menschen, die richtig in ihre Arbeit eingewiesen sind und sich sicher fühlen, können eine gute und effiziente Arbeit leisten. Deshalb ist die Arbeitsunterweisung zur Steigerung der Produktivität grundlegend wichtig. Elfriede Stübler schlägt vor, auch bei der Arbeitsunterweisung nach einem genauen Plan vorzugehen. Sie hat ihn in 4 Stufen gegliedert.

  • 1. Stufe: Hier wird der Lernende auf seine zukünftige Arbeit vorbereitet. Es werden die Aufgaben und Lernziele benannt und eventuelle Vorkenntnisse ermittelt. Von Vorteil ist, wenn man den Lernenden für seine neue Aufgabe begeistern kann und ihm mögliche Ängste nimmt.
  • 2. Stufe: Sie nennt sich auch die Vorführungsphase. Der Lernende bekommt die neue Aufgabe erklärt und gezeigt. Dabei werden Lernabschnitte und Kernpunkte benannt.
  • 3. Stufe: Jetzt muss der Lernende die gezeigten Abschnitte nachmachen. Wichtig ist, dass er dabei die einzelnen Schritte erklärt, um sichtbar zu machen, ob Verständnislücken vorhanden sind.
  • 4. Stufe: Nun wird die Unterweisung abgeschlossen. Der Lernende führt die neue Arbeit selbstständig aus. Er bleibt noch kurze Zeit unter Beobachtung, kann aber nach und nach aus der Unterweisung entlassen werden.

Anforderungsermittlung

Jede Arbeitsaufgabe stellt Anforderungen an die Arbeitsperson. Denen stehen die Fähigkeiten des Arbeitenden gegenüber. Der Arbeitende wird belastet. Die Anforderungsermittlung dient der Optimierung der einzusätzenden Kräfte.


Zusammenfassung

Mit dem Arbeitsstudium in der Hauswirtschaft wird verdeutlicht, dass auch im Haushalt durch optimale Arbeitsbedingungen für den Menschen die Produktivität und auch die Wirtschaftlichkeit verbessert werden kann. Prof. Elfriede Stübler hatte frühzeitig einen objektiven Blick auf die Hauswirtschaft. Sie begründete in der Hauswirtschaft die Wissenschaft und überzeugte durch ihre Arbeit, dass es im Bereich Haushalt sinnvoll ist, wissenschaftlich zu arbeiten.


  1. Elfriede Stübler: 1979, Einführung in das Arbeitsstudium in der Hauswirtschaft, Beuth Verlag GmbH Berlin – Köln
  2. Elfriede Stübler: 1979, Einführung in das Arbeitsstudium in der Hauswirtschaft, Beuth Verlag GmbH Berlin – Köln, S.13)
Persönliche Werkzeuge