Bewältigung der Ein-Elternschaft

Aus ArbeitslehreWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Lebenssituation Alleinerziehender ist nicht unbedingt problematisch. So ist ein Großteil in der Lage die Situation gut zu bewältigen.[1] Welche Ressourcen für den Prozess der Neuorganisation von großer Bedeutung sind, werden im Folgenden skizziert. Grundlage dafür liefern umfangreiche Studien.[2]



Inhaltsverzeichnis

Das soziale Netzwerk

Wichtig für die positive Bewältigung der problematischen Situation ist das Ausmaß der sozialen Unterstützung. Diese hilft bei der Förderung der Gesundheit und dem Abbau von Belastungen und Stress sowie bei der Wiedererlangung des Wohlbefindens. So können soziale Netzwerke als ein zentraler Punkt angesehen werden, die die körperliche und seelische Gesundheit fördern sowie Krisen und Stress vermeiden oder bewältigen können. Folglich übernehmen diese eine unterstützende Funktion. Beziehungen zum sozialen Umfeld wie der Familie, den Freunden, Nachbarn und Kollegen geben eine vielfältige Hilfe (emotional, praktisch, materiell, informativ) und sind daher sehr wichtig.[3]

Bild:Soziales_netzwerk.gif [4]


Private und institutionelle Unterstützung

Es kann zwischen privater und institutioneller Unterstützung unterschieden werden. Aus den zahlreichen Studien geht deutlich hervor, dass sich die Mehrzahl der Alleinerziehenden vorrangig auf die private Unterstützung der personalen Netzwerke (Familien, Nachbarn, Freunde und Kollegen) konzentriert.[5] Dabei ist diese zum einem quantitativ bedeutsamer und zum anderen auch vielfältiger. So erhalten sie von Personen aus ihrem sozialen Netzwerk, neben der Hilfe bei der Kinderbetreuung, auch emotionale Unterstützung und Wertschätzung. Die institutionelle Unterstützung hingegen ist in erster Linie auf den finanziellen Transfer beschränkt.[6] Auffällig sind jedoch die weniger guten sozialen Netzwerke und der geringere soziale Rückhalt bei Ein-Eltern-Familien, die aufgrund von niedrigerem Einkommen (Arbeitslosigkeit und/ oder Sozialhilfeabhängigkeit) der unteren Sozialschicht angehören.[7] Sie suchen daher die soziale Unterstützung vermehrt bei Jugend-, Arbeits- und Sozialämtern sowie bei psychologischen Kinder- und Jugendberatungsstellen.[8]

Wie die Studie von Mächler[9] anhand repräsentativer Längsschnittstudien zeigt, sind die sozialen Netzwerke die über die Kernfamilie hinausgehen, von großer Bedeutung. Besonders wichtig sind Freunde und Nachbarn. Mit ihnen können die Betroffenen oftmals offenere Gespräche geführt, als mit Verwandten.


Die Großeltern

Neben den Freunden nehmen auch die Großeltern einen bedeutenden Platz ein. So unterstützen sie die Alleinerziehenden bei der Kinderbetreuung, indem sie die Kinder von der Schule abholen und zu Freizeitaktivitäten begleiten. Zudem versuchen sie den fehlenden Partner oder die fehlende Partnerin zu ersetzen. Das kann jedoch zu Problemen führen, wenn infolgedessen eine Grenzüberschreitung seitens der Großeltern stattfindet. Daher sollten zuvor Absprachen getroffen werden.[10]


Die Kinder

Als weitere wichtige Unterstützungsquelle sind die Kinder, vor allem die ältesten Töchter, zu nennen. Sie übernehmen die Betreuung der jüngeren Geschwister und alltägliche Arbeiten im Haushalt. Die älteren Söhne hingegen versuchen häufig schon früh durch eine eigene Erwerbstätigkeit das geringe Familieneinkommen zu verbessern.[11] Hierbei sollte jedoch beachtet werden, dass die Kinder nicht als Partnerersatz dienen, sondern Kinder bleiben.


Eine weitere hilfreiche Möglichkeit die problematischen Familiensituation zu bewältigen, stellt das binukleare Familiensystem dar. Dieses wird im folgenden Kapitel erläutert.



Das binukleare Familiensystem

Eine weitere wichtige Rolle für die erfolgreiche Auseinandersetzung mit der Situation der Ein-Eltern-Familie ist der Aufbau eines binuklearen Familiensystems (Zwei-Haushalte-Familie). Ein intaktes und funktionierendes binukleares Familiensystem besteht dann, wenn es den geschiedenen Elternteilen gelingt die gescheiterte Partnerbeziehung abzuschließen und „gleichzeitig die gemeinsame Elternrolle im Sinne einer am Wohl des Kindes orientierten kontinuierlichen Kooperation neu zu bestimmen“[12]. Hier spielen daher die Kontakte zum nicht im Haushalt lebenden Elternteil eine wichtige Rolle. Eine gute und entspannte Beziehung zwischen beiden Elternteilen erleichtert die Absprachen miteinander und prägt die weitere Entwicklung des Kindes positiv. Die Eltern sollten versuchen ihre Konflikte beizulegen oder zumindest von ihren Kindern fern zu halten, um die Partnerbeziehungen von den Eltern-Kind-Beziehungen zu trennen. Dies ermöglicht den Kindern weiterhin gute Kontakte zur Mutter sowie zum Vater.



Fazit

Bis heute jedoch wird die Kernfamilie als Idealfamilie angesehen, da sie den weiblichen wie männlichen Lebensentwurf beinhaltet. Die Lebensform Alleinerziehend hingegen wird von der Gesellschaft als defizitärer und unvollständig wahrgenommen. Als größtes Problem der Alleinerziehenden kann die finanzielle Absicherung der Ein-Eltern-Familie und die daraus resultierende erschwerende Situation der Vereinbarung von Beruf und Familie angesehen werden. Die sozialen Netzwerke erleichtern die Bewältigung der Probleme Alleinerziehender ungemein. So erhalten sie von ihren Verwandten, Freunden, Nachbarn, neuen PartnerInnen und KollegInnen soziale Unterstützung, um den Beruf und die Familie zeitliche miteinander zu organisieren. Auch ein gutes und konfliktfreies Verhältnis zu dem nicht im Haushalt lebenden Elternteil ist für die Bewältigung der Ein-Elternschaft von großer Bedeutung. Mit dieser sozialen Unterstützung und die daraus resultierenden Heterogenität der Alleinerziehenden kann folglich nicht mehr von einem defizitären Charakter der Ein-Eltern-Familie ausgegangen werden.


  1. vgl. Schneider et al. 2001
  2. vgl. Peukert 2005, S. 217
  3. vgl. Schneider et al. 2001, S. 74 f.
  4. vgl. Neyer (2001). Individuum und Soziales Netz: Wie sich Persönlichkeit und Beziehungen wechselseitig beeinflussen. http://www.pabst-publishers.com/Psychologie/psyzeit/v_u_v/2001-4/03_01.htm (Stand: 30.03.2008)
  5. vgl. Brand et al. 2002, S. 135
  6. vgl. Brand 2002, S. 161
  7. vgl. Schwarzer et al. 1998 zitiert nach Brand 2002, S. 161
  8. vgl. Brand 2002, S. 162
  9. Mälcher 2002 zitiert nach Peukert 2005, S. 218
  10. vgl. Braches-Chyrek 2002, S. 140 f.
  11. vgl. Braches-Chyrek 2002, S. 157 f.
  12. Peukert 2005, S. 218



Literatur

Bücher

Braches-Chyrek., Rita (2002): Zur Lebenslage von Kindern in Ein-Eltern-Familien. Opladen: Leske + Budrich

Brand, Dagma/ Hammer, Veronika (2002): Balanceakt Alleinerziehend. Lebenslagen, Lebensformen, Erwerbsarbeit. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag

Peukert, Rüdiger (2005): Familienformen im sozialen Wandel. Opladen: Leske + Budrich

Schneider, Norbert F./ Krüger, Dorothea/ Lasch, Vera/ Limmer, Ruth/ Matthias-Beck, Heike (2001): Alleinerziehen. Vielfalt und Dynamik einer Lebensform. Weinheim und München: Juventa Verlag


Internet

Neyer, Franz (2001): Individuum und Soziales Netz: Wie sich Persönlichkeit und Beziehungen wechselseitig beeinflussen. http://www.pabst-publishers.com/Psychologie/psyzeit/v_u_v/2001-4/03_01.htm (Stand: 30.03.2008)



Weblinks

www.alleinerziehend.net/

www.allein-erziehend.net/forum/portal.php

www.elternimnetz.de/cms/paracms.php?site_id=5&page_id=235

www.vamv-bundesverband.de/vamv.htm

Persönliche Werkzeuge