Berufswahlpass
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Der Berufswahlpass, kurz BWP, ist ein Portfolio zur Dokumentation und Präsentation der beruflichen Orientierung und des Berufsfindungsprozesses von Schülerinnen und Schüler.
Er besteht aus einer DIN-A4-Ringbuchmappe, vier beziehungsweise fünf farbigen Registerblättern und den dazugehörigen Materialteilen. Den Berufswahlpass setzen bundesweit Schulen ab Klassenstufe 7 ein, die ihre Schülerinnen und Schüler mithilfe verschiedener schulischer und außerschulischer Angebote auf die Arbeitswelt vorbereiten wollen. Der Berufswahlpass soll es Eltern, Betrieben, Berufsberaterinnen, Berufsberatern und Lehrkräften erleichtern, diesen Prozess zu begleiten.
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Entstehungshintergrund
Die Anforderungen an die Schüler und Schülerinnen bei der Berufswahl sind in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen. Die veränderten Rahmenbedingungen für die Berufswahl, die erhöhten Anforderungen in der Ausbildung, die schnelleren Veränderungen der beruflichen Qualifikation sowie neue Beschäftigungsformen stellen hohe Anforderungen an den Menschen, der sich in einer verändernden Arbeitswelt zurechtfinden muss.
Normative Ziele
Der Berufswahlpass soll vor dem Hintergrund einer sich verändernden Arbeitswelt bei den Schülerinnen und Schülern Entscheidungsfähigkeit fördern, um am Ende der Schulzeit eigenverantwortlich eine begründete Berufswahlentscheidung treffen zu können. Er soll die Angebote zur Berufsorientierung und den Prozess des Übergangs von der Schule in die Berufs-und Arbeitswelt strukturieren, die Eigeninitiative, Selbstverantwortung und Orientierungskompetenz der Schülerinnen und Schüler fördern und sie bei ihrer individuellen Lernplanung unterstützen. Für die Schulen soll der Berufswahlpass ein Anlass sein, ihr Berufsorientierungscurriculum zu formulieren und zu präzisieren. Berufsorientierung im Sinne des Berufswahlpasses versteht sich als fächerübergreifende und fächerverbindene Aufgabe.
Aufbau
Der Berufswahlpass ist in der Variante A und B in vier und in der Variante C in drei Abschnitte gegliedert.
- 1. „Angebote zur Berufsorientierung“
Hier stellt die Schule ihr Schulprogramm zur Berufsorientierung vor. Schülerinnen und Schüler, Eltern, Ausbildungs- oder Praktikumsbetriebe und die Berufsberatung können sich über die Angebote im Rahmen der Berufsorientierung und über die außerschulischen Kooperationspartner informieren. Außerdem enthält dieser Teil Namen, Sprechstundenzeiten und Anschriften von Ansprechpartnern innerhalb und außerhalb der Schule.
- 2. „Mein Weg zur Berufswahl“
Dieser Abschnitt ist der wichtigste Teil des Passes. Die Schülerinnen und Schüler beschreiten den Weg zur Berufswahl, an dessen Ende eine überlegte und nachvollziehbare Berufsentscheidung steht. Der Abschnitt gliedert sich in drei Teilschritte:
- 2.1 Meine Stärken bestimmen und Ziele klären
- 2.2 Meine Lernplanung
- 2.3 Meine Übergangsschritte
Die einzelnen Schritte können von den Jugendlichen, den Lehrkräften, den Eltern und der Berufsberatung regelmäßig geprüft werden.
- 3. „Dokumentation des eigenen Bildungsganges“
An dieser Stelle sammeln die Schülerinnen und Schüler Bescheinigungen, Zertifikate und Dokumente, die für ihre berufliche Zukunft wichtig sein können. So sind diese Unterlagen schnell greifbar und können zum Beispiel für eine Bewerbung verwendet werden.
- 4. „Lebensordner“ (in Varianten A und B)
Dieser Abschnitt dient der allgemeinen Lebensplanungung enthält Dokumente und Unterlagen, zum Beispiel zur Wohnungssuche, zum Umgang mit Geld, zum Abschluss von Versicherungen und zum Umgang mit Ämtern.
Varianten
Den Berufswahlpass gibt es in drei Varianten, die sich an den Bildungszielen unterschiedlicher Lerngruppen orientieren. Die Varianten A, B und C sind parallel einsetzbar. Der Verkaufspreis beträgt 3,50 € pro Berufswahlpass.
- Variante A
Geeignet für Schülerinnen und Schüler, die voraussichtlich im Anschluss an ihre Schulzeit weiteren Bildungsbedarf haben, bevor sie eine berufliche Ausbildung beginnen. Die Texte und Materialien sind im Vergleich zu den Varianten B und C einfacher gestaltet und inhaltlich auf Schülerinnen und Schüler ausgerichtet, die von Lernschwierigkeiten betroffen sind.
- Variante B
Geeignet für Schülerinnen und Schüler, die voraussichtlich im Anschluss an ihre 9- oder 10-jährige Schulzeit mit einer dualen Berufsausbildung beginnen. Sollte sich im Laufe der Zeit herausstellen, dass Schülerinnen oder Schüler sich für weiterführende Schulen entscheiden, können die Materialien um Blätter aus der Variante C ergänzt werden.
- Variante C
Geeignet für Schülerinnen und Schüler, die voraussichtlich nach dem 10. Schuljahr weiterführende Schulen besuchen, sei es die gymnasiale Oberstufe oder andere Schulformen, deren Abschluss über den Realschulabschluss hinausgeht.
Kritik
Der Berufswahlpass ist eine bundesweit einheitliche Initiative und kann deshalb auf individuell schulspezifische Probleme nicht eingehen. Da sich der Berufswahlpass als fächerübergreifend versteht, ist die Betreuung und Zuständigkeit der Schülerinnen und Schüler im Einsatz mit ihm oftmals nicht klar geregelt. Somit wird das Ziel verfehlt und der Berufswahlpass wird wenn überhaupt nur im Arbeitslehreunterricht eingesetzt. Die Konzentration der Fachlehrer und Fachlehrerinnen außerhalb der Arbeitslehre auf den Kern des jeweiligen Faches, die Fähigkeiten, und die knappe Unterrichtszeit, machen einen Einsatz des Berufswahlpasses außerhalb des Arbeitslehreunterrichts nicht oder nur selten möglich. Da die Berliner Politik den Berufswahlpass in der Implementationsphase als eine Rechtfertigung für die Stundenkürzung des Arbeitslehreunterrichts genommen hat, trifft dieser auf Widerstand vieler Arbeitslehrelehrer und Arbeitslehrerinnen, die bisher allein für den Berufsfindungsprozess der Schülerinnen und Schüler zuständig waren. Sie sehen ihn somit nicht als Chance für eine Optimierung in der Berufsorientierung, sondern als Konkurrenz zu ihren Leistungen. Somit bekommt der Berufswahlpass ein Eigenleben und wird nicht optimal genutzt. Auch trägt die Pfadabhängigkeit vieler Arbeitslehrelehrer und Arbeitslehrerinnen letztendlich nicht zum Erfolg des Berufswahlpasses bei und die hoch gesteckten Ziele werden im schlimmsten Fall verfehlt.
Ein Scheitern des Berufswahlpasses als Mittel zur Kompetenzerweiterung in der beruflichen Orientierung von Schülerinnen und Schülern aufgrund der Zielverfehlung in der bildungspolitischen Aufgabe hätte möglicherweise eine Rückkehr zum alten System unter neuen Voraussetzungen zur Folge oder würde einen völlig neuen Ansatz erfordern. Im Augenblick scheint es daher ratsam, eine neue Implementation des Berufswahlpasses vorzunehmen, indem man die Kompetenz der beruflichen Orientierung bei dem Fach Arbeitslehre, und somit bei den „Profis“, belässt und den Berufswahlpass als effektives Hilfsmittel im Fach Arbeitslehre einsetzt. Darüber hinaus muss sichergestellt werden, dass der Berufswahlpass nicht das, sondern ein Instrument der beruflichen Orientierung ist und genügend Unterrichtsstunden zur Verfügung stehen, um dem Ziel eines wirkungsvollen berufsvorbereitendem Unterricht gerecht zu werden.
Literatur
Arbeitslehre-Journal Heft 23. November 2007. ISSN-Nr.1613-0588
Weblinks
[1]Berufswahlpass Homepage
[2]Der Berufswahlpass in der Praxis
[3]Lumpe, Alfred. Der Berufswahlpass - Ein Instrument zum selbstorganisierten und eigenverantwortlichen Lernen. Hamburg. 2003
Lehrende Statements der Lehrenden, Experten und Expertinnen zur Qualität:
- --Kristina Köhnlein: Dieser Artikel ist gut, muss aber wegen fehlender Nachweise von Zitaten überarbeitet werden. Weitere Verbesserungsmöglickeiten hinsichtl. Kategorien, Verlinkungen und Literaturangaben.


