Berufswahl als Entwicklungsprozess von Johannes Karcher

Aus ArbeitslehreWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Berufswahl als Entwicklungsprozess

Die Zeit die eine Person für die Wahl eines Berufes benötigt, ist nicht zeitlich gebunden und kann darüber hinaus auch individuell lange dauern. Diese Periode ist als Entwicklungsprozess zu sehen, der von der jeweiligen Entwicklungsgeschichte und Sozialisation der Person abhängt. Die Berufswahl ist als Kette zu betrachten, die sich aus verschiedenen Gliedern zusammensetzt. Jedes Glied ist ein kleiner Prozess in der Entscheidungsfindung. Diese endet im Idealfall mit dem Ausscheiden aus der Schule und ebnet dadurch den Weg in das Berufsleben. Nach Ries ist dieser Prozess der Berufswahl eine Aneinanderreihung von determinierenden Wahlen, die weitgehend irreversibel sind.

„Die Irreversibilität der Berufswahl ergibt sich vor allem durch den Druck, welchen die Realität und die Sozietät ausübt, so dass er beim Individuum Barrieren schafft, die eine Änderung einer getroffenen Entscheidung auch dann verhindern, wenn die Umstände dafür sprechen würden“[1].

Jede getroffene Entscheidung in diesem Prozess bewirkt eine gewisse Einschränkung. Das Individuum schlägt einen bestimmten Weg ein und kann dadurch andere Wege nicht betreten. Dadurch reduzieren sich die Wahlmöglichkeiten. Des Weiteren ist in der Regel der Aufwand an Investitionen zu groß, den eine Person geleistet hat. Daraus resultiert, dass das Individuum das investierte Geld, die Zeit oder auch die Energie nicht einfach aufgeben will. Dadurch kommt eine Veränderung der beruflichen Entwicklung oftmals nicht in Frage.

Dimensionen der beruflichen Entwicklung

Bekannte Zahlen zeigen hingegen ein etwas anderes Bild. Berufswechsel und Richtungsänderungen in der beruflichen Entwicklung eines Individuums kommen durchaus häufig vor und sprechen gegen eine derartige Irreversibilität. Kohlirelativiert deshalb die Auffassung zur Irreversibilität und unterscheidet in Bezug darauf zwischen „objektiver“ und „subjektiver“ Dimension der beruflichen Entwicklung.

„Einen Zusammenhang von einzelnen Entscheidungen und Erfahrungen in einer beruflichen Laufbahn bezeichnen wir als objektiv, wenn er sozial normiert ist. Der subjektive Zusammenhang der einzelnen Berufswahlentscheide besteht demgegenüber darin, dass sie vom Individuum aufeinander bezogen werden; es versucht, seine Handlungen in einem einheitlichen Sinnhorizont einzupassen (Kohli (37), 17).“

Unter subjektiver Dimension versteht Kohli die Phantasieberufswahlen eines Kindes, welches von Traumberuf zu Traumberuf springt und sich dadurch, spielend mit verschiedenen Berufsfeldern auseinander setzt und hierbei Erfahrungen sammelt. Dieser Prozess der beruflichen Entwicklung gilt als subjektiv und ist in dem Moment reversibel, in dem das Individuum gelernt hat, seine Entscheidungen eigenständig zu treffen und diese aufeinander beziehen zu können. Demgegenüber spricht Kohli bei der objektiven beruflichen Entwicklung von einer hohen Irreversibilität. Hierbei hat die Struktur der gesellschaftlichen Institutionen den maßgeblichen Anteil. Ein Individuum mit einer niedrigen Schulbildung bekommt nur beschränkte Auswahlmöglichkeiten an beruflicher Bildung. Dies gilt im Übrigen auch für diejenigen, die z.B. eine schlechte Abiturnote haben und deshalb keinen NC gebundenen Studienplatz bekommen können. Des Weiteren spricht Kohli von denen, die eine hohe Schulbildung genossen haben. Durch das hohe Bildungsniveau, werden diese Personengruppen in höher gestellte Berufe gedrängt und werden dadurch der Möglichkeit beraubt, einer vermeintlich niedrigen Aufgabe nachzugehen.

Berufliches Selbstkonzept

Die oben angesprochene Kette kann auch als ein berufliches Selbstkonzept verstanden werden. Dieses Konzept wird in drei Stufen gegliedert:

  • 1. Aufbau des Selbstkonzepts
  • 2. Herstellung der Übereinstimmung zwischen Selbstkonzept und den Merkmalen von Berufsrollen
  • 3. Verwirklichung desselben im Beruf

Das Selbstkonzept wird durch die Sozialisation, die das Individuum durch sein Umfeld erfährt, entwickelt. Die daraus gestellten Anforderungen verinnerlicht es und betrachtet die resultierenden Ergebnisse als seine eigenen Ansprüche. Das Individuum versucht die eigenen Ansprüche auf ein für sich geeignetes Berufsfeld zu projizieren. Dabei wählt es einen Beruf, der in seiner psycho-sozialen Struktur liegt, um dem Selbstkonzept möglichst weitgehend zu entsprechen. Die Verwirklichung und Umsetzung der ersten zwei genannten Punkte, ist das Resultat der beruflichen Entwicklung.

Persönlicher Standpunkt

Die Suche nach dem richtigen Beruf kann durchaus ein langer Weg sein. Nach dem Austritt aus der jeweiligen Schulform muss man sich über seinen persönlichen Istwert im Klaren sein. Damit meine ich, dass man über persönliche Stärken und Schwächen Bescheid wissen sollte, wenn dazu noch Interessen und Neigungen berücksichtigt werden, kann man sich dadurch sehr gut orientieren. Die so erlangte Orientierung kann der Wegweiser für die berufliche Verwirklichung darstellen. Des Weiteren können auch persönliche Kontakte bei der Wahl des Berufes einfließen. Wenn z.B. ein Freund eine bestimmte Richtung einschlägt, kann dadurch das Interesse diesbezüglich geweckt werden. Doch sollte man immer genau reflektieren, ob diese Einflüsse auch einen persönlichen Wert haben, da die Berufswahl ein individueller Prozess ist, der nicht auf jede Person übertragbar ist. Wenn man einen Weg eingeschlagen hat und diesen bis zum Ende gegangen ist, ist es meiner Auffassung nach wichtig, sich wieder den Istwert vor Augen führen. Wenn man glücklich mit dem erlernten Beruf ist, bleibt man seinem Berufsfeld treu; wenn nicht, muss man sich wieder neu orientieren und sehen, wo sich die Interessen hin entwickelt haben und danach handeln. Daraus resultiert für mich, dass jemand, der immer genau sieht was er erreichen will, immer ein gewisses Ziel vor Augen hat und danach handelt wird, irgendwann ihr Ziel erreichen und den idealen Beruf für sich finden wird. Man muss sich selbst natürlich immer kritisch reflektieren und sehen wo man steht und wo man hin will. Deshalb sehe ich die Berufswahl als einen langen Entwicklungsprozess an.

Literatur:

Ries H.: Berufswahl in der modernen Industriegesellschaft, Bern 1970 Behrens, G./Hoppe, M: Berufswahl als Problem. Studienbrief 2, Hrsg. vom DIFF. Weinheim, Basel: Beltz, 1984 (S.79 – 83)

--JohannesKarcher 08:42, 24. Feb. 2008 (UTC)

Lehrende Statements der Lehrenden, Experten und Expertinnen zur Qualität:


  • --Kristina Köhnlein: Dieser Artikel ist gut, muss aber hinsichtl. korrekter Zitierweise überarbeitet werden. Weitere Verbesserungsmöglichkeiten: Verlinkungen, Kategorisierung und Inhaltsverzeichnis.
Persönliche Werkzeuge