Berufsorientierung unter dem Aspekt der Lernbehinderung

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Der Übergang von der Schule in die Arbeits- und Berufswelt bedeutet für jede Jugendliche und für jeden Jugendlichen einen komplexen Entscheidungs- und Orientierungsprozess. Eine enorme Herausforderung, die für einen Teil der Schülerschaft, nämlich den mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen, eine fast unüberwindbare Hürde darstellt.


Inhaltsverzeichnis

Schulische Berufsorientierung

Schulische Berufsorientierung zielt auf die „Aneignung von Kenntnissen, Erkenntnissen, Erfahrungen und Fähigkeiten, die es den Schülerinnen und Schülern ermöglichen sollen, eine rationale, dass heißt zwischen subjektiven Interessen und Voraussetzungen sowie objektiven aktuellen und – so weit vorhersehbar – zukünftigen Ausbildungs- bzw. Arbeitsmarktbedingungen vermittelnde Entscheidung zu treffen“. [1]


Lernbehindertenpädagogik und schulische Berufsorientierung

Die Komplexität des Berufsorientierungsprozesses impliziert, dass er für Schüler mit schwerwiegenden, umfänglichen und andauernden Lern- und Leistungsrückständen, also allen drei Arten des Erscheinungsbildes einer Lernbehinderung nach KANTER[2],nur durch größtmögliche Unterstützung der Lehrkräfte und anderer daran Beteiligter Personen erfolgreich zu vollziehen ist.[3]Lernbehindertenpädagogik lässt sich heute umschreiben als Theorie und Praxis der Erziehung und pädagogisch rehabilitativen Hilfe in Fällen besonderer Lern- und Entwicklungsschwierigkeiten, bezogen auf alle Lebensalter.“ [4] Bezogen auf das Alter der Schulabgängerinnen und Schulabgänger, und dem damit verbundenen Übergang in die Arbeits- und Berufswelt, muss sich die Lernbehindertenpädagogik also auch der Aufgabe stellen, ihrem Schülerinnenklientel und Schülerklientel genau jene pädagogisch rehabilitative Hilfe zu gewährleisten, die die schulische Berufsorientierung erfordert.

Arbeits- und Berufsfindungskompetenz und Lernbehinderung

JUNG[5] gliedert seine Definition von Arbeits- und Berufsfindungskompetenz in vier Bereiche:

  • 1. inhaltlich / fachlich,
  • 2. methodisch / strategisch,
  • 3. sozial / kommunikativ,
  • 4. mental / affektiv.


Die Schüler sollen nach JUNG[6]ausbildungs-, arbeits- und/oder berufsrelevante Kenntnisse erwerben und anwenden“, sowie „übergangsrelevante Lern- und Arbeitsschritte planen, durchführen [und] reflektieren.[7] Bezüglich dieser Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler muss der Tatsache besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, dass die Schülerinnen und Schüler mit einer Lernbehinderung zwar grundsätzlich über dieselben Lern- und Lernaufbauprozesse verfügen wie Schülerinnen und Schüler ohne diese Behinderung, sich diese Prozesse jedoch „in zeitlich gedehnter, nach Umfang reduzierter, qualitativ modifizierter und strukturell veränderter Ausformung“ vollziehen.[8] Weiter sollen die Schülerinnen und Schüler Arbeits- und Berufsfindungsprozesse als besondere Herausforderungen annehmen“ sowie die „Bereitschaft entwickeln, einen Wunschberuf anzustreben [und] Fehlannahmen zu korrigieren.[9] Hierbei muss berücksichtigt werden, dass Schülerinnen und Schüler mit einer Lernbehinderung in erhöhtem Maße bedürfnisbestimmt sind, sich eher passiv treiben lassen als Probleme und Anforderungen aktiv selbst zu bewältigen und ihre Interessen- und Wertbereiche eher begrenzt sind.[10] Im Bereich der sozial- kommunikativen Kompetenzen nennt JUNG „Kommunikationsfähigkeit [zu] erwerben, erproben [und zu] verbessern“ sowie „Ängste und Frustrationen [zu] bewältigen [und] Selbstbewusstsein und Gelassenheit [zu] entwickeln".[11] Die sozial- kommunikativen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen sind im allgemeinen jedoch stark reduziert. So beschreibt KANTER [12]eine „verzögerte soziale Reife, verminderte Kooperation, erhöhte Neigung zu Regressivität wie Aggressivität, vermehrte Gehemmtheit wie auch Hemmungslosigkeit, Schwierigkeiten bei der Bewältigung sozialer Situationen und Schwierigkeiten in der Rollenübernahme und –bewältigung.[13]

Fazit

Schulische Berufsorientierung ist für und mit Schülerinnen und Schülern mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen ebenso realisierbar wie für und mit Schülerinnen und Schülern ohne einen sonderpädagogischen Förderbedarf. Inhaltlich und methodisch muss die schulische Berufsorientierung jedoch so abgestimmt sein, dass sie den besonderen Bedürfnissen dieses Schülerinnenklientels und Schülerklientels gerecht wird. Dies erfordert insbesondere ein hohes Maß an Engagement, Einfühlungsvermögen, Zuwendung und Aufmerksamkeit auf Seiten der am Prozess beteiligten Lehrerinnen und Lehrern sowie einen erhöhten Zeitaufwand.



Quellenverzeichnis

  1. Schudy, J., (Hrsg.) (2002): Berufsorientierung in der Schule - Grundlagen und Praxisbeispiele, Bad Heilbrunn: Klinkhardt Verlag.
  2. Kanter, G. O. (1989): Lerngestörten- und Lernbehindertenpädagogik, in: Bach, H. , Sonderpädagogik im Grundriss, Marhold Berlin, S. 105 – 112
  3. Kanter, G. O. (1989): Lerngestörten- und Lernbehindertenpädagogik, in: Bach, H. , Sonderpädagogik im Grundriss, Marhold Berlin, S. 105 – 112
  4. Antor, G., Bleidick, U., (Hrsg.) (2006): Handlexikon der Behindertenpädagogik, Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer, S. 146
  5. Jung, E., (2000): Arbeits- und Berufsfindungskompetenz, in: Schlösser, H.J. (Hrsg.) Berufsorientierung und Arbeitsmarkt, Bergisch Gladbach: Hobein, S. 93 - 116
  6. Jung, E., (2000): Arbeits- und Berufsfindungskompetenz, in: Schlösser, H.J. (Hrsg.) Berufsorientierung und Arbeitsmarkt, Bergisch Gladbach: Hobein, S. 93 - 116
  7. Jung, E., (2000): Arbeits- und Berufsfindungskompetenz, in: Schlösser, H.J. (Hrsg.) Berufsorientierung und Arbeitsmarkt, Bergisch Gladbach: Hobein, S. 93 - 116
  8. Kanter, G. O. (1989): Lerngestörten- und Lernbehindertenpädagogik, in: Bach, H. , Sonderpädagogik im Grundriss, Marhold Berlin, S. 105 – 112
  9. Jung, E., (2000): Arbeits- und Berufsfindungskompetenz, in: Schlösser, H.J. (Hrsg.) Berufsorientierung und Arbeitsmarkt, Bergisch Gladbach: Hobein, S. 93 - 116
  10. Kanter, G. O. (1989): Lerngestörten- und Lernbehindertenpädagogik, in: Bach, H. , Sonderpädagogik im Grundriss, Marhold Berlin, S. 105 – 112
  11. Jung, E., (2000): Arbeits- und Berufsfindungskompetenz, in: Schlösser, H.J. (Hrsg.) Berufsorientierung und Arbeitsmarkt, Bergisch Gladbach: Hobein, S. 93 - 116
  12. Kanter, G. O. (1989): Lerngestörten- und Lernbehindertenpädagogik, in: Bach, H. , Sonderpädagogik im Grundriss, Marhold Berlin, S. 105 – 112
  13. Kanter, G. O. (1989): Lerngestörten- und Lernbehindertenpädagogik, in: Bach, H. , Sonderpädagogik im Grundriss, Marhold Berlin, S. 105 – 112


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