Berufsorientierung für Hörgeschädigte (BOH)

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Berufsorientierung für Hörgeschädigte (BOH)--Steffen Suhr 23:20, 15. Sep. 2009 (CEST)
  1. vgl. Piel und Dr. Ney, http://www.isb-berlin.de/dokument/02-vorwort.pdf, (Dezember 2006) S.5
  2. http://www.bbw-nuernberg.de/ab/bv/.aspx (08.02.2009)
  3. vgl., Dr. Mertz (2006), Konzept BOH - Ausbildungszentrum OTA, unveröffentlicht

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Für jeden Jugendlichen ist die Entscheidung über den richtigen Beruf ein besonderer und lebensbestimmender Schritt während seiner schulischen Ausbildung. Hierbei haben hörgeschädigte Kinder und Jugendliche erhebliche Barrieren zu überwinden.[1] Gerade die Befürchtungen, dem Kommunikationsanspruch nicht gewachsen zu sein, schreckt viele Firmen und Arbeitgeber ab, adäquate Praktikumplätze für hörgeschädigte SchülerInnen zur Verfügung zu stellen. Andererseits kann „nicht jeder hör- und sprachgeschädigte Jugendliche, der eine Ausbildung ..... anstrebt, die eigenen Fähigkeiten bzw. die Realisierbarkeit seiner Berufswünsche richtig einschätzen“.[2] Mit dem Konzept „Berufsorientierung für Hörgeschädigte (BOH)“ soll es diesen Schülerinnen und Schülern ermöglicht werden, realistische Einblicke in Anforderungen, Tätigkeiten und Arbeitsabläufe von Berufen wohnortnah zu bekommen. Durch die dabei gesammelten Erfahrungen bekommen sie eine objektive Einschätzung ihrer eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die ihnen ihre Berufswahlentscheidung erleichtern.

Zielstellung

Durch dieses Konzept wird mit hörgeschädigten Jugendlichen eine zielbewusste Vorarbeit im Rahmen der Berufsorientierung und damit auch eine fundierte Berufswahl geleistet. Da hierbei das Erlernen von Sachinhalten und die Weitergabe von Kenntnissen an hörgeschädigten SchülerInnen in verbaler Form nur sehr eingeschränkt erfolgen kann, werden visuell orientierte Techniken, Methoden und Arbeitsmittel für das Erlangen praktischer Handlungserfahrungen vorrangig genutzt. Gleichzeitig rückt die Förderung des selbständigen Handelns, zum Erlangen notwendiger Kompetenzen und dem damit verbundenen Erreichen der Ausbildungsreife, in den Mittelpunkt. Mit einer aktiven Teilnahme, erleben und erfahren die SchülerInnen vor Ort Ausschnitte des praktischen Bereichs der realen Arbeitswelt, welche ihnen bisher nur theoretisch vorgestellt wurden. Durch die Mitarbeit an konkreten Projekten (Arbeitsaufträgen) erproben sie sich in verschiedenen Berufsfeldern und erhalten grundlegende Einblicke in die Praxis. Gleichzeitig erhalten die Lernenden Kontakt zu älteren hörgeschädigten Auszubildenden, die ihnen Perspektiven für eine mögliche Berufswahl, trotz der Hörbehinderung, aufzeigen. Der durch diese Herangehensweise entwickelte Berufswunsch, soll Fehlentscheidungen in der Berufswahl und die daraus resultierenden Ausbildungsabbrüche vermeiden.

Träger und Kooperationen

Für die Umsetzung dieses Konzeptes arbeiten Hörgeschädigtenschulen und/oder Förderzentren mit dem Förderschwerpunkt „Hören“ und kompetente, mit der Zielgruppe erfahrene Einrichtungen der Beruflichen Rehabilitierung mit dem Schwerpunk der Hörgeschädigtenförderung, die ein breitgefächertes Angebot an Berufsfeldern und Berufen bieten, zusammen. Gerade bei diesen Einrichtungen oder Trägern bietet der Einsatz von Mitarbeitern mit fundierten Kenntnissen im Umgang mit hörgeschädigten TeilnehmerInnen eine gute Basis für ein erfolgreiches Gelingen. In Berlin hat in den letzten Jahren das Ausbildungszentrum OTA gGmbH [Kontakt: info.@ausbildung-ota.de] gute Erfahrungen bei der Ausgestaltung und Umsetzung dieses Konzeptes gesammelt.

Planung und Umsetzung

Die praktische Umsetzung des Konzeptes kann in zwei Formen erfolgen. Je nach Struktur und Organisation an den Schulen und bei den Trägern, stehen als Alternativem die Blockwochen oder eine über einen längeren Zeitraum geplante einmal wöchentliche Durchführung des Konzeptes zur Wahl. Hierbei ist im Vorfeld zwischen den Kooperationspartnern ein festes Kontingent an Leistungsstunden zu planen. Jedem Teilnehmer sollten zwei Berufsfelder/Berufe pro Jahrgang angeboten und vorgestellt werden. Ausweichmöglichkeiten, bei völliger Uneignung des gewünschten Berufsfeldes/Berufes, sollten dabei mit eingeplant werden.

Durchführung des Konzepts

Zu den einzelnen Phasen des Konzepts gehören:

I. Einführung: Vorstellen der/des Berufsfelder/Berufes, Anleiten, Unterweisen und Bearbeiten fachpraktischer Themen in Form von Projekten

II. Vertiefende Eignungsfeststellung: Eignungstests für verschiedene Berufsfelder/Berufe III. Auswertung: Gespräche mit den SchülerInnen, Lehrkräften und AusbilderInnen über die erzielten Ergebnisse sowie der Empfehlung zu Hilfsmitteln und weiterer Fördermöglichkeit bei der Berufswahlentscheidung

IV. Abschlusstag: Begleitung eines Auszubildenden aus einem anderen Beruf, zur Erweiterung des eigenen Berufsspektrums.

Erfahrungen und Erkenntnisse

Mit der gezielten Unterstützung, hörgeschädigten Schülerinnen und Schüler bei ihrer Suche nach einem geeigneten Beruf, konnten viele der Teilnehmer mit einer gefestigten Meinung und Einstellung zu bestimmten Berufsfeldern und Berufen die Maßnahme beenden. Auch wenn es am Ende hieß, „Dieser Beruf ist nichts für mich!“, wurden bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten ermittelt, die bei der weiteren Berufswahlfindung von großem Nutzen waren. Mit der Erkenntnis, auch mit einer Hörschädigung eine vollwertige berufliche Karriere beginnen zu können, stieg bei vielen der Schülerinnen der Wunsch, die Schule mit guten Leistungen abzuschießen. Konnte jedoch durch eine ungenügende Ausbildungsreife der direkte Übergang in die berufliche Erstausbildung nach der Schule nicht erfolgen, so wurde, durch die Teilnahme an der BOH, die Vorauswahl der Berufsfelder in den Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BVB) der Agentur für Arbeit bewusster fokussiert und erleichtert.[3]

Quellenverzeichnis

Persönliche Werkzeuge