Berufsbildung und Migrationshintergrund
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Berufsbildung und Migrationshintergrund
Im vergangenen Jahr war der der Sonderberichterstatter der UN für das Kinderrecht auf Bildung, Senor Vernor Munoz, auch in Deutschland unterwegs und hat das deutsche Bildungssystem unter die Lupe genommen. Was er über das deutsche System zu sagen hatte, lässt seitdem Bildungspolitiker nicht mehr ruhen. Es ist eine Diskussion in Gang gekommen und hat deutlich gemacht, dass es in unserem System noch viele Benachteiligungen für bestimmte Gruppen wie zum Beispiel für Menschen mit Migrationshintergrund gibt. Munoz machte deutlich, dass es sich ein demokratisches Gemeinwesen nicht leisten kann, nicht oder nicht genug in Bildung zu investieren. „Bildung ist keine Dienstleistung, Bildung ist ein Menschenrecht.“ [1]
1. Ausgangsvoraussetzungen Jugendlicher mit Migrationshintergrund für die berufliche Bildung
Davon ausgehend, dass im Jahre 2020 nur noch 10% der arbeitenden Bevölkerung einer Arbeit ohne oder nur mit geringer Ausbildung nachgehen werden, ist es die Herausforderung für das deutsche Bildungssystem junge Menschen zu einer Ausbildungsfähigkeit zu führen und zwar unabhängig von sozialem Stand und Herkunft. Dass dieses Ziel derzeit insbesondere für Jugendliche aus sozial schwachen Familien und mit Migrationshintergrund nicht erreicht wird, belegen die neuesten Ergebnisse der PISA-Studie. „Die Bundesrepublik ist das Land, das im Bezug auf die schulische Laufbahn der Jugendlichen die soziale Herkunft am wenigsten ausgleicht.“ [2]
Bei den Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist der Anteil derer, die ohne oder mit geringen schulischen Qualifikationen die Schule verlassen im Verhältnis signifikant höher als bei deutschen Jugendlichen. Sie haben daher im Wettbewerb um die Ausbildungsplätze auch schlechtere Ausgangsvoraussetzungen. [3]
Seit den 1980er Jahren hat sich an der Zahl der Jugendlichen mit geringen Abschlüssen nur wenig verändert. [4]
2. Die Rolle der Familie für die Bildungslaufbahn
Der 12. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung 2005 legte Ergebnisse vor, die die Rolle der Familie für den schulischen und beruflichen Werdegang der Kinder erhellen. Deutlich wird, dass insbesondere Kinder aus türkischen Familien zu einem hohen Anteil an Schulen mit niedrigem Bildungsniveau vertreten sind. Aussiedlerkinder sind zwar in ihren schulischen Leistungen nicht so erfolgreich, sie sind aber von ihrem sozialen Status her besser gestellt als Kinder aus Migrantenfamilien. Ein Befund, der für Überraschung sorgte war, dass die „Bildungsarmut“ weniger die Kinder aus neu zugewanderten Familien betrifft, sondern die Kinder der Familien der zweiten Generation, die sich in ihren Bildungschancen deutlich schlechter stellen. Familie ist, neben den schulischen und außerschulischen Einflussgrößen, der Ort, an dem über die Bildungschancen für Kinder entschieden wird. In der Familie findet die Begleitung und Vorbereitung für das Lernen in der Schule statt. Diese Begleitung verläuft auf sehr unterschiedliche Weisen und mit unterschiedlichem Erfolg. In Expertenkreisen werden mehrere Punkte diskutiert, die für die geringeren Chancen von Kindern aus Migrantenfamilien mit verantwortlich sein sollen.
1. Die Unterstützung bei den Hausaufgaben ist abhängig vom Bildungsniveau der Eltern.
2. Kinder aus Migrantenfamilien haben weniger Beziehungen zu Gleichaltrigen.
3. Migrantenfamilien sind mit dem deutschen Bildungssystem weniger vertraut.
4. Sprachliche Defizite erschweren die Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus. Eltern fungieren für diesen Bereich nicht als Vorbilder.
5. Es mangelt an gemeinsamen Familienaktivitäten und außerschulischen Lernerfahrungen.
6. Es gibt eine Tendenz, sich in der Migrantenkommune zusammenzuschließen und sich von der deutschen Gesellschaft zu isolieren. [5]
3. Lösungsansätze
- Deutschland hat seinen Status als Einwandererland lange Zeit nicht akzeptiert hat und kaum Konzepte für eine Integration der NeubürgerInnen entwickelt wurden, gibt es nun im Ergebnis starke strukturelle Defizite bei der Förderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Zusammenhang mit ihrem schulischen Werdegang. Aus diesen Defiziten und Versäumnissen entstehen Folgekosten, die die Gesellschaft zu tragen hat. Diese Kosten entstehen zum Beispiel, wenn Jugendliche keine qualifizierte Schulabschlüsse erreichen und daher keine Chance auf einen Ausbildungsplatz haben. Wenn die Teilhabe am Berufsleben verbaut oder erschwert ist, stehen die Chancen für eine Integration schlecht. Dies nicht nur für die betroffenen Jugendlichen, sondern auch für deren Kinder. Investitionen in gezielte Bildungsmaßnahmen, die frühzeitig greifen können, verringern materielle und soziale Folgekosten. [6]
- Die OECD fordert daher unter anderem Gefordert eine stärkere Förderung des Erwerbs der deutschen Sprache im Rahmen von schulischen bzw. vorschulischen Maßnahmen. Am Beispiel Kanada und Finnland könnte dies studiert und auf die deutsche Situation adaptiert werden. In den Untersuchungen aus diesen Ländern hat PISA aufgezeigt, dass durch die verstärkte Sprachförderung und die Anerkennung der Mehrsprachigkeit als besondere Kompetenz es zu höheren Quoten bei der Vermittelbarkeit von Jugendlichen kommt. [7]
- Patinnennetzwerk : Bei dem Patinnennetzwerk handelt es sich um ein in Nordrhein-Westfalen durchgeführtes Projekt, bei dem sich erfolgreich integrierte Migranten und Aussiedler beteiligen und die SchülerInnen beim Übergang von der allgemein bildenden Schule zur Berufsausbildung beraten und begleiten. Die Patinnen sind näher an den SchülerInnen dran, kennen ihre spezifischen Problemlagen und können als Vorbilder zeigen, dass es möglich ist, in dieser Gesellschaft Fuß zu fassen und ein Teil zu sein. Die Motivation und das Durchhaltevermögen der Jugendlichen werden positiv beeinflusst. [8]
Quellen :
Vernor Munoz, Rede auf der Didacta 2008
Delia Schröder in : ClidIntegration in Deutschland 4/2005
http://www.bqnet.de/content/0/1057/1541/2948/913_Patinnennetzwerk_BQN_1.pdf
www.bqnet.de/content/0/1057/1541/2948/2953
http://www.gew-bw.de/Vergleichsstudien.html
--Akumbaye 18:27, 27. Feb. 2008 (UTC)Karim Fadl
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