Berufliche Orientierung im Internet

Aus ArbeitslehreWiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Neue Medien und im Besonderen das Internet sind aus unserer heutigen, schnelllebigen Informationsgesellschaft nicht mehr wegzudenken. In diesem Zusammenhang nimmt das Internet auch beim Berufswahlprozess einen immer größeren Stellenwert ein. Dies zeigt sich beispielsweise darin, dass viele Firmen als einzige Möglichkeit der Bewerbung die Online-Bewerbung zulassen. Diese Tatsache impliziert die Vermutung, dass neue Medien auch zukünftig eine immer größere Rolle spielen werden, da sie einen schnellen, aktuellen und globalen Informationsaustausch ermöglichen.

Die vielfältigen Möglichkeiten, die das Internet bietet, sind noch lange nicht ausgeschöpft und daher sollte darüber nachgedacht werden, wie die neuen Medien noch stärker, sinnvoller und effektiver in den schulischen Unterricht mit einbezogen werden können.


Inhaltsverzeichnis

Stellenwert der beruflichen Orientierung im Internet

Das Internet – ein Instrument zur Berufsorientierung Jugendlicher?[1]

Inwieweit Jugendliche das Internet zur beruflichen Orientierung nutzen und ob dies sinnvoll und effektiv geschieht, wurde in der Studie Das Internet – ein Instrument zur Berufsorientierung Jugendlicher? untersucht. Dabei wurden folgende Fragen bearbeitet:

  • Nutzen Schülerinnen und Schüler die neue Informationsmöglichkeit durch Internetdatenbanken gezielt und engagiert?
  • Wird Lernenden die Nutzung der Informationen aus Internetdatenbanken durch mangelnde Selektions- und Bewertungshilfen erschwert?
  • Wie verhalten sich die Informationen aus Printangeboten zu Internetangeboten hinsichtlich der Nutzung und auch der individuellen Begleitung oder Nutzungshilfe?

Generalisierbarkeit der Studie

Da die Studie insgesamt nur circa 480 Schüler/innen aus Haupt-, Real- und Gesamtschulen befragte und somit die durch die Studie erhobenen Daten nicht repräsentativ sind, dient sie eher dazu einen möglichst informativen Datensatz zur Orientierung auf diesem Forschungsgebiet bereitzustellen.

Die Ergebnisse der Studie

Die Studie ergab, dass 72% aller Probanden, denen ein Computer mit Internetzugang im Haushalt zur Verfügung steht, diesen zur Informationsbeschaffung nutzen. Weiterhin verwenden 82% der Befragten an einen Computer mit Internetzugang zur beruflichen Orientierung. Die Informationen, die sich die Schülerinnen und Schüler aus dem Internet aneignen konnten, wurden von 62,2% der befragten Schüler/innen gleichwertig zu den Informationen, die in den Berufsinformationszentren erhältlich sind, angesehen. Überraschenderweise nimmt das Internet bei den befragten Jugendlichen kaum einen Stellenwert bei der Informationsbeschaffung zu den Berufswahlthemen ein, denn 78,4% der Schülerinnen und Schüler ordneten das Internet und dessen Wichtigkeit, im Vergleich zu anderen Informationsquellen, als nachrangig ein.
Überwiegend sind sich die befragten Jugendlichen einig, Hilfen zum Thema Berufsorientierung mit Hilfe des Internets werden zwar von den Schulen geboten, sind jedoch von geringer Qualität. Nutzungshilfen, die ihnen die Bundesagentur für Arbeit anbietet, leisten eindeutig mehr. Dagegen fand es bei den Schüler/innen positiven Anklang, dass die Berufsorientierung, inklusive der Recherche mit Hilfe des Internets, ein Thema des Arbeitslehreunterrichts ist.

Trotzdem die Studie, nach eigener Aussage, nicht repräsentativ ist, geht aus den Untersuchungen hervor, dass Schülerinnen und Schüler das Internet nicht wirklich als Entscheidungshilfe sehen, sondern vielmehr von dieser Flut an Informationen durch mangelnde Selektionsfähigkeiten ermüdet werden.

Voraussetzungen zur beruflichen Orientierung durch das und mit dem Internet

Medienkompetenz nach Baacke[2]

Um sich mittels des Internets erfolgreich beruflich zu orientieren, benötigen die Schüler/innen und Schüler die Schlüsselkompetenz Medienkompetenz. Diese Kompetenz umfasst nach Baacke[2] die verschiedensten Medien, stellt eine Basisqualifikation dar, die zum gesellschaftlichen Weltbestand gehört, ist eine Aufgabe lebenslangen Lernens und setzt sich aus vier Dimensionen zusammen:


  • Medienkritik
  1. analytische Unterdimension (analytische Anwendung von Hintergrundwissen)
  2. reflexive Unterdimension (reflexive Anwendung von analytischem und sonstigem Wissen)
  3. ethische Unterdimension (Übertragung von analytischem Denken und reflexivem Rückbezug auf die herrschenden Werte und Normen)
  • Medienkunde
  1. informative Unterdimension (klassisches Wissen)
  2. instrumentell-qualifikatorische Unterdimension (Fähigkeit neue Geräte adäquat zu bedienen)
  • Mediennutzung
  1. rezeptiv-anwendende Unterdimension (Tätigkeit, die Rezeptionskompetenzen erfordert; z.B. das Sehen von Filmen oder das Lesen von Texten)
  2. Unterdimension des auffordernden Anbietens und des interaktiven Handelns (interaktives Handeln; z.B. Telebanking und Teleshopping sowie Fotografie und Film)
  • Mediengestaltung
  1. innovative Unterdimension (Weiterentwicklung und Veränderung der Mediensysteme bezogen auf die praktisch-technische Anwendung)
  2. kreative Unterdimension (Weiterentwicklung und Veränderung der Mediensyteme bezogen auf den ästehtisch-künstlerischen Bereich)


Da sich die einzelnen Medien stetig weiter entwickeln, muss sich Medienkompetenz stets nach dem Stand der Dinge richten.

Eltern als Unterstützung ihrer Kinder bei der beruflichen Orientierung im Internet

Neben der Medienkompetenz ist die Unterstützung der Jugendlichen durch ihre Eltern eine weitere wichtige Voraussetzung für den Prozess der beruflichen Orientierung. Wird zur beruflichen Orientierung auch das Internet genutzt, müssen dementsprechend auch die Eltern über Medienkompetenz verfügen, um sie einerseits ihren Kindern zu vermitteln und um ihre Kinder andererseits bei der Informationssuche ausreichend unterstützen zu können.

Dabei stoßen die Eltern bei der Nutzung des Internets auf dieselben Probleme wie die Schülerinnen und Schüler: sie finden zu viele und unübersichtliche Informationen. Es muss also eine strukturierte Nutzungshilfe für die Eltern von Jugendlichen im Berufswahlprozess entwickelt werden, damit diese ihre Kinder effektiv bei der beruflichen Orientierung, durch das und mit dem Internet, unterstützen können.
Da solch eine Nutzungshilfe bisher nicht existiert, ist es die Aufgabe der Lehrenden, v.a. die der Arbeitslehrelehrer/innen, den Eltern zur Vorbereitung und Begleitung des Berufsorientierungsunterrichts konkrete Internetseiten und Informationen an die Hand zu geben. Dies könnte beispielsweise im Rahmen eines Elternabends, einer besonderen Sprechstunde oder einer Projektwoche für Schüler/innen und Eltern passieren.

Berufliche Orientierung im Internet im Rahmenplan für die Sekundarstufe I – Arbeitslehre

Es ist die Aufgabe des Integrationsfachs Arbeitslehre für die Sekundarstufe I laut Rahmenlehrplan[3] ein technisches und ökonomisches Basiswissen zu vermitteln. Das Thema ist, anhand des Rahmenlehrplans für die Sekundarstufe I im Fach Arbeitslehre, in der Doppeljahrgangsstufe 9/10 im Pflichtbereich P5 und P7 angesiedelt.

Im Zusammenhang mit dem Thema Berufsorientierung im Internet eignen sich die Lernenden im Modul P5 verschiedene Kompetenzen an. Mit Hilfe des Internets lernen die Schülerinnen und Schüler möglichst selbstständig angemessene berufsorientierende Informationen (zu Berufsbildern, Ausbildungswegen, Institutionen etc.) zu sammeln, zu bewerten und auf der Basis dieser Recherche unter Berücksichtigung ihrer eigenen Interessen, Fähigkeiten und Leistungen ihren weiteren Bildungs- und Berufsweg zu planen.

Aufbauend auf die berufsorientierenden Informationen und die Beratung aus Modul P5 geht das Modul P7 gezielt auf die Themen der Berufswahl und der damit einhergehenden Bildungswegentscheidung ein. Die Schülerinnen und Schüler erwerben in diesem Modul, über die berufsorientierenden Informationen und Beratungen hinaus, die Kompetenz ihre Interessen, Fähigkeiten und Eignungen realistisch einzuschätzen. Anschließend treffen sie auf dieser Grundlage eine begründete Entscheidung über ihren weiteren Bildungs- und Ausbildungsweg (inklusive einiger Alternativen) und nehmen letztlich die Realisierung ihrer beruflichen Entscheidung möglichst eigenverantwortlich in die Hand.

Für eine noch optimalere praktische Umsetzung des Themas Berufsorientierung durch das Internet, sollten für alle Beteiligten (Lehrende, Lernende und Eltern) strukturierte Nutzungshilfen erarbeitet werden, damit sie möglichst nachhaltig in den Prozess der Bildungs- und Berufswegplanung involviert werden.

Qualitätsaspekte für Internetseiten für den Berufswahlunterricht

Die Qualitätsansprüche, die an Internetseiten zur beruflichen Orientierung gestellt werden, setzen sich aus drei Komponenten zusammen. Zunächst gelten für sie dieselben Gütekriterien wie für jede andere Seite auch, nämlich die vier Aspekte Identität des Verfassers, Referenz, Objektivität und Aktualität der Internetseite [4].

Darüber hinaus richten sich viele Seiten zur beruflichen Orientierung direkt an Kinder bzw. Jugendliche, weshalb möglichst die Qualitätsaspekte, die speziell für Seiten für Kinder und Jugendliche gelten, erfüllt sein sollten. Hier ist der Erfurter Netcode[5] zu nennen, der ein Qualitätssiegel für Kindermedien im Internet entwickelt und fünf Gütekriterien für Internetseiten für Kinder aufgestellt hat: eine kurze Selbstdarstellung des Seitenanbieters, die Beachtung der Jugendschutzbestimmungen, die Vermittlung von Medienkompetenz, die klare Trennung von Inhalt und Werbung bzw. Verkauf sowie die Transparenz im Umgang mit den Daten des Nutzers.

Schlussendlich sind die Überlegungen zum jeweiligen Thema, mit welchem sich der Internetnutzer, in diesem Fall der Jugendliche im Berufswahlprozess, beschäftigt, ein wichtiger Faktor bei der Beurteilung von Internetseiten. Diese individuellen Kriterien sind zum Beispiel die Offenlegung der Kriterien nach denen Fragebögen ausgewertet werden oder eine pädagogisch-didaktische Gestaltung einer Internetseite.

Abschließend ist es wichtig, dass die Seiten und ihre Dienste möglichst kostenfrei sind.

Ausblick

Da sich die Forschung erst seit kurzer Zeit mit dem Thema der Berufsorientierung im Internet auseinandersetzt und es aus diesem Grund bisher wenige Studien und Erkenntnisse zur Sachlage gibt, fehlen bisher konstruktive Vorschläge zur Umsetzung. Vor dem Hintergrund der stetig zunehmenden Technologisierung bietet das Thema neue Medien in Zusammenhang mit der Berufsorientierung auch zukünftig Raum und Potential für kommende Forschungen.

Literatur

  1. L. Beinke: Das Internet als Informationsangebot zur Berufswahl. In: Wirtschaft und Erziehung. Nr. 12, 2007, S. 404-408.
  2. 2,0 2,1 D. Baacke: Zum Konzept und zur Operationalisierbarkeit von Medienkompetenz. 1998. URL: [1] Stand: 19.06.2009, 14:30 Uhr.
  3. Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport: Rahmenlehrplan für die Sekundarstufe I – Arbeitslehre. 2006. Berlin.
  4. Dienstleistungsgesellschaft für Informatik: Glaubwürdigkeit und Qualität von Internetseiten. 12.05.2009. URL: [2] Stand: 03.09.2009, 16:47 Uhr.
  5. Prof. Dr. B. Fuhs: Der Erfurter Netcode: Fragen zur Qualität von Internetseiten. In: Angebote für Kinder im Internet. Fischer (Reinhard). München. 1. Auflage. 2005. URL: [3] Stand: 03.09.2009, 16:23 Uhr.

Weblinks

Informationen und Unterrichtsmaterialien zu verschiedenen Berufswahlthemen
  • klicksafe.de: in neun Bausteinen gegliederte Unterrichtsmaterialien zum Thema verantwortungsvoller Umgang mit dem Internet.
  • lehrer-online: Informationen, Fachartikel und Unterrichtsmaterialien u.a zu den Themen Medienkompetenz und Berufsorientierung. Im Online-Shop kann man nützliche Literatur, auch kapitelweise, als pdf-Dokument erwerben.
  • Berufsorientierung im Land Brandenburg: Informationen rund um die Berufs- und Lebensweggestaltung für Schüler/innen und deren Eltern und Materialien für den Berufsorientierungsunterricht für Lehrerinnen und Lehrer sowie Unterstützung bei der Suche von Auszubildenden für die Ausbildungsbetriebe.
  • Jugend+Bildung: Informationen und Unterrichtsmaterialien (Unterrichtsentwürfen, Kopiervorlage, Themenhefte, Filme und Lernportale) u.a zum Thema Berufsorientierung für Lehrkräfte sowie Schüler/innen und deren Eltern.
  • planet-berufe.de: Informationen für Schülerinnen und Schüler zu Berufen und Ausbildung, inklusive Ausbildungsplatzsuche und Bewerbungstraining, sowie zum sinnvollen Überbrücken von Zeiten ohne Beschäftigung


Gezielte Informationssuche zu verschiedenen Berufswahlthemen
  • BERUFENET: Ein breites Spektrum an Berufs- und Ausbildungsinformationen von über 3000 Berufen.
  • rausvonzuhaus: Ein Überblick über verschiedene Angebote und Organisationen von Auslandsaufenthalten, Freiwilligendiensten und Ersatzdiensten.
  • Berufskompass: Eine Orientierungshilfe zur Berufswahl mittels eine circa 15minütigen Test mit 83 Fragen zur Berufswahl (individuelle Auswertung und Berufsvorschläge).
  • FOCUS Online: Einstellungstests zu den Themen Intelligenz, Persönlichkeit sowie Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit.
  • Praktikumsboerse: Eine strukturierte Orientierungshilfe bei der Auswahl eines Praktikumsplatzes mittels über 7000 angebotenen aktuellen Praktika im In- und Ausland.

Lehrende Statements der Lehrenden, Experten und Expertinnen zur Qualität:


Persönliche Werkzeuge