Bedingungsfaktoren der Berufswahl

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Die Berufswahl ist die Entscheidung über das Ergreifen oder Ändern des ausgeübten Berufs oder die Aufnahme einer Berufsausbildung. Dieser Entscheidungsprozess hängt von einer Vielzahl endogener und exogener Bedingungsfaktoren ab.

Inhaltsverzeichnis

Berufswahl: Eine Definition

Berufswahl ist eine unter bestimmten gesellschaftlichen Bedingungen und Einflüssen stehende, in der Regel wiederholt sich einstellende, interaktive Lern- und Entscheidungsphase, deren jeweiliges Ergebnis dazu beiträgt, dass Menschen unterschiedliche berufliche Tätigkeiten ausüben.[1]


Bedingungsfaktoren der Berufswahl[2]

Endogene Faktoren

Als innere (endogene) Bedingungsfaktoren der Berufswahl werden jene Determinanten bezeichnet, welche die individuellen Entscheidungskriterien für die Selektion der Berufswahlalternativen als Grundlage haben. Dazu gehören physische Voraussetzungen (Geschlecht, Alter), aber auch Eignung (schulische Leistung), Neigung im Sinne von Interessen des/der Einzelnen und sonstige endogene Faktoren wie Verantwortungs- und Entscheidungsfähigkeit.

Exogene Faktoren

Äußere (exogene) Faktoren der Berufswahl sind diejenigen gesellschaftlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen und Kriterien, welche außerhalb des Einwirkungsbereichs des/der Jugendlichen liegen. Die Berufswahlentscheidung hängt dabei von verschiedenen Lebensbereichen wie Familie, Schule und Peer Groups, aber auch der aktuellen Arbeits- und Ausbildungsmarktlage ab.


Schema: Bedingungsfaktoren

Im Folgenden eine graphische Darstellung der Berufswahl unter Einfluss von endogenen und exogenen Bedingungsfaktoren. Grundlage für diese Skizzierung ist die Annahme, dass die inneren und äußeren Faktoren nicht unabhängig voneinander die Berufswahl des Individuums bestimmen. Die schulische Leistung, die persönlichen Interessen und die Ausprägung von Schlüsselqualifikationen des einzelnen Schülers und der einzelnen Schülerin sind in nicht geringem Maße vom sozioökonomischen Umfeld dieses/r abhängig (vgl. auch die Ergebnisse der internationalen Schulleistungsuntersuchung PISA). Begründet durch Empirie nationaler und internationaler Schulleistungstudien und sonstiger Forschungsergebnisse der Erziehungswissenschaften und Soziologie stellt sich der Prozess der Berufswahl als Kreislauf, als Zusammenspiel endogener und exogener Bedingungsfaktoren dar.

Bild:Bedingungsfaktoren_marcelmager.JPG

Exkurs: Fünf Schritte zur Berufswahl

Das Zusammenspiel der endogen und exogenen Bedingungsfaktoren formt bei dem/der Berufswählenden bestimmte Vorstellungen und Erwartung an die Arbeitswelt. Ein Modell des Prozesses der Berufswahl im Folgenden:

  • Selbsterkennen (Was sind meine Fähigkeiten und Interessen?)
  • Information über die Berufswelt
  • Gegenüberstellung der Selbsterkenntnis und der gewonnenen Information
  • Eingrenzung der Wahlalternativen (Rangreihe der bevorzugten Berufe, Praktika)
  • Berufswahlentscheidung (Eingrenzung auf den gewünschten Beruf, Überprüfung der Ausbildungsmarktlage)

Diesen Prozess der Berufswahl des/der Einzelnen zu begleiten und zu unterstützen ist Aufgabe der Einrichtung Schule in ihrer Qualifikations- und Sozialisationsfunktion.


Berufswahlvorbereitung in Schulen

Neben dem Elternhaus und den Freunden kommt der Institution Schule als exogenem Bedingungsfaktor eine nicht gering gewichtige Rolle der Berufswahlvorbereitung zu: Schulen leisten den ersten didaktischen Schritt zur Hinführung Jugendlicher in die Berufs- und Arbeitswelt. Es ist die Aufgabe der Lehrenden, individuelle Fähigkeiten der Schüler und Schülerinnen wie Entscheidungsfähigkeit und Eigenverantwortung zu stärken und Kompetenzen zu vermitteln, welche die Employability sicherstellen. Im Speziellen durch das Fach Arbeitslehre sollten dem Schüler/der Schülerin technische, ökonomische und soziale Grundfähigkeiten und -kenntnisse näher gebracht werden, mit dem Ziel, diese/n zu einer ersten Berufs- und Ausbildungsentscheidung zu befähigen.

Sehr ausführlich: Berufswahlvorbereitung in Thüringen


Kritik am Begriff

Es stellt sich die Frage, ob der Terminus Berufswahl im Sinne von "Wahl des Berufes" überhaupt gerechtfertigt ist. Die Vielfalt an individuellen, institutionellen und sozioökonomischen Bestimmungsfaktoren[3] und Restriktionen lässt eher einen Arbeits- und Berufsfindungsprozess[4] als eine Berufswahl vermuten.


Web-Links

Berliner Bildungsserver

Kultusministerkonferenz

Meyers Lexikon online 2.0

Rahmenlehrplan WAT Brandenburg


Literatur

  1. Busshoff, Ludger: Berufswahl. Theorien und ihre Bedeutung für die Praxis der Berufsberatung, Kohlhammer Verlag, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1989
  2. Blasche, Drescher, Schoof: Bedingungsfaktoren der Berufswahl, Unterrichtsmaterial zur Arbeits-, Wirtschafts- und Gesellschaftslehre, 2. Auflage, Druck Verlag, Hannover 1985
  3. Tessaring, Manfred (Hrsg.): Ausbildung im gesellschaftlichen Wandel. Ein Bericht zum aktuellen Stand der Berufsbildungsforschung in Europa, Thessaloniki: CEDEFOP 1999
  4. Beinke, Lothar: Berufswahl, Bock Verlag, Bad Honnef 1999


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  • --Kristina Köhnlein: Dieser Artikel ist sehr gut. Verbesserungen möglich bei Ausführlichkeit, gendersensibler Sprache und Erläuterung der Grafik.
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