Bamberger Studie: Ehepaar Panel

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Inhaltsverzeichnis

Gesellschaftspolitische Relevanz

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts haben sich die Lebenszusammenhänge der Frauen in Deutschland stark verändert. Insbesondere sind die Chancen in den Bereichen Bildung, Erwerbstätigkeit und Karriere deutlich gestiegen. In dieser Hinsicht haben Frauen gegenüber den Männern stark aufgeholt und eine klare Verbesserung ihrer Position erfahren. Mit dieser Entwicklung wird die Erwartung geknüpft, dass sich somit auch die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung in deutschen Haushalten verändert. Demnach wird vermutet, dass sich die Männer stärker am Haushalt beteiligen, wenn Ihre Frauen selbst erwerbstätig sind.


In diesem Zusammenhang sind zwei Trends entstanden:

  • Männer haben durch die Veränderung im weiblichen Lebenszusammenhang, kaum mit einer größeren Beteiligung am Haushalt reagiert
  • die Zeit, die Frauen täglich für die Hausarbeit aufbringen, ist kontinuierlich gesunken


Vor diesem gesellschaftlichen Hintergrund wurde im Rahmen eines größeren Forschungsprojekts am Staatsinstitut für Familienforschung in Bamberg, die häusliche Arbeitsteilung im Eheverlauf untersucht. Das Bamberger Ehepaar – Panel ist eine soziologische Langzeitstudie und stellt die Daten der ersten 14 Ehejahre westdeutscher Paare zur Verfügung. Die hier befragten Paare wurden 1988 getraut und waren zu Beginn der Eheschließung kinderlos. Das Panel ist für Westdeutschland repräsentativ.

Arbeitsteilung zu Beginn der Ehe

Die folgende Tabelle zeigt, wie die Ehegatten kurz nach der Eheschließung die Hausarbeit untereinander aufteilten. Für diese Einschätzung wurden vier Haushaltstätigkeiten untersucht, die zu den zentralen und alltäglichen Aufgaben im Haushalt gehören:

  • 1.Kochen
  • 2.Abspülen + Abtrocknen
  • 3.Putzen, sauber machen
  • 4.Wäsche waschen + Bügeln

Bild:Ehepaar_Panel1988.JPG Quelle: Bamberger - Ehepaar - Panel / 1988


stark traditional = Frau verrichtet die Arbeit im Haushalt komplett allein.

traditional = Frau leistet die überwiegende Arbeit, Mann beteiligt sich.

partnerschaftlich = beide Partner verrichten zu gleichen Teile die Hausarbeit(meist abwechselnd).

nicht traditional = Mann übt die meiste Hausarbeit aus, Frau beteiligt sich.

stark nicht traditional = Mann verrichtet die komlpette Hausarbeit allein.


Weitere Analysen zum Zustandekommen dieser Formen haben gezeigt, dass die Alltagsorganisation kurz nach der Eheschließung nicht von Bildung, Erwerbsumfang und Einkommen abhängt. Vielmehr weisen die Ergebnisse auf eine kulturell geprägte, unterschiedliche Wertigkeit männlicher und weiblicher Ressourcen hin: Frauen müssen in aller Regel mehr leisten (Hausarbeit, Kinder, Erziehung)

Arbeitsteilung im Verlauf der Ehe

Wichtiger als die Untersuchungen von Momentaufnahmen in einer Ehe, ist die Suche nach Ursachen für die Veränderung in der häuslichen Arbeitsteilung im Zeitverlauf. Im Laufe der Ehe kann sich vieles ändern:

  • aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Mutterschutz reduzieret ein Partner die Erwerbsarbeit
  • der Partner weitet die Arbeit aus (neue Anstellung oder der Neueinstieg nach der Elternzeit)


Solche Veränderungen können zu einer Neuorganisation der Arbeitsteilung führen!!!


Vor diesem Hintergrund wurde untersucht, wie sich diese Aspekte auf die Beteiligung der Männer im Haushalt auswirken. Die Chancen auf eine stärkere Beteiligung der Männer an den "typisch weiblichen" Tätigkeiten im Haushalt wie – Kochen, Abspülen, Putzen und Wäsche waschen – nehmen mit steigender Ehedauer deutlich ab.

Je länger eine Ehe andauert, desto mehr verfestigen sich geschlechtstypische arbeitsteilige Strukturen im Lebensalltag. Für die Ehegatten wird es immer schwieriger, sich zu verändern und die Aussichten der Frauen, ihre Männer zu einer größeren Beteiligung am Haushalt zu bewegen, schwinden zusehends.


Der Befund aus dem Forschungsprojekt bestätigen die bekannte "Honeymoon-Hypothese". Diese besagt, dass Männer zu Beginn der Ehe versuchen, durch besonderes Engagement und Entgegenkommen bei der Hausarbeit die Bindung zwischen Ihnen und der Gattin zu festigen. Im Laufe der Zeit stellt sich jedoch eine Gewöhnung ein und die anfängliche Bereitschaft der Männer verflüchtigt sich.

Bild:Formen_der_Arbeitsteilung_im_Eheverlauf.JPG Quelle:Bamberger - Ehepaar - Panel / 1990 - 2002


stark traditional = Frau verrichtet die Arbeit im Haushalt komplett allein.

traditional= Frau leistet die überwiegende Arbeit, Mann beteiligt sich.

partnerschaftlich= beide Partner verrichten zu gleichen Teile die Hausarbeit(meist abwechselnd).

nicht traditional= Mann übt die meiste Hausarbeit aus, Frau beteiligt sich.

stark nicht traditional= Mann verrichtet die komlpette Hausarbeit allein.

Die Entwicklung der Arbeitsteilung im Laufe der Ehejahre

Die Suche nach den Ursachen für die beschriebene Entwicklung führte zu einem überraschendem Ergebnis: Die individuellen Ressourcen der Ehegatten, also Bildung, Erwerbsumfang und Einkommen haben keinen nennenswerten Einfluss auf diese Veränderungen im Zeitverlauf. Das bedeutet, dass sich die Chancen auf eine stärkere Beteiligung des Mannes im Laufe der Ehejahre systematisch reduzieren und zwar unabhängig davon, wie viel die Ehegatten arbeiten oder verdienen. Im Gegensatz dazu hat eine Veränderung der Familiensituation, einen starken Einfluss auf die Entwicklung der Arbeitsteilung innerhalb der Ehe.

Quelle: Florian Schulz & Hans-Peter Blossfeld, 2006, Wie verändert sich die häusliche Arbeitsteilung im Eheverlauf? Eine Längsschnittstudie der ersten 14 Ehejahre in Westdeutschland, Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. 58. Jahrgang. Heft 1. Seite 23 – 49.

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