Au-pair-Beschäftigung als Berufsorientierung
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„Au-pair“ kommt aus dem Französischen und bedeutet „auf Gegenseitigkeit“. Die Au-pair-Beschäftigung ermöglicht jungen Menschen einen Auslandsaufenthalt bei einer Gastfamilie, wo sie bei der Kinderbetreuung und der täglichen Hausarbeit mithelfen und im Gegenzug dafür Unterkunft und Verpflegung erhalten.[2] Dabei haben Au-pairs die Möglichkeit ihre Fremdsprachenkenntnisse, die in der Berufswelt immer wichtiger werden, zu verbessern, neue Kulturen kennen zu lernen, sich beruflich zu orientieren und weiter zu entwickeln.
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Allgemeines
Die Berufsorientierung befindet sich im Wandel, vor allem aufgrund der Veränderung der Arbeitswelt. Diese Veränderungen werden durch die sogenannten Trends beschrieben. Eines dieser Trends ist die Entstandardisierung der Erwerbsbiographien, das heißt die traditionelle Erwerbsbiographie, welches aus zwei Schwellen besteht, und zwar zum einen aus dem Übergang von der allgemein bildenden Schule in die Berufsausbildung/Studium und zum anderen aus dem Übergang von der Berufsausbildung/Studium in die Beschäftigung, entwickelt sich zur fragmentierten Erwerbsbiographie, denn die Erwerbsbiographien der Jugendlichen sehen heutzutage anders aus. Die Übergange und die Abfolge der Stationen weiten sich aus, beispielsweise wird die Erwerbsbiographie durch einen Auslandsaufenthalt erweitert.[3] Ein Auslandsaufenthalt kann eine Au-pair-Beschäftigung sein.
Das wachsende Interesse am internationalen Au-pair-Programm in Deutschland erklärt sich durch die Globalisierung der Wirtschaft und der Arbeitsmärkte, denn es werden neue Qualifikationen, wie die Fähigkeit internationaler Kooperation, Verständnis globaler Zusammenhänge, berufliche Mobilität und Fremdsprachenkenntnisse gefordert. Auslandserfahrungen und Sprachkenntnisse sind heute auf dem Arbeitsmarkt gefragter und wichtiger denn je. Das Au-pair-Programm ist eine gute Möglichkeit, die Aspekte der Arbeitswelt und Familienleben sowie Auslandserfahrungen und Kulturaustausch zu einen.[4] Die Anzahl der Au-pair-Mädchen ist höher als die der Au-pair-Jungen, diese bevorzugen eher andere Auslandsprogramme, wie den Schüleraustausch.[5]
Arbeitsbedingungen
Die allgemeinen Arbeitsbedingungen sind in den verschiedenen Ländern unterschiedlich geregelt. Allerdings gelten in den meisten westeuropäischen Staaten die Rahmenbedingungen des „Europäischen Au-pair-Abkommens“ von 1969.[6]
Dauer und Beschäftigungszeit
Im Regelfall dauert der Auslandsaufenthalt ein Jahr, im Ausnahmefall ein halbes oder sogar zwei Jahre. Die Arbeitszeit eines Au-pairs darf in der Woche 30 Stunden, die auf fünf bis sechs Arbeitstage verteilt sind, meist nicht überschreiten.[7]
Aufgaben eines Aupairs
Neben den Hauptaufgaben einer/eines Au-pair-Beschäftigten die, die Betreuung, Unterhaltung und Pflege der Kinder umfassen, gehören täglich anfallenden Hausarbeiten wie beispielsweise bügeln, aufräumen, Geschirr spülen, Staub saugen und weitere leichtere Hausarbeiten zu den weiteren Aufgaben. Es soll lediglich Hilfe geleistet werden, das heißt es muss keinesfalls der gesamte Hausputz übernommen werden.[8] Der Besuch eines geeigneten Sprachkurses ist empfehlenswert und in Frankreich sogar verpflichtend, denn nicht nur der praktische Umgang mit der Sprache des Gastlandes soll verbessert werden, sondern auch die Grammatik und Korrespondenz. Außerdem können dabei Kontakte zu anderen Au-pairs und Sprachstudenten geknüpft werden.[9]
Vorraussetzungen
- Mindestalter 18 Jahre, Höchstalter je nach Gastland zwischen 26 und 30 Jahre
- Grundkenntnisse der Landessprache
- Ledig und kinderlos
- Erfahrungen in der Kinderbetreuung
- Frei von chronischen und infektiösen Krankheiten
- Meist auch Führerschein[10]
Finanzielles
Ein Au-pair-Aufenthalt ist im Gegensatz zu anderen Auslands- und Sprachprogrammen eine Möglichkeit mit sehr geringem finanziellem Aufwand Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Neben den Kosten für die Vermittlungsagentur und die Reise, fallen nur die Kosten des Sprachkurses an, die mit dem Taschengeld, das man von der Gastfamilie bekommt finanziert werden kann. Außerdem reicht das Taschengeld auch um sich mit persönlichen Dingen zu versorgen. Die Unterbringung und Verpflegung wird von der Gastfamilie gewährleistet. In bestimmten Fällen wird Kindergeld weiterhin gezahlt.[11]
Die Länder
Als klassische Au-pair-Länder gelten Großbritannien und Frankreich. In Großbritannien gibt es schätzungsweise 30.000 Au-pair-Verhältnisse, in Frankreich etwa 20.000. In der letzten Jahren jedoch bevorzugen die Jugendlichen als Au-pair in die USA zu reisen. Zu den weiteren beliebten Ländern gehören: Irland, Spanien, Italien, die Schweiz, Norwegen, Schweden und außereuropäische Länder wie Kanada, Australien und Neuseeland.[12]
Vorteile
Für die Au-pair-Beschäftigten
Die Vorteile eines Au-pair-Programms sind zweiseitig. Einerseits bringt es dem der/dem Au-pair-Beschäftigten Vorteile, denn der junge Mensch sammelt Erfahrungen, die sich auf seine beruflich Entwicklung auswirken, eignet sich bestimmte Kompetenzen an, wie beispielsweise Verantwortungsbewusstsein, Selbstständigkeit, Zuverlässigkeit und Anpassungsfähigkeit. Außerdem verbessert er seine Sprachkenntnisse und ist sozial aktiv. Für Berufe im sozialpädagogischen, hauswirtschaftlichen und pflegerischen Bereich kann diese Erfahrung ebenfalls vorteilhaft sein, denn auf diesem Weg kann man prüfen, ob man für diese beruflichen Bereiche geeignet ist. Darüber hinaus wird eine gute Überbrückungsmöglichkeit zwischen Schule und Ausbildung/ Studium geboten. In ihrem Lebenslauf können die Jugendlichen eine Zusatzqualifikation nachweisen, die für die späteren Bewerbungen zum Vorteil sind.
Die Agentur IN VIA fragt alle Au-pairs, was ihnen die Zeit im Ausland gebracht hat, dabei werden 5 Dinge immer wieder genannt: die Verbesserung der Ausdrucksweise in der Fremdsprache, der bessere Umgang mit Menschen, mehr Selbstvertrauen und Selbstständigkeit, das Kennenlernen einer neuen Kultur und die Offenheit für Neues. Viele Jugendliche entdecken ihre eigene Persönlichkeit, lernen ihre Stärken und Schwächen besser kennen.[13] Dies gibt ihnen eine bessere Möglichkeit sich beruflich zu orientieren.
Arbeitgeber wissen, dass Auslandsaufenthalte solche Lernerfolge bringen. So wächst die Chance auf einen Ausbildungsplatz oder eine gute Stelle.[14]
Für die Gastfamilie
Auf der anderen Seite ergeben sich Vorteile für die Gastfamilie im Bezug auf ihr berufliches Leben, denn eines der großen gesellschaftlichen Themen in Deutschland ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die moderne Arbeitswelt erwartet Flexibilität, die Eltern schwer mit ihrem Familienleben in Einklang bringen können.[15] Ein Au-pair-Mädchen oder ein Au-pair-Junge dienen an dieser Stelle als Unterstützung bei der Kinderbetreuung und den Hausarbeiten, so wird Eltern die Zeit ermöglicht besser ihrer beruflichen Tätigkeit nachzugehen.
Au-pair als Thema im Arbeitslehreunterricht
Eines der Hauptaufgaben des Arbeitslehreunterrichts ist die Berufswahlvorbereitung. Im Berliner Rahmenlehrplan für das Fach Arbeitslehre gehören zu den Inhalten im Plichtbereich der Doppeljahrgangsstufe 9/10 die Themen „Überbrückungsmöglichkeiten bei Wartezeiten“ und „Kein Ausbildungsplatz was dann?“.[16] Hier kann das Thema Au-pair gut eingliedert werden, denn es ist wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler wissen welche Möglichkeiten sie haben, um Wartezeiten sinnvoll zu nutzen und dabei Kompetenzen zu erlangen, die ihnen bei ihrem Berufsfindungsprozess helfen. Im Vergleich zu anderen Möglichkeiten bietet die Au-pair-Beschäftigung eine sehr gute Chance die Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern, die in einer sich wandelnden Arbeitswelt immer wichtiger werden. Ihr Qualifikationsprofil wird ebenfalls erweitert. Außerdem sollen sie lernen ihre Berufsbiographie planvoll zu gliedern und die Ziellosigkeit möglichst vermeiden.
Einzelnachweise
- ↑ vgl. http://www.tschechien-portal.info/modules.php?op=modload&name=Bilder&file=media&type=bild&tid=21
- ↑ vgl. Bundesagentur für Arbeit, http://www.arbeitsagentur.de/nn_26274/zentraler-Content/A04-Vermittlung/A042-Vermittlung/Allgemein/Au-pair.html
- ↑ vgl. Schober, Karen, Berufsorientierung - Vorbereitung auf eine veränderte Arbeitswelt. Vortrag im Rahmen der 2. Fachtagung des Programms "Schule-Wirtschaft/Arbeitsleben" am 31. Mai 2001. http://www.sowi-online.de/reader/berufsorientierung/schober.htm#kap4
- ↑ vgl. Welzel, Heike, Vorwort in: Au-pair-Jahrbuch 2007/2008, Au-pair in Deutschland und weltweit, Wissenswertes, Tipps und Trends, hrsg. von Sabine Ufer, Neunkirchen-Seelscheid 2007, S.4
- ↑ vgl. http://www.pepperoni.de/magazin/schuleundberuf/auslandsprogramme/art45,7667
- ↑ vgl. Caudere-Preil, Susanne, Als Au-pair ins Ausland, Neunkirchen-Seescheid 2008, S.15
- ↑ vgl. Caudera-Preil, Susanne, Als Au-pair ins Ausland, Neunkirchen-Seescheid 2008, S.16
- ↑ vgl. Caudere-Preil, Susanne, Als Au-pair ins Ausland, Neunkirchen-Seescheid 2008, S.16-17
- ↑ vgl. Caudera-Preil, Susanne, Au-pair im Ausland in: Au-pair-Jahrbuch 2007/2008, Au-pair in Deutschland und weltweit, Wissenswertes, Tipps und Trends, hrsg. von Sabine Ufer,Neunkirchen-Seelscheid 2007, S.19
- ↑ vgl. Caudera-Preil, Susanne, Als Au-pair ins Ausland, Neunkirchen-Seescheid 2008, S.20
- ↑ vgl. Caudera-Preil, Susanne, Als Au-pair ins Ausland, Neunkirchen-Seescheid 2008, S.21
- ↑ vgl. Caudera-Preil, Susanne, Als Au-pair ins Ausland, Neunkirchen-Seescheid 2008, S.11
- ↑ vgl. http://www.planet-beruf.de/Au-pair.3481.0.html
- ↑ vgl. http://www.planet-beruf.de/Au-pair.3481.0.html
- ↑ vgl. Welzel, Heike, Vorwort in: Au-pair-Jahrbuch 2007/2008, Au-pair in Deutschland und weltweit, Wissenswertes, Tipps und Trends, hrsg. von Sabine Ufer,Neunkirchen-Seelscheid 2007, S.4
- ↑ vgl. Berlin Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport. Rahmenplan für die Sekundarstufe I Arbeitslehre. http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/schulorganisation/lehrplaene/sek1_arbeitslehre.pdf
Quellen
Literatur
- Caudera-Preil, Susanne: Als Au-pair ins Ausland, 1.Aufl.- Neunkirchen-Seelscheid, Calypso Verlag, 2008
- Ufer, Sabine (Hrsg.): Au-pair-Jahrbuch 2007/2008, Aupair in Deutschland und weltweit, Wissenswerte, Tipps und Trends, 1. Aufl.- Neunkirchen-Seelscheid, Calypso Verlag, 2007
Internetseiten
(Stand: 05.03.2009)
- http://www.arbeitsagentur.de/nn_26274/zentraler-Content/A04-Vermittlung/A042-Vermittlung/Allgemein/Au-pair.html
- http://www.sowi-online.de/reader/berufsorientierung/schober.htm#kap4
- http://www.pepperoni.de/magazin/schuleundberuf/auslandsprogramme/art45,7667
- http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/schulorganisation/lehrplaene/sek1_arbeitslehre.pdf
- http://www.planet-beruf.de/Au-pair.3481.0.html
- http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-bildung/schulorganisation/lehrplaene/sek1_arbeitslehre.pdf
Weblinks
- Au-pair Bundesarbeitsgemeinschaft IN VIA. http://www.aupair-invia.de/
- Verein für Internationale Jugendarbeit (vij) http://au-pair-vij.org/
- Internetportal für Familien und Au-pairs. http://www.aupair-world.net/
- Gütegemeinschaft Au-pair e.V. http://www.guetegemeinschaft-aupair.de/

